Mountainbike-Trails: Jetzt spricht der Naturschutz

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Echte Mountainbiker "reiten" auf solch unbefestigten wegen durch den Wald. Naturschützer werfen ihnen vor, sich über die Verordnung hinweg zu setzen, dass in Baden-Württemberg Radfahren im Wald nur auf mindestens zwei Meter breiten Wegen erlaubt ist. Symbolfoto: pixabay
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Womit Carsten Schymik den Widerspruchsgeist des BUND-Ortsverbands Aalen geweckt hat.

Aalen. Mountainbiker sollen in Aalen künftig auf offiziell anerkannten Trails durch Wald und Wiesen geführt werden. Weil dabei vor allem die Anliegen von Natur-, Umweltschutz und Forst mit den Interessen der Freizeitsportler unter einen Hut gebracht werden müssen, wird das, was machbar ist und was nicht, an einem "Runden Tisch für Mountainbiker" verhandelt. Die erste Sitzung fand bereits im November statt.

Mit welchen klaren Vorstellungen die Vertreter der Mountainbiker in die Gespräche gehen, hat bereits der in der Deutschen Initiative Mountainbike Ostwürttemberg (DIMB) engagierte Carsten Schymik im SchwäPo-Interview öffentlich gemacht. Einige seiner Aussagen erregen den Widerspruchsgeist von Carl-Heinz Rieger, engagiertes Mitglied und ehemals langjähriger Vorsitzender im BUND Ortsverband Aalen. "Den Dialog mit den MTB-Vertretern scheuen wir Naturschützer nicht", stellt er an den Beginn seiner kritischen Stellungnahme. Im Gegenteil, der Vorschlag, einen runden Tisch einzurichten, gehe auch auf die Initiative des BUND Ortsverbands Aalen zurück. Auch sei der BUND bereit, bei der Suche nach legalen Trails in angemessenem Umfang und in erlaubtem Terrain mitzuwirken, wobei ökologisch besonders wertvolle Gebiete tabu seien und von der Forstverwaltung notfalls gesperrt werden müssten.

"Wir sind nicht grundsätzlich gegen Mountainbiking im Wald", stellt Rieger klar. Aber im Moment gebe es über 140 Trails in Aalen und Umgebung. "Mountainbiker suchen sich ihre eigenen Strecken durch den Wald. Das kann nicht sein", betont Rieger. "Es muss klar sein, dass es eine Zielsetzung für ein Internationales MTB-Zentrum/Hotspot Ostalb, wie es vom Planungsbüro Berg & Bike bereits angedacht ist, mit uns Natur- und Umweltschützern nicht geben wird." Nachfolgend ein Auszug dessen, woran Carl-Heinz Rieger die Kritik des BUND-Ortsverbands festmacht:

Wegbreite: Obwohl in Baden-Württemberg Radfahren im Wald nur auf zwei Meter breiten Wegen erlaubt ist, setzten sich viele Biker über diese Verordnung hinweg. Carsten Schymik behaupte im Interview zwar, dass Mountainbiker die Regel einhielten, nicht auf Wegen unter zwei Metern Breite zu fahren. Die Realität aber sehe anders aus, schreibt Carl-Heinz Rieger. Wenn man derzeit den Spuren der Mountainbikes im Schnee folge, stoße man auf viele Trails, die nicht mal einen Meter breit seien. Daraus ergebe sich auch die eine oder andere unliebsame Begegnung zwischen Bikern und anderen Waldbenutzern wie etwa Wanderern.

Digitaler Wegebau: Die von Mountainbikern auf einer Internetplattform verzeichneten Trails locken von weither Bike-Touristen an, die laut Carl-Heinz Rieger die Wälder der Ostalb "durchfurchen" und Fußgänger in Gefahr bringen, Tiere verschrecken, verletzen und sogar töten – sowie Pflanzen ausmerzen. Zwar zeige sich die DIMB bereit, sich mit Forst, Jagdgenossenschaften, Naturschützern, Waldbesitzern und anderen für ein offizielles Kartieren der Trails abzustimmen. Aber die DIMB, so Rieger, erwähne nicht, wie der "Wildwuchs" an Zahl und Beschaffenheit der im Internet ausgewiesenen Trails rückgängig gemacht werden soll.

Mountainbiking als Wirtschaftsfaktor: Carl-Heinz Rieger wirft der DIMB weiter vor, die Ausbeutung der Wälder in Kauf zu nehmen. Weil die Mitglieder mit dem Trailnetz auch den Tourismus ankurbeln wollen und Mountainbiken somit als einen Wirtschaftsfaktor für die Region bezeichnen.

Gefahr für geschützte Tierarten: Die FFH-Gebiete des Albtraufs seien Refugien für streng geschützte Tier- und Pflanzenarten, so Rieger. Beispielsweise für Wildkatze, Luchs und Uhu. Rieger: "Auch der Wolf ist hier schon durchgezogen." Die zunehmenden Fahrten in der Dämmerung und bei Dunkelheit bezeichnet Rieger als großes Problem. "Das helle Licht der Stirnlampen der Mountainbiker verschreckt die Tiere." Vor allem jetzt, im Winter, wenn die Tiere ihre Lebensvorgänge heruntergefahren haben. "Wenn sie da gestört werden und fliehen müssen, ist die Gefahr groß, dass sie sterben", stellt Rieger fest.

Als Zielvorgabe des runden Tischs für Mountainbiker nennt der frühere Vorsitzende des BUND-Ortsverbandes, gemeinsam und unter Moderation von Forstdirektor Johann Reck "ein paar Trails" von unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad ausfindig machen zu wollen. "Aber so ein dichtes und großräumiges Trailnetz, wie es sich die DIMB vorstellt, geht natürlich nicht."

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