Müllsparsack contra Mülltonne

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Den Müllsparersack (links) dürfen ab Januar 2022 nur noch Single-Haushalte verwenden. Haushalte mit mehren Personen müssen eine Mülltonne nutzen.
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Der Müllsparersack wird abgeschafft. Leser Werner Wohlfahrt hat seinen Unmut in einem offenen Brief geäußert. Was der Landrat antwortet.

Aalen

Der Kreistag hat das Schicksal des Müllsparersacks besiegelt. Dreipersonen-Haushalte müssen ab dem 1. Januar 2021 auf die 60-Liter-Mülltonnen umsteigen. Für Zweipersonen-Haushalte ist der Stichtag im Januar 2022. Dieser Schritt sei unverhältnismäßig für Menschen, die ihren Müll sorgfältig trennen, findet der SchwäPo-Leser Werner Wohlfahrt aus Aalen.

In einem offenen Brief hat er noch vor der Entscheidung zur neuen Abfallwirtschaftssatzung am vergangenen Mittwoch an Landrat Klaus Pavel, den Kreistag und die GOA appelliert. Darin bat er vergeblich, die geplanten Maßnahmen "nicht in voller Gänze umzusetzen, sondern Zweipersonen-Haushalten auch die Müllsparerlösung zu erhalten und auf die Mindestabnahme von neun Säcken zu verzichten".

Wohlfahrt lebt mit seiner jungen Tochter in einem Zweipersonen-Haushalt. Mit der Müllsparerlösung komme er bestens aus. "Ich brauche vielleicht alle zwei Monate einen Sack", sagt er. Er versuche mit seiner Tochter einen nachhaltigen Lebensstil zu pflegen. Dabei achte er unter anderem auch auf Mülltrennung und vor allem auf Müllvermeidung. Damit liege er zusätzlich auch unter der Mindestnutzung des Müllsparersacks. "Bisher lag die maximale Anzahl bei neun Müllsparersäcken, jetzt liegt sie bei mindestens neun. Das ergibt keinen Sinn."

Ab dem 1. Januar 2022 soll er nun auf eine 60-Liter-Tonne wechseln. Dies würde laut Wohlfahrt dazu führen, dass er nur eine halb volle Tonne raus stellt. "Das muss ja nicht sein." Oder, dass die Tonne eben doch vollgemacht werde, "da sie sowieso raus gestellt werden muss". Das verleite zu mehr Müll, so Wohlfahrt.

Nur Pavel antwortete

Auf seinen offenen Brief antwortete bislang nur Landrat Klaus Pavel. Darin begründet er die Jahresgebührenerhöhung und die Neuregelung.

Das verleitet zu mehr Müll.

Werner Wohlfahrt Müllkunde

Die durchschnittliche Abfallmenge im Ostalbkreis beträgt pro Person und Woche sieben Liter – bei Zweipersonen-Haushalten somit die 14 Liter pro Woche, wie das Landratsamt auf Nachfrage mitteilt. Bei einem Leerungsvolumen von 240 Litern im Jahr bei einer 60 Liter-Tonne und den vorgeschriebenen vier Mindestleerungen ergibt sich ein wöchentliches Leerungsvolumen von 4,6 Litern. Somit entstehe ein hinreichender Anreiz für die Müllvermeidung, so das Landratsamt. Das Ziel: wilden Müll vermeiden.

Laut Pavel soll durch die Festlegung von Mindestleerungen "sichergestellt werden, dass der Abfall in regelmäßigen Zeitabständen abgefahren wird und die Gebührenpflichtigen nicht verleitet werden, ihren Abfall verbotswidrig zu entsorgen". Des Weiteren soll eine Reduzierung der Müllsparsäcke dem Arbeitsschutz dienen, da Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der GOA durch das Gewicht der Säcke und die Drehbewegungen belastet werden. Für Wohlfahrt kein gültiges Argument. "Dafür gibt es sicher auch eine technische Lösung", so der Aalener.

Hoffen auf die Ausnahmeregel

Nun hoffe Wohlfahrt auf die "begründete Ausnahmeregelung für Zweipersonen-Haushalte". Ein begründeter Ausnahmefall liegt laut Landratsamt beispielsweise vor, wenn der Haushalt auf dem Grundstück keine Möglichkeit hat, einen Müllbehälter zu stellen. Oder wenn aufgrund der Lage des Grundstücks der Behälter über größere Distanzen zu der Stelle transportiert werden müsste, die von Sammelfahrzeugen angefahren werden könne. Ausnahmen können auch im Einzelfall entschieden werden, so das Landratsamt Ostalb weiter.

"Ich habe nun eine Galgenfrist bis 2022. Da werde ich Anträge für die Einzelfälle einreichen", betont Wohlfahrt. Eine weitere Möglichkeit sei es, eine Müllgemeinschaft mit einem Nachbarn einzugehen. Somit würden sich zwei Haushalte eine Mülltonne teilen.

Enttäuscht zeigt Wohlfahrt sich von der GOA. "Ich habe bislang keine Rückmeldung auf meinen Brief erhalten." Auch auf Nachfrage dieser Zeitung wollte sich die GOA nicht zum Thema äußern und verweist auf die Antwort von Landrat Klaus Pavel zum Thema Neuregelung der Abfallwirtschaft.

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