Mutmaßlicher Brandanschlag in Aalen wirft Fragen auf

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Links des Eckhauses am Aalener Marktplatz befindet sich die Metzgerei Schuster, rechts ist die Havanna Bar in der Helferstraße.
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Aalen

Egal, wem es passiert, es ist einfach erschreckend.

Michael Wiedenhöfer, Inhaber der Havanna Bar
  • Brand in der Metzgerei Schuster: Die Hintergründe
  • Die Metzgerei Schuster am Aalener Marktplatz gibt es seit 78 Jahren. Am Sonntag, gegen 3 Uhr, bemerkten Anwohner das Feuer in dem Geschäftshaus. Als die Feuerwehr eintraf, stand die Metzgerei, die sich im Erdgeschoss befindet, bereits in Vollbrand. Der Feuerwehr gelang es, ein Übergreifen auf die Nachbargebäude, die vorsorglich geräumt worden waren, zu verhindern. Personen kamen nicht zu Schaden.
  • Der Sachschaden an dem Gebäude beläuft sich auf rund 500.000 Euro. Gutachterliche und kriminaltechnische Untersuchungen ergaben wenige Tage später, dass eindeutige Hinweise auf eine vorsätzliche Brandlegung vorliegen.

Nach dem nächtlichen Brand in der Metzgerei Schuster am Samstag vor einer Woche brodelt die Gerüchteküche: Stunden vor dem Feuer gab es, wie Bernd Märkle vom Polizeipräsidium Aalen auf Anfrage bestätigt, einen Einsatz in der benachbarten Havanna Bar. Dort wurde zwei Gästen Hausverbot erteilt. Weil die Situation eskalierte, wurde die Polizei hinzugezogen. Nun gibt es Gerüchte, dass die mutmaßliche Brandstiftung in Wirklichkeit eine Vergeltungsaktion gegen den Barbesitzer war – die dann aber die Falschen getroffen hat.

Was bis jetzt laut Polizeisprecher Märkle feststeht: Nach wie vor gibt es eindeutige Hinweise auf Brandstiftung, die Ermittlungen dazu dauern an. Details möchte Märkle nicht nennen. „Aber die Kriminaltechnik hat eindeutige Spuren gesichert.“

Außerdem betont er, dass aktuell, entgegen aller Gerüchte, kein Zusammenhang zwischen den beiden Männern, die an besagtem Abend der Havanna Bar verwiesen wurden, und dem Brand bestätigt festgestellt werden kann. „Die Männer werden zwar dazu vernommen, aber wir vernehmen auch viele weitere Personen“, ergänzt POlizeisprecher Bernd Märkle.

Michael Wiedenhöfer, Inhaber der Havanna Bar, ist noch immer betroffen von dem Brand. „Egal, wem es passiert, es ist einfach erschreckend“, sagt er. Der Gedanke daran, was hätte passieren können, wäre der Brand erst später bemerkt worden, beschäftigt ihn: „Wenn die ganze Altstadt brennt, ist das schrecklich für ganz Aalen.“

Wie der Zusammenhang zu dem Vorfall in seiner Bar gezogen wurde, kann er sich selbst nicht erklären. Er selbst schüre die Spekulationen nicht. „In Aalen gibt es eben schnell Gerüchte“, so Wiedenhöfer. Die zwei Männer, die an besagtem Abend nicht mehr in die Bar durften, seien zwar keine Unbekannten und fielen bereits vorher schon negativ auf, „aber es gibt immer wieder Leute, die nicht reindürfen.“

Zu wenig Ausgehmöglichkeiten

„Die Aggressionen haben aber, seit wir nach Corona wieder geöffnet haben, leider zugenommen“, berichtet Wiedenhöfer. Er sieht den Grund darin, dass jungen Menschen in Aalen derzeit oftmals ein Ventil fehle. Die Clubs seien entweder geschlossen oder unterlägen strikten Beschränkungen. „Das können wir nicht alles auffangen, bei uns ist der Laden dann schnell voll.“

Das Resultat: Die jungen, feierwilligen Leute werden in den späteren Stunden, wenn auch schon einiges an Alkohol geflossen ist, aggressiv, wenn sie nicht in die Bar dürfen. „Das gab es früher nicht“, bestätigt der erfahrene Gastronom. „Es gibt zu viele Menschen für zu wenig Angebote.“

Der Verkauf startet wieder

Bei dem Brand der Metzgerei entstand ein Sachschaden in sechsstelliger Höhe. Inhaberin Claudia Schuster hat den Blick aber nach vorne gerichtet. Und nun ist klar: In kürzester Zeit ist es gelungen, den Kundinnen und Kunden eine Alternative zu bieten. Direkt vor dem ausgebrannten Geschäft geht ab diesem Mittwoch, 29. September, der Verkauf weiter.

Mit vereinten Kräften, so heißt es in einer Pressemitteilung, haben die Stadtverwaltung, der Verein Aalen City aktiv und der städtische Bauhof eine Lösung gefunden. Claudia Schuster konnte auf die Schnelle einen Verkaufsstand von der Firma Schierle anmieten. Ein Lichtblick für die Familie – und hungrige Stadtbesucher, für die es neben dem bekannten Sortiment auch wieder täglich den beliebten warmen Leberkäse gibt.

Durch den Brand ist ein Sachschaden in Höhe von schätzungsweise 500.000 Euro entstanden.

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