Mutter fürchtet Ausgrenzung von ungeimpften Kindern

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Die Stiko hat die Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren nun empfohlen, auch wenn sie keine Vorerkrankungen haben.
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Eine 40-Jährige lässt ihre Söhne aus Überzeugung nicht gegen Corona impfen. Sie möchte nun nicht, dass der Ältere nach den Ferien in der Schule gemobbt wird.

Aalen

Gegen Corona sind sie und ihre Kinder nicht geimpft. Impfgegnerin will sie trotzdem nicht genannt werden. "Meine Kinder und ich sind gegen alles geimpft", sagt die 40-Jährige und meint damit die anderen üblichen Impfungen wie die gegen Mumps, Masern und Röteln. Auch sei sie dafür, dass Menschen, die zur Risikogruppe gehören sich gegen Corona impfen lassen und respektiert die Entscheidung eines jeden, der sich für die Impfung entschieden hat.

Diesen Respekt wünscht sie sich anders herum auch. Denn dafür, dass sie sich gegen die Corona-Impfung für sich und ihre Kinder entschieden hat, wird sie oft angegangen. Ständig müsse sie sich rechtfertigen und diskutieren. "Auch so eine bist Du", hört sie oft. "Es ist schwierig, eine Meinung zu haben, die anders ist als die gängige", sagt die Mutter. Sorgen macht sie sich vor allem wegen der Kinder, möchte nicht, dass sie gehänselt werden. Daher will sie anonym bleiben. Ihr Name ist der Redaktion aber bekannt. Sie wohnt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen, zehn und zwölf Jahre alt, in einer Gemeinde im Altkreis Aalen.

"Ob die Kinderimpfung sinnvoll ist, damit habe ich mich länger auseinandergesetzt", sagt sie und zitiert Zahlen, die das Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlicht hat. Demzufolge ist das Risiko für Kinder und Jugendlich an Covid-19 zu sterben, sehr gering. Die Sterblichkeit in der Altersgruppe zwischen zwölf und 17 Jahren beträgt dem RKI zufolge 0,001 Prozent. Das Risiko, dass ihre Kinder bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommen, sei wesentlich höher, sagt die Mutter. "Trotzdem lasse ich meine Kinder noch alleine über die Straße gehen."

Die Absolute Sicherheit gebe es nicht. Ihre Kinder würden eher noch an einem Blitzschlag als an einer Corona-Erkrankung sterben, ist sie sich sicher. Ihrer Meinung nach überwiegt das Risiko der Impfung ihren Nutzen. Sie macht sich Sorgen um mögliche Nebenwirkungen wie eine Herzmuskelentzündung und Risiken, die vielleicht noch gar nicht bekannt sind. "Bei Glyphosat kam auch erst Jahre später heraus, wie gefährlich es ist", sagt sie.

Die ständige Impfkommission (Stiko) sieht das anders. Ihrer Meinung nach überwiegt der Nutzen der Impfung das Risiko der "sehr seltenen Impfnebenwirkungen". Daher hat die Stiko die Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren nun empfohlen, auch wenn sie keine Vorerkrankungen haben. So sollen Covid-19-Erkrankungen, Einweisungen ins Krankenhaus und mögliche Landzeitfolgen bei Kinder und Jugendlichen verhindert werden. Auch auf Herzmuskelentzündungen geht die Stiko in ihrer Begründung ein. Erkrankungen des Herzens können ihr zufolge "durchaus auch bei Covid-19-Erkrankungen auftreten".

Eine Impfung für ihren zehnjährigen Sohn wird derzeit ohnehin noch nicht empfohlen. Für die Altersklasse ihres zwölfjährigen Sohnes gilt die Empfehlung bereits. Er geht auf eine weiterführende Schule in Aalen. Die Mutter ist sich sicher, dass in seiner Klasse im neuen Schuljahr manche Kinder geimpft sind, manche nicht oder noch nicht. Daher fürchtet sie, dass sich zwei Lager bilden oder es vielleicht sogar zu Mobbing kommt. Ähnlich sei es schon gewesen, als die Kinder entscheiden durften, ob sie eine Maske im Unterricht tragen oder nicht. Ihr Sohn habe sich dagegen entschieden. "Der, der keine Maske tragen will, gilt als asozial", sagt sie. Zum Glück sei ihr Sohn festigt und habe es sich nicht zu Herzen genommen. Wohl auch deshalb nicht, weil seine Freunde auch keine Maske getragen hätten.

Für die Mutter ist klar: "Wenn ich meine Kinder impfen lasse, dann nur aus gesundheitlichen Gründen." Nur damit sie mit ihren Freunden spielen dürfen, sei kein ausreichender Grund. Bei vielen Erwachsenen beobachte sie etwas ähnliches. "Ganz viele haben sich impfen lassen, damit das Leben einfacher wird." Wichtig ist ihr: "Wir, die sich nicht impfen lassen, wollen damit nicht den Rest der Welt ärgern, wir sind auch nicht faul, wir machen das aus Überzeugung."

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