Nach Brand: Metzgerei Schuster blickt nach vorne

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Die Metzgerei Schuster am Aalen Marktplatz nach dem Brand.
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Die Inhaberin der betroffenen Metzgerei berichtet, wie es jetzt weitergehen soll. Ein Polizeisprecher erklärt, wie Brandursachen im Nachhinein ermittelt werden.

Aalen

"Was soll ich machen? Es sind Tatsachen", sagt Claudia Schuster gefasst. Sie ist Inhaberin der gleichnamigen Metzgerei am Aalener Marktplatz, die kürzlich von einem Brand verwüstet wurde. 250.000 Euro Sachschaden entstanden dabei nach ersten Schätzungen. Dennoch steckt man bei der Metzgerei Schuster nicht den Kopf in den Sand, sondern richtet den Blick nach vorne.

In der Nacht des Brandes war Schuster selbst vor Ort. "Zuerst kann man es gar nicht glauben. Mit so etwas rechnet keiner." Seit 78 Jahren gebe es die Metzgerei am Marktplatz. Um das Gefühl des Verlustes zu beschreiben, "da fehlen einem die Worte". Die letzten Aufräumarbeiten der Feuerwehr habe sie in der Nacht des Brandes miterlebt. "Natürlich war es auch ein Schock." Jetzt muss sie sich um Versicherungsangelegenheiten und Renovierungsarbeiten kümmern.

"Mit so etwas rechnet keiner."

Claudia Schuster, Inhaberin

Noch ist die Ursache, die zum Brand in der Metzgerei führte, ungeklärt. Ist das der Fall, kommen speziell für die Brandursachenermittlung fortgebildete Beamte mit spezieller Ausrüstung zum Einsatz, erklärt Polizeisprecher Bernd Märkle. Unterstütz werden sie dabei von außenstehenden Gutachtern, etwa im Auftrag der Staatsanwaltschaft oder der Versicherung.

Brandursachen ausschließen

"Nachdem sich ein Überblick über das Brandobjekt gemacht wurde, wird die Brandausbruchstelle eingegrenzt. Da an dieser Stelle das Feuer die längste Zeit auf die Umgebung eingewirkt hat, sind hier in der Regel die größten Schäden vorhanden", erklärt Märkle. Ist dieser Ursprung ermittelt, werden im K.O.-Verfahren mögliche Ursachen ausgeschlossen. Möglich sind zum Beispiel natürliche Ursachen, wie Blitzeinschläge, technische Ursachen, wie elektrische Anlagen oder menschliches Handeln. Letzteres wäre Brandstiftung.

"Mehrere Wochen und Monate"

Am Brandort selbst können Brandmittelspürhunde oder spezielle Geräte zum Einsatz kommen, wenn vorsätzliches Handeln vermutet wird, so der Polizeisprecher. Ebenso können Brandschuttproben erhoben oder elektrische Geräte gesichert werden. Diese werden vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg untersucht. Wie lange es dauert, bis die Ursache letztendlich feststeht, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Etwa wie eindeutig die Hinweise am Brandort sind, welche weiteren Untersuchungen notwendig sind oder ob ein Gutachter hinzugezogen wird. "Mehrere Wochen und Monate" könne so eine Ermittlung einmal dauern, wie Märkle sagt.

Verkaufsstand geplant

Bis also feststeht, warum es in der Metzgerei Schuster gebrannt hat, kann also noch Zeit vergehen. Was allerdings schon Gestalt annimmt, sind die Pläne der Inhaberin, wie es weitergehen soll. "Ich schaue nach vorne und versuche, einen Verkaufswagen aufzustellen", sagt sie. Zusammen mit der Stadtverwaltung und mit Citymanager Reinhard Skusa laufen aktuell bereits Gespräche. "Wir unterstützen Frau Schuster gerne in dieser Notlage. Gemeinsam mit Herrn Skusa stimmen wir uns gerade mit ihr ab, an welchem Standort und an welchen Tagen ein Verkaufsstand aufgestellt werden kann, damit sie weiterhin für ihre Kundschaft da sein kann", erklärt Stadtsprecherin Karin Haisch.

So oder so - Claudia Schuster gibt nicht auf: "Ich gebe mein Bestes." Stammkunden müssen die Zeit, bis der Verkaufsstand steht, übrigens nicht auf ihre Waren verzichten. In ihrer Metzgerei in Wasseralfingen sind "wir weiterhin wie eh und je am Arbeiten".

Brandursachen und Brandschutz

Die Brandursachenstatistik des Instituts für Schadenverhütung und Schadensforschung (IFS) für 2020 weist folgende Zahlen aus (Werte gerundet): Elektrizität 31 Prozen, Menschliches Fehlverhalten 20 Prozent, Sonstiges und unbekannt 19 Prozent, Brandstiftung 12 Prozent, Überhitzung 8 Prozent, Feuergefährliche Arbeiten 4 Prozent, Explosion 2 Prozent, Offenes Feuer 2 Prozent und Selbstentzündung 2 Prozent.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gibt folgende Tipps auf seiner Internetseite:

Installieren Sie Rauchmelder in allen Räumen, außer Küche und Bad. Haben Sie einen Feuerlöscher im Haus? Lernen Sie ihn richtig zu bedienen und lassen Sie ihn regelmäßig warten. Legen Sie einen Feuerlöscher ins Auto, aber befestigen Sie ihn dort gut. Das ist zwar gesetzlich nicht vorgeschrieben, aber der GDV verzeichnet im Jahr mehr als 16.000 Autobrände (Brand, Explosion, Schmorbrand). Alle wichtigen Dokumente und Papiere sollten in eine Tasche zum schnellen Mitnehmen.

Lassen Sie offenes Licht, wie Kerzen oder Feuer, nie unbeaufsichtigt. Entfernen Sie im Keller leicht brennbares Material. Entrümpeln Sie regelmäßig den Dachboden und entfernen Sie besonders brennbares Material aus den Ecken und Dachschrägen. Achten Sie darauf, dass die elektrischen Geräte und Anlagen im Haus in Ordnung sind. Tauschen Sie defekte Geräte und alte Steckdosenleisten aus.

Erkundigen Sie sich, wie im Brandfall das nächste Treppenhaus zu erreichen ist. Keine Fahrstühle nutzen! Schauen Sie, wo Feuerlöschgeräte sind und wie sie zu bedienen sind. Wissen Sie, wie und wo Sie einen Notruf absetzen können? Fragen Sie danach. Sie haben eine Behinderung oder ein Begleiter ist behindert? Fragen Sie nach Unterstützung bei der Evakuierung. Prägen Sie sich in Hotels, Diskotheken, Kinos etc. die Fluchtwege ein. Im Brandfall oder bei einer Panik rettet das Leben.

Flure und Treppenhäuser sollten nicht durch Gegenstände eingeengt oder gar versperrt werden. Der Fluchtweg muss frei sein. Die Haustür in einem Mehrfamilienhaus sollte ein Schloss mit Panikfunktion haben, sodass die Tür von innen im Notfall jederzeit geöffnet werden kann. Türen in Rettungswegen sind geschlossen zu halten – aber niemals abgeschlossen. So wird eine Brandausbreitung oder Verqualmung des Fluchtweges verhindert. Hydranten oder Feuerwehrzufahrten dürfen nicht blockiert sein. Sicherheitseinrichtungen des Hauses sollten regelmäßig kontrolliert und gewartet werden.

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