Nach dem großen Schwelbrand: So geht es den Stegmaiers heute

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Johannes und Tanja Stegmaier unter dem Dach ihres Wohnhauses. Bis zum Schwelbrand hatten sie hier ihr Schlafzimmer. Noch heute liegt kalter Rauch in der Luft.
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Eine Familie hat am zweiten Weihnachtsfeiertag ihren kompletten Hausstand verloren. Warum dennoch Dankbarkeit und Zuversicht überwiegen.

Aalen-Waiblingen

Uns ist nichts passiert, uns geht's gut. Und das ist das Wichtigste." Jetzt, einen Monat nach dem dramatischen Schwelbrand in ihrem Wohnhaus in Fachsenfeld-Waiblingen, hat die Familie Stegmaier den ärgsten Schock überwunden. Schutt, Asche und der gesamte von Löschwasser durchtränkte Hausrat ist abtransportiert.

Obwohl das 50 Jahre alte Zweifamilienhaus in der Heißenbergstraße jetzt eine große Baustelle ist, und obwohl die Familie fast ihren kompletten Hausstand verloren hat, überwiegen die Gefühle von großer Dankbarkeit und Zuversicht.

Es war ein technischer Defekt, der am späten Nachmittag des zweiten Weihnachtsfeiertags in dem Zweifamilienhaus einen Schwelbrand ausgelöst hat. Die Bilder waren dramatisch: Dicke Rauchsäulen standen über dem Hausdach, als die Feuerwehr gegen 18 Uhr mit 57 Einsatzkräften und 13 Fahrzeugen anrückte.

"Ich hatte gerade Gulasch gekocht, als mir ein verbrannter Geruch in die Nase stieg", erinnert sich die Mutter. Wenig später kam ihr kleiner Sohn angelaufen: "Hier stinkt's". Da qualmte es bereits aus einer Steckdose im Giebel. "Vom Balkon aus habe ich gesehen, wie dicke Rauchwolken zwischen Dach und Fassade herausgequollen sind", erzählt Tanja, die daraufhin sofort die Feuerwehr alarmiert hat.

"Wir hatten großes Glück", sagen die Stegmaiers. "Wäre es nachts passiert, hätten wir möglicherweise gar nicht mehr rechtzeitig reagieren können. Nicht auszudenken, wie es dann für uns ausgegangen wäre ..."

Kurz vor 24 Uhr am zweiten Weihnachtsfeiertag waren die Löscharbeiten beendet. Erst da wurde den Stegmaiers wirklich bewusst, dass sie fast alles, ihren kompletten Hausstand, verloren hatten. "Ich habe nur schnell Jacken und Schuhe für die Kinder rausholen können und die beiden Katzen eingefangen", erzählt die Mutter. Panik? "Ich glaube, da funktioniert man nur noch." Schließlich mussten auch noch die Schwiegereltern (75 und 76 Jahre alt), die im Erdgeschoss wohnten, rasch aus dem Haus gelotst werden.

Obwohl wir fast alles verloren haben, hatten wir großes Glück.

Tanja Stegmaier

Heute, einen Monat nach dem Brand, ist das gesamte Obergeschoss fast bis auf den Rohbau zurückgebaut. Oben unterm Dach, wo Tanja und Johannes Stegmaier – Eltern von Ben (8) und Lina (6) – bis vor Kurzem ihr Schlafzimmer hatten, liegt noch immer kalter Rauch in der Luft. Die verkohlten Dachbalken – das komplette Dach – muss abgetragen werden. "Nur noch die beiden Giebel werden stehen bleiben", sagt der 40-jährige Familienvater.

Neben ihm steht seine Frau Tanja (30) unterm Dachs und zieht den Reißverschluss ihrer Jacke bis zum Hals hoch. Der kalte Wind pfeift durch die Ritzen der Folie hindurch, die die lichten Stellen des Dachs behelfsmäßig überdecken soll. Doch auch der Regen findet seinen Weg hindurch und bildet ein Geschoss tiefer eine große Pfütze dort, wo einmal die Küche war. Überall hängen elektrische Kabel von der Decke. "Zum Teil waren es nur noch blanke Kupferdrähte", erzählt Tanja.

Nach wie vor ist das Ehepaar überwältigt von der großen Welle der Hilfsbereitschaft, initiiert von den Fachsenfelder Schlosshexen, die sofort einen Spendenaufruf ins soziale Netz gestellt und ein Spendenkonto eingerichtet haben. Die Anteilnahme war groß, die Resonanz beeindruckend. Innerhalb kürzester Zeit war die Familie mit Kleiderspenden versorgt. Und finanzielle Spenden von insgesamt 4400 Euro halfen als schnelle Überbrückungshilfe, Notwendiges anzuschaffen. Beispielsweise eine Waschmaschine und einen Trockner.

Während die Großeltern von Ben und Lina im Römerhotel in Treppach untergekommen sind, konnte für die junge Familie eine großräumige Drei-Zimmer-Wohnung in Fachsenfeld gefunden werden. Für Hotelkosten und Miete kommen zwar die Versicherungen auf, wie auch für den Brandschaden und den Verlust des Hausstands. Aber die Verlusterfassung dauert ...

Was indes unersetzbar ist, sind die Erinnerungen. "Die ersten Bilder, die unsere Kinder gemalt haben und die Babyfotos. Ein emotionaler Wert, der nicht ersetzbar ist", stellt Tanja Stegmaier fest.

Am Tag danach: ein Bild der Verwüstung.

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