Nach Fan-Prügelei - Die Sorgen einer jungen Wirtin

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Natascha Tierno, die Besitzerin des Kornstadl.
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Warum Natascha Tierno vom "Kornstadl" nach den Ausschreitungen Angst um ihre Kneipe hat und was sie sich bei zukünftigen Heimspielen wünscht.

Aalen. Natascha Tierno ist verzweifelt. Vor einem Jahr hat sie an der Storchenstraße die Gastwirtschaft von ihrem Patenonkel Oli übernommen. Im Dezember des vergangenen Jahres wurde dann aus „Oli’s Bistro“ das „Kornstadl“. Der Start war erfolgreich. Seit dem Wochenende sorgt sich die 36-Jährige aber um ihre Wirtschaft. 

Natascha Tierno ist eine taffe Frau. Muss frau als Wirtin wohl auch sein. „Es lief ja bislang alles gut“, sagt sie. An Markttagen kommen nach dem Einkauf Stammgäste vorbei und trinken bei ihr etwas. Fußballfans treffen sich regelmäßig in der Kneipe, weil Natascha als eine von wenigen Gaststätten in Aalen noch die Fußballspiele auf dem Bezahlsender Sky zeigt. 

Doch nach der Prügelei am Samstagmittag sorgt sie sich. „Ich habe in dieser Brutalität noch nicht erlebt, dass Schläger so in und vor meiner Gastwirtschaft wüten.“ Mit Schlägern meint sie gewaltbereite VfR-Fans, die sich für ihre Schlägerei am Wochenende mit Fans aus Trier gerade auf YouTube auch noch feiern. 

Nach der Schlägerei, die einen Großeinsatz der Polizei auslöste, blieben die Gäste sofort aus. „Wenn Dortmund gegen Stuttgart spielt, ist die Kneipe eigentlich voll.“ Am Samstag konnte sie ihre Gäste an zwei Händen abzählen. „Das ist doch Rufschädigung“, sagt sie. „Natürlich habe ich Angst, dass Stammgäste wegbleiben, wenn es wieder ein Heimspiel des VfR gibt“, sagt sie. Das „Kornstadl“ liegt an der Storchenstraße. Bis zum Parkhaus am westlichen Stadtgraben sind es nur wenige Meter. Der Fußmarsch zum VfR-Stadion ist überschaubar. Fans, vor allem auswärtige Fans, wissen das zu schätzen. 

Natascha hatte schon einmal VfR-Fans Hausverbot erteilt, weil es „Zwischenfälle“ gab. „Wir können doch nicht tatenlos zuschauen, wie die Gewalt um sich greift“, sagt sie. Ob sie Angst hat? „Ich bin eigentlich kein Angsthase, aber nach dem Angriff am Samstag schon.“ 

Erst vor einem Monat hatte sie neues Außenmobiliar gekauft. Nach der Randale am Samstag hat inzwischen jeder Tisch eine Macke. Einige Stühle sind kaputt. Die Glasscheibe der Eingangstür ist gesplittert. Die Polizei spricht von mehreren tausend Euro Sachschaden. „Zum Glück wurde niemand ernsthaft verletzt. Ich frage mich aber, wie lange man so einem Treiben zuschauen möchte. Da muss es doch eine Handhabe geben“, sagt sie. Auch im Internet beschweren sich viele Bürger über die gewalttätigen Fans. Allein die Kosten der Polizeieinsätze sollten einmal zusammengerechnet werden, heißt es. Bei der Randale am Samstag rückte die Polizei umgehend an. Fast eine Stunde lang kreiste ein Polizeihubschrauber über Aalen. Die VfR-Fans waren vor dem Eintreffen der Polizei abgehauen. Durch das schnelle Eingreifen der Beamten konnten ersten Angaben zufolge schwere Verletzungen verhindert werden.

Die Fans aus Trier gelten auch als gewaltbereit. „Ich habe sie anders erlebt. Sie haben uns beim Aufräumen geholfen und sogar Spenden gesammelt“, sagt Natascha. Wie sie mit der neuen Situation umgehen soll, weiß sie noch nicht. „Eigentlich möchte ich keinen Ultrafan mehr bei mir sehen“, sagt sie. 

Jetzt muss sie aber erst einmal dafür sorgen, dass ihre Gäste sich bei ihr sicher fühlen. „Ich hoffe, die Polizei hilft mir bei weiteren Heimspielen und zeigt Präsenz vor Ort. Und es wäre natürlich schön, wenn sich jemand vom VfR auch einmal bei mir meldet.“

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Die Spuren der gestrigen Fanausschreitungen: Zerstörtes Außenmobiliar.

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