Nahverkehr zwischen Aalen, Bopfingen und Neresheim im Test

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Was laut den Kreisräten Manuel Reiger (FDP) und Bennet Müller (Grüne) an den Busverbindungen im östlichen Ostalbkreis noch verbesserungswürdig ist.

Aalen

Busse fahren zu selten, sie sind lange unterwegs und die Tickets zu teuer, um eine echte Alternative zum Auto zu sein. Dafür werden die Anschlüsse erreicht, die Fahrplanauskunft funktioniert und die Tickets lassen sich bequem kaufen. So fällt das Fazit zweier Kreisräte aus, die das ÖPNV-Angebot im östlichen Ostalbkreis getestet haben. Von Aalen aus sind Manuel Reiger (FDP) und Bennet Müller (Grüne) nach Bopfingen, von dort weiter nach Neresheim und anschließend zurück nach Aalen gefahren. Sie berichten über ihre Erfahrungen.

Die Idee: Müller und Reiger sind nicht nur Mitglieder des Kreistags, sondern auch in der Gesellschafterversammlung der OstalbMobil GmbH, dem Tarifverbund aller Verkehrsunternehmen im Ostalbkreis. Sie erzählen, wie sie auf die Idee gekommen sind, zusammen den öffentlichen Nahverkehr zu testen. "Sowohl im Kreistag als auch in der Gesellschafterversammlung gehören wir beide eher zu den jüngeren Mitgliedern", sagt Reiger und fügt an: "Bennet mehr als ich." Reiger ist 38, Müller ist 31. Dass beide unterschiedlichen Parteien angehören, sei kein Hindernis gewesen, im Gegenteil. Das habe zu mehr Objektivität bei dem Test geführt, sagt Reiger. Außerdem sollte es in der Kommunalpolitik nicht um Parteipolitik, sondern um die Sache gehen. Müller ergänzt: "Im Kreistag sitzen viele Menschen, die den ÖPNV nicht täglich nutzen." Er selbst sei zwar öfter im Aalener Stadtgebiet unterwegs. "Aber ich fahre jetzt auch nicht täglich nach Bopfingen." Doch in diesem Bereich sollen die Linien als Erstes reformiert werden. Daher der Selbsttest zwischen Aalen, Bopfingen und Neresheim.

Tickets und Fahrplanauskunft: „Beim Start mit dem Bus von Aalen nach Bopfingen hat sich gezeigt, dass die Fahrplanauskunft und der Ticket-Kauf über die Handy-App der Deutschen Bahn gut funktioniert“, sagt Müller und zeigt sich insofern zufrieden, weil auch keine weitere Extra-App für den ÖPNV im Ostalbkreis notwendig ist. „Eine Fahrkarte kann aber auch vor Ort im Bus oder bei den Servicestellen der OstalbMobil gekauft werden."

Anschlüsse: „In Bopfingen mussten wir uns zwar etwas beeilen, unseren Anschluss-Bus nach Neresheim zu erreichen, wir haben auf unserer Tour aber festgestellt, dass die Linien gut abgestimmt sind“, stellt Reiger fest. Auch für den weiteren Anschluss von Neresheim zurück nach Aalen könne man dies so festhalten. Taktung: Beide Kreisräte sind sich einig, dass die Taktung gerade während des Ferienfahrplans noch verbesserungswürdig sei, dass die Busse also öfter fahren sollen. Die Verbindung Aalen-Bopfingen sei auch wegen dem zusätzlichen Zugverkehr noch in Ordnung, weiter im ländlichen Raum werde es aber schwieriger von A nach B zu kommen. Der Bus von Bopfingen nach Neresheim fahre zum Beispiel nur alle vier Stunden. Der Bus von Neresheim nach Aalen in etwa alle zwei Stunden. Das gleiche gelte auch für die Verbindung von Bopfingen über Unterschneidheim nach Ellwangen.

Die Kosten: Eine Fahrt von Aalen nach Bopfingen kostet laut Müller und Reiger 5,90 Euro. Die Fahrt von Bopfingen nach Neresheim 4,70 Euro und die weitere Einzelfahrt von Neresheim nach Aalen nochmals 4 Euro. Günstiger sei dann nur ein Tagesticket für 13,50 Euro - für viele zu teuer um eine echte Alternative zu sein. Bevor man über Geld sprechen könne, müsse man aber das Angebot verbessern.

Die Fahrtzeit: „Mit guter Planung und viel Zeit kann fast jeder Ort im östlichen Ostalbkreis mit dem ÖPNV erreicht werden", sagt Reiger. Leider gebe es zu wenige Verbindungen und die, die es gibt dauern zu lange, um dem Individualverkehr im ländlichen Raum wirklich vernünftig Konkurrenz zu machen.

Kundenfreundlichkeit: „Über 90 Zonen gibt es aktuell im Ostalbkreis – ein echter Flickenteppich“, sagt Bennet Müller. „In Stuttgart gibt es mittlerweile nur noch eine Zone. Das macht den ÖPNV kundenfreundlicher und günstiger“. Hier habe der Kreis bereits erste Weichen gestellt. 2022 soll es eine größere Reform geben, um dieses Netz zu vereinfachen. „Diese Reform unterstützen wir eindeutig“, fügt Reiger hinzu. „Sie macht den Kauf eins Tickets einfacher und günstiger“.


Mobilitäts-Hubs im ländlichen Raum: Wenn man ÖPNV wirklich neu denken möchte und substanziell etwas verbessern möchte, dann müsse man sogenannte Mobilitäts-Hubs schaffen, an denen sich die relevanten Bus- und Bahnlinien vernetzen oder der Umstieg vom Individualverkehr auf Bus oder Bahn vereinfacht wird. In Aalen gebe es schon gute Ansätze mit dem Park-and-ride-Parkhaus am Bahnhof und dem Zentralen Omnibusbahnhof in direkter Nähe, in den kleineren Mittelzentren wie Neresheim, Bopfingen oder Heubach müsse man ähnliche Voraussetzungen schaffen, sagt Müller. "Das ist sicherlich weit in die Zukunft gedacht." Der Individualverkehr werde in der Region immer eine Rolle spielen. An den Mobilitäts-Hubs oder Drehscheiben, wie Reiger sie auch nennt, soll man einfach umsteigen können, zum Beispiel vom Auto auf den Bus.

  • Als Fazit könne man festhalten, so Müller und Reiger, dass die OstalbMobil GmbH noch nicht alle Erwartungen an ein neues ganzheitliches Vollverbundnetz im Ostalbkreis erfülle, aber auch einige Fortschritte bereits gemacht worden seien. Man werde die Reform im Kreistag und in der Gesellschafterversammlung weiter eng begleiten und die gewonnenen Eindrücke, Vorstellungen und Vorschläge mit einbringen. „Gerade die Strecke zwischen Neresheim und Aalen wollen wir uns nach dem Scheitern der Regiobuslinie noch mal genauer anschauen. Hier hat sich während unserer Tour gezeigt, dass es eine relevante Nachfrage gibt. Eine schnellere Verbindung mit gutem Takt wäre sinnvoll", sagt Reiger. Müller zufolge ist der Versuch, einen Schnellbus zwischen Aalen und Neresheim anzubieten, an den Kosten gescheitert. "Wir werden uns dafür einsetzen, sich die Sache noch einmal anzusehen und vielleicht eine abgespeckte Möglichkeit zu finden", sagt Müller.

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