Nahverkehrsplan: Rat kritisiert Rückschritt in Aalen

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Geht es nach dem Nahverkehrsplan des Landkreises, fahren die Busse zwischen Aalen und dem Welland künftig seltener. Das kritisiert der zuständige Gemeinderatsausschuss. Archivfoto: Oliver Giers
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Busverbindung Geht es nach dem Nahverkehrsplan des Landkreises, fahren künftig weniger Busse in die Weststadt und ins Welland. Das Härtsfeld dagegen kommt gut weg.

Aalen

Wie soll der Nahverkehr auf der Ostalb weiter entwickelt werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Landkreis. Die Städte und Gemeinden sind aufgerufen, ihre Stellungnahme zum Nahverkehrsplan abzugeben. Der Ausschuss für Umwelt, Stadtentwicklung und Technik (AUST) hat das Thema vorberaten. Luisa Schittny vom Amt für Umwelt, Grünflächen und umweltfreundliche Mobilität erläuterte die Sicht der Stadtverwaltung und deren vorbereitete Stellungnahme.

Kritik der Verwaltung: Kritisiert wird zum Beispiel, dass zwischen Unterrombach und Aalen samstags nur noch alle halbe Stunde ein Bus fahren soll. Die Stadtverwaltung fordert, dass der 20-Minuten-Takt zumindest bis 16 Uhr beibehalten wird.

Tiefer Stollen und Thermalbad sind im Moment noch im Halbstundentakt im Buslinienverkehr zu erreichen. Doch laut Nahverkehrsplan sollen beide Ziele nur noch „on demand“ im Nahverkehr bedient werden. Das heißt, dass Fahrgäste den Bus vorher buchen müssen, zum Beispiel über eine App auf dem Smartphone. „Eine Verschlechterung des Status quo“ und „nicht akzeptabel“ nennt das die Verwaltung in ihrer Stellungnahme. OB Frederick Brütting fügte später an, dass ein solcher Rufbus ein Modell für sehr ländliche Räume sein könne, nicht aber fürs Aalener Stadtgebiet. Schittny kam auch auf den barrierefreien Ausbau der Haltestellen zu sprechen. Die Stadt baut zehn Haltestelle pro Jahr um, möchte sich aber ausbedingen, beim ZOB und am Gmünder Torplatz noch mehr Zeit zu erhalten. Ein barrierefreier Ausbau sei dort mit großem Aufwand verbunden.

Michael Fleischer (Grüne) sagt:„Im großen Umfang werden uns hier Verbesserungen präsentiert.“ Doch die Ernüchterung folge auf dem Fuß. Positiv streicht Fleischer den Takt und die Anbindung an den Schienenverkehr heraus. „Außerordentlich negativ“ beschreibt er, dass künftig viele Orte schlechter angebunden sein sollen. „Das Härtsfeld wird künftig besser bedient“, sagt Fleischer und fügt an: „Düster wird es auf der Achse Dewangen/Fachsenfeld.“ Dort soll aus dem 20-Minuten-Takt ein 30-Minuten-Takt werden. So wie auch auf der Achse Aalen-Unterrombach am Samstag. „Das können wir so auch nicht mittragen“, sagte der Grünen-Fraktionssprecher. Das Quartier am Tannenwäldle müsse besser angebunden werden. Fleischer zum Thermalbad: „Da müssen wir uns über Wirtschaftlichkeit nicht unterhalten, wenn wir es faktisch vom ÖPNV abschneiden.“

Hartmut Schlipf (CDU): Da das Ziel sei, die Fahrgastzahlen bis 2030 zu verdoppeln, müsse sich die Qualität im Nahverkehr verbessern. „Die Attraktivität hängt nicht nur am Takt“, sagte Schlipf. Ebenso komme es darauf an, wie Haltestellen gestaltet und beleuchtet seien. Zum Rufbus gab er zu bedenken, dass nicht alle Senioren eine App bedienen könnten, aber er fragte: „Warum nicht testen?“ Zumindest in Randzeiten sei ein Versuch denkbar. Zum Thema Schülerbeförderung bat er, auch das Berufschulzentrum einzubeziehen. Der Landkreis hatte vorgeschlagen, den Unterricht an verschiedenen Schulen oder verschiedenen Klassenstufen zu unterschiedlichen Uhrzeiten zu beginnen, damit nicht alle gleichzeitig mit dem Bus fahren. Die Verwaltung denkt nicht, dass sich das in Aalen organisieren lasse.

Timo Lorenz (SPD) bemängelte die Verschlechterung in vielen Bereichen. Er regte an, den Bustakt rund um die Hochschule an die Vorlesungszeiten anzupassen und im Sinne der Barrierefreiheit, Niederflurbusse flächendeckend einzusetzen.

Jürgen Opferkuch (FW) sprach ebenfalls an, dass es nicht nur auf die Taktung ankomme. Kundenbindung, Digitalisierung und Barrierefreiheit nannte er als weitere Stichworte. Dazu dass zwischen Aalen und Dewangen und Fachsenfeld nur noch ein 30-Minuten-Takt geplant ist, sagte er: „Die Verschlechterungen können nicht hingenommen werden.“

Christa Klink (Linke) freut sich darüber, dass die Stadt fordert, dass Fahrräder kostenlos im Bus mitgenommen werden können. Sie bittet aber darum, dass die Kapazitäten noch erhöht werden sollen. Aktuell können man nur zwei Räder mitnehmen. Außerdem beantragte sie, den Beirat für Menschen mit Behinderung einzubeziehen.

Manfred Traub (Zählgemeinschaft Birkhold/Traub) versteht nicht, warum ein Rad im Bus mitgenommen werden soll. Ein Rad sei dazu da, um damit zu fahren. „Es heißt ja nicht Busrad.“ Insgesamt sei das Thema Nahverkehrsplan sehr komplex. „Es ist unmöglich, es allen recht zu machen.“ Was vorliegt, sei ein weitgehend guter Kompromiss.

Norbert Rehm (Aktive Bürger) bemängelte die Verschlechterung im Aalener Westen und pochte darauf, den geplanten Bahnhalt West aufzunehmen, um planen zu können. Rehm bezweifelte, dass es organisatorisch unmöglich sei, den Schulbeginn zu entzerren. In Corona-Zeiten sei das schließlich möglich gewesen.

Die Entscheidung zur Aalener Stellungnahme zum Nahverkehrsplan trifft der Gemeinderat am 17. Februar.

„Düster wird es auf der Achse Dewangen-Fachsenfeld.“

Michael Fleischer, Grünen-Fraktionsvorsitzender

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