Namenlos „am Tannenwäldle“

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Das Baugebiet "Wohnen am Tannenwäldle" von oben betrachtet im Februar 2022.
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Straßennamen Für zwei von drei Straßen im künftigen Wohngebiet „Am Tannenwäldle“ sollen Frauennamen gefunden werden. Welche Vorschläge es gibt.

Aalen

Die Bombe ist entschärft, die Erschließungsarbeiten für das Wohngebiet am Tannenwäldle mit künftig Platz für rund 700 Bewohnerinnen und Bewohner können jetzt ungehindert weiter laufen. Nur: Zwei der drei Straßen in dem künftigen Wohngebiet oberhalb des Hirschbachs sind immer noch namenlos.

Ende Januar dieses Jahres hatte sich der Aalener Gemeinderat schon einmal mit der Namensgebung befasst - mit mangelndem Erfolg. Jetzt kam das Thema am Donnerstag im Kultur-, Bildungs- und Finanzausschuss (KBFA) des Gemeinderats erneut zur Beratung auf den Tisch. Bislang steht allein der Name für die Erschließungsstraße fest. „Am Tannenwäldle“ soll sie heißen. Für einen Stichweg und die westliche Erschließungsstraße dagegen sind noch keine Namen gefunden.

Stefan Overmann, Leiter des Stadtmessungsamtes, drückte aufs Tempo: „Wir brauchen konkrete Adressen, damit wir die Trassen abrechnen können. Sonst bekommen wir keine Kommunikationsleitung dort rein.“ Zum Verständnis: Eine Kommunikationsleitung ist ein Rohr, das von der Wasserleitung bis zur Grundstücksgrenze verläuft, damit ein Bauwerk an eine kommunale Wasserversorgung angeschlossen werden kann.

Die beiden Vorschläge im Januar „Paul-Bonatz-Straße“ und „Günter-Behnisch-Straße“ hatten weder beim OB noch bei den Gemeinderäten für ausreichend positives Echo gesorgt. Derweil entbrannte in der Stadt eine Diskussion darüber, ob künftig mehr Straßen nach Frauen benannt werden sollen. Aus der Sitzungsvorlage geht hervor, dass bei insgesamt 1093 Straßennamen in Aalen lediglich 24 Straßen nach Frauen benannt sind (manche tragen nur einen Vornamen, Anm. d. Redaktion), aber 214 nach Männern.

Aus den eingegangenen Vorschlägen, so Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle, habe man die Namen von vier Frauen heraussortiert, die alle einen direkten Bezug zu Aalen hatten:

Klara Enßlin (1903-2001) war langjährige Direktorin der Frauenarbeitsschule;

Elisabeth Ohland (1905-1969) war Mitglied der SPD-Fraktion des Aalener Gemeinderats und Mitglied im Kreistag und im Landesfrauenausschuss der SPD;

Annemarie Brinsa-Riedel (1921-1996) eröffnete 1954 die Ballettschule Aalen und unterrichtete ab 1961 am Schubart-Mädchenprogymnasium;

Ulla Haußmann (1953-2012) rückte für Ulrich Pfeifle 1997 als erste weibliche SPD-Landtagsabgeordnete im Wahlkreis in den Landtag nach, wo sie ihr Mandat 2001 und 2006 verteidigen konnte.

In der Diskussion schlug Monika Brauch-Siedler (Grüne) Anneliese Kohleiss (1919-1995) vor, eine deutsche Frauenrechtlerin und Juristin in Stuttgart. Für die CDU-Fraktion schlug Armin Abele die Jüdin Frieda Heilbron vor, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Eduard 1903 in Aalen das „Warenhaus Eduard Heilbron“ gegründet hatte. Sein zweiter Vorschlag: Annemarie Tugendhat (1922-2013), als Halbjüdin geboren und Gründungsmitglied der Katholischen Erwachsenenbildung.

Petra Pachner wünscht sich für die SPD-Fraktion, dass eine Straße nach Ulla Haußmann benannt wird. Bernhard Ritter (FW) hatte sich mit den Ortsvorsteherinnen von Dewangen und Fachsenfeld besprochen mit dem Fazit: Für alle Straßen in dem Wohngebiet soll einheitlich „Am Tannenwäldle“ eingeführt werden. Die Stadtverwaltung will nun eine erneute Vorlage fertigen. Entscheiden wird der Gemeinderat am 31. März.

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