Neue Brustkrebstherapie in Aalen

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Dr. Eva Scheffold, (links) und Dr. Adriana Cividino (rechts) sowie die Psychologin Petra Barth (nicht auf dem Foto) stehen für das neue Angebot.

Stark durch die Brustkrebstherapie“ heißt ein neues Angebot am Ostalb-Klinikum für Frauen mit Brustkrebs, die im Aalener Brustzentrum behandelt werden.

Aalen

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Jedes Jahr wird am Aalener Brustzentrum bei über 150 Frauen Brustkrebs neu diagnostiziert und behandelt. Krebserkrankungen gehen häufig mit hoher seelischer Belastung einher und die Therapien sind oft körperlich anstrengend. Schon lange arbeiten die Frauenklinik und die Psychoonkologie (Team der Psychosomatik und Psychotherapie) hier eng zusammen.

Jetzt gibt es eine neue Gruppentherapie für Frauen mit Brustkrebs, die helfen soll, besser mit der Erkrankung zurechtzukommen. In acht Terminen erfahren die Teilnehmerinnen viel Wichtiges rund um die Themen Ernährung, Sport, Bewegung, Achtsamkeit, Schlafstörungen und Entspannung bei Krebs. Das Programm basiert auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Drei engagierte Mitarbeiterinnen des Ostalb-Klinikums haben das Projekt ins Leben gerufen: Dr. Eva Scheffold und Petra Barth, Oberärztin und Psychologin aus der Psychosomatik und Dr. Adriana Cividino, Assistenzärztin aus der Gynäkologie.

Yoga und Aromapflege

Die drei haben weitere MitarbeiterInnen aus anderen Bereichen des Ostalb-Klinikums für die Gruppe gewonnen, wie Ernährungsberatung, Yoga und Aromapflege. „Das Wissen und Know-how haben wir hier an der Klinik, wir haben mit der neuen Gruppe alle zusammengebracht um gemeinsam für die Krebspatientinnen ein Programm zu gestalten, dass im Sinne der integrativen Onkologie die Patientinnen in gesunder Lebensgestaltung unterstützt und ihnen helfen soll, selbst aktiv zu werden.“ sagt die Gynäkologin Dr. Cividino. Jede Gruppenstunde besteht aus zwei Teilen: eine Stunde Achtsamkeitstraining und eine Themenstunde. Petra Barth ist Psychologin und leitet das Achtsamkeitstraining: „Achtsamkeit bedeutet eine bewusste, konzentrierte und aufmerksame Hinwendung zum Hier und jetzt. Sich darin zu üben kann Krebspatientinnen helfen, Grübeln zu durchbrechen, Ängste mindern und Ruhe bringen.“

Auch wissenschaftlich ist Achtsamkeitstraining bei Krebs bereits gut untersucht und wird seit vielen Jahren mit Erfolg eingesetzt. Die beiden Ärztinnen, Dr. Cividino und Dr. Scheffold, leiten die Themenstunden: „In den Themenstunden greifen wir ein Thema auf, das bei Krebserkrankung wichtig ist. Es gibt einen Impulsvortrag, man tauscht sich aus und kann Fragen stellen. Außerdem machen wir natürlich auch praktische Übungen.“

Pilotgruppe gut gelaufen

Die Teilnehmerinnen der ersten Pilotgruppe im Herbst 2021 haben in den Abschlussfragebögen angegeben, dass die praktischen Einheiten wie warme Wickel der Aromapflege oder Entspannungs- und Genussübungen auch viel Spaß gemacht haben.„Darüber hinaus tut es den Teilnehmerinnen sehr gut, in einer Gruppe zu sein, andere Frauen mit ähnlichen Problemen und Ängsten zu treffen und sich austauschen zu können. Das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Gruppe war erstaunlich schnell sehr stark“, erzählt Dr. Scheffold.

In der Psychoonkologie macht man als Therapeutin im Krankenhaus normalerweise hauptsächlich Einzelberatungen. Wissenschaftlich ist aber bewiesen, dass Einzel- und Gruppentherapie gleichwertig sind, nur lässt sich eine Gruppe am Akutkrankenhaus oft sehr viel schwerer realisieren. Und eine ärztlich-therapeutisch geleitete Gruppe hat den großen Vorteil des Austauschs mit anderen Betroffenen. Dieser Austausch kann auf eine Weise unterstützen und trösten, wie es eine Einzeltherapie nicht kann.

Auch die Chefärzte der beteiligten Kliniken, Dr. Fritzsch und Dr. Gnauert zeigen sich sehr zufrieden mit dem Projekt. Die Auswertung der Fragebögen habe sehr erfreuliche Ergebnisse erbracht – so sei die Belastung der Teilnehmerinnen nach Abschluss der Gruppenstunden stets gesunken und die Teilnehmerinnen drückten eine große Zufriedenheit aus. „Gruppentherapien sind zur Belastungsreduktion sehr effizient, in der Psychosomatik wird im stationären Kontext sehr viel in Gruppen behandelt. Das neue Angebot bringt Informationsvermittlung durch Experten, Austausch in der geschützten Gruppe und Mind-Body-Übungen zusammen,“ berichtet Dr. M. Fritzsch, Chefarzt der Psychosomatik. Der Chefarzt der Frauenklinik, Dr. Gnauert, betont, dass er das wichtige Thema „Sport bei Krebserkrankung“ auch in seinen Beratungen immer anspreche „Sport zu machen ist eine ganz wichtige Maßnahme, mit der jede einzelne Betroffene selbst auf ihre Prognose Einfluss nehmen kann“.

Dass dies jetzt auch eines der Themen in der Gruppe ist und den krebsbetroffenen Frauen geholfen wird, aktiv zu werden und ihr Schicksal selbst mit in die Hand zu nehmen, freut den Gynäkologen sehr.

Positive Rückmeldungen

Die Patientinnen selbst haben in ihren Abschlussbefragungen deutlich zum Ausdruck gebracht, dass sie die Gruppe als sehr hilfreich erlebt haben: „Bitte machen Sie unbedingt weiter, es hat mir sehr geholfen“.

Den drei Leiterinnen macht die interdisziplinäre Zusammenarbeit sehr viel Freude– „unbedingt machen wir weiter und wir haben ganz viele Ideen, wie und mit wem wir das Programm noch weiter ausbauen können“. Aktuell richtet sich dieses Angebot ausschließlich an die Patientinnen des Brustzentrums Aalen am Ostalb-Klinikum.

Am Aalener Ostalb-Klinikum gibt es ein neues Angebot für Brustkrebspatientinnen. Symbolfoto: Adobe Stock

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