Neue „Gräten“ fürs Aalbäumle

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Mitarbeiter der Firma Holzbau Vogel erneuern marode Querriegel an Aalens Aussichtsturm.
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Dieser Arbeitsplatz hat es in sich: Zimmerleute tauschen am Aussichtsturm marode Querriegel aus. Warum das 26 Meter hohe Bauwerk inzwischen eine Rarität ist.

Aalen

Sie haben an diesem Morgen den höchsten Arbeitsplatz in Aalen: Die Zimmerleute der Firma Holzbau-Vogel. Ihre Aufgabe: Renovierung am Aalbäumle-Turm. Zwei der hölzernen Querriegel sind marode und müssen ausgetauscht werden. Michael Roder, Tobias Wanner und Steffen Kübler arbeiten auf einer Hebebühne in luftigen 18 Metern Höhe. Wobei „luftig“ untertrieben ist: Hier oben, drei Stationen unterhalb der Aussichtsplattform, pfeift der Wind mit Böen von 35 Stundenkilometern.

Friedo Schercher hat den ersten, sechs Meter langen Stamm aus Douglasienholz zuvor am Boden an den Enden eingeschlitzt. Der Kran hievt das Holz hoch, per Fernsteuerung bugsiert Christian Gold den Stamm an seinen Platz. Die Aufgabe von Tobias Wanner und Steffen Kübler ist es nun, den Querriegel exakt an den Seiten einzupassen. Stabdübel, jeweils so lang wie ein Unterarm, sollen das Rundholz in stählernen Manschetten fixieren.

Die Zimmerleute von Holzbau-Vogel sind alte Hasen, was das Aalbäumle angeht. „Den da haben wir auch schon mal ausgetauscht“, zeigt Tobias Wanner auf einen Stamm weiter unten. Trotzdem ist dieser Einsatz für die Handwerker etwas Besonderes. Wanner: „In der Höhe arbeiten wir auch eher selten. Wir machen sonst Dachstühle und Altbau-Renovierungen.“

Was viele Aalener nicht wissen: Der ganze Turm ist inzwischen eine Rarität. „Von dieser Bauart finden Sie kaum einen mehr in Süddeutschland“, berichtet Bruno Vogel, Seniorchef der gleichnamigen Holzbau-Firma aus Aalen-Waiblingen. Das „Gerippe“ aus Rundholz sei schwierig zu konstruieren. Er muss es wissen, denn der Turm ist so etwas wie sein Baby: Vor ziemlich genau 30 Jahren hat sein Unternehmen den hölzernen Koloss gefertigt.

„Das war damals schon eine Herausforderung“, erinnert sich Bruno Vogel. Die Vorarbeiten wurden in seinem Betrieb ausgeführt. Das Besondere: Der Turm wurde liegend vormontiert, „zweieinhalb Wochen hat das gedauert“. 180.000 D-Mark gab es damals für die Zimmerarbeiten. In den ersten Julitagen des Jahres 1992 transportierte sein Team das Gerippe hoch zum Langert. Zwei Kräne richteten es auf, verankerten es im Fundament. Erst dann, vor Ort, wurden der Treppenturm und die 64 Quadratmeter große Aussichtsplattform eingesetzt. Bei gutem Wetter reicht der Blick von hier, auf 702 Metern Höhe über dem Meeresspiegel, über die Aalener Bucht und das Welland, hin zum Rosenstein und nach Ellwangen.

Wind und Wetter setzen dem 26 Meter hohen Bauwerk unablässig zu, seit 30 Jahren. Bruno Vogel ist überzeugt: Der Austausch der Querriegel sichert die Standfestigkeit jetzt für weitere „vier, fünf Jahre“. Dann aber sei der Lebenszyklus dieses Turms zu Ende, dann müsse „was komplett Neues her“. Würde man wieder Douglasienholz nehmen? Was das Material angeht: ja. Maßgeblich bei der Entscheidung aber sei „der Kostenfaktor“, sagt Vogel. Seine Einschätzung: „Ein neuer Turm aus Douglasienholz würde 300 000 bis 400 000 Euro kosten.“

Die Arbeiten konnten innerhalb eines Tages abgeschlossen werden. Der Turm ist ab Mittwoch wieder geöffnet.

Oben einer der maroden Querriegel, unten der Ersatzstamm.
In luftiger Höhe mit regelmässigen Böen tauschen die Zimmerleute marode Querriegel aus.
In luftiger Höhe mit regelmässigen Böen tauschen die Zimmerleute marode Querriegel aus.
Mit einer Hebebühne werden die Stämme am Aalbäumle Turm gewechselt.
Mit einer Hebebühne werden die Stämme am Aalbäumle Turm gewechselt.
Arbeitsplatz auf 18 Metern Höhe: Michael Roder (links) bedient die Hubarbeitsbühne.
Maßarbeit: Steffen Kübler (von links), Tobias Wanner und Christian Gold beim Befestigen des neuen Douglasienstamms.
Der höchste Arbeitsplatz auf dem Aalbäumle von noch etwas weiter oben betrachtet. Die Firma Holzbau Vogel bei wichtigen Instandhaltungsarbeiten an Aalens Aussichtsturm.
Der höchste Arbeitsplatz auf dem Aalbäumle von noch etwas weiter oben betrachtet. Die Firma Holzbau Vogel bei wichtigen Instandhaltungsarbeiten an Aalens Aussichtsturm.
Der höchste Arbeitsplatz auf dem Aalbäumle von noch etwas weiter oben betrachtet. Die Firma Holzbau Vogel bei wichtigen Instandhaltungsarbeiten an Aalens Aussichtsturm.
Mit einer Hebebühne werden die Stämme am Aalbäumle Turm gewechselt.
Mit einer Hebebühne werden die Stämme am Aalbäumle Turm gewechselt.
Einer der neuen Querriegel für den Aalbäumle Turm.

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