Neues Zuhause für Krebse

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Drei- bis vierjähriger Steinkrebs aus dem Hirschbach.

Erfolgreiche Gemeinschaftsaktion des BUND mit der Stadt Aalen: Steinkrebse an der Hirschbachrenaturierung geborgen und umgesetzt

Aalen

An der kurz vor dem Abschluss stehenden Hirschbachrenaturierung süd-westlich des Hirschhofs wurde ein weiterer Schritt erfolgreich durchgeführt.

Für das wasserrechtliche Genehmigungsverfahren wurde vom Gewässerökologie-Büro Gobio bereits im Jahr 2019 eine Artenschutzuntersuchung des gesamten Hirschbachs vorgenommen. Dabei hatte sich herausgestellt, dass auch im geplanten Renaturierungsabschnitt mit Vorkommen des besonders geschützten heimischen Steinkrebses zu rechnen ist. Die Steinkrebse dürfen durch die Bauarbeiten zur Anlagen eines neuen, mäandrierenden Bachbetts nicht beeinträchtigt werden.

In einer Gemeinschaftsaktion der BUND - Ortsgruppe Aalen, die mit über zehn fleißigen Helferinnen und Helfern vertreten war, und der Stadt Aalen wurden deshalb an zwei Tagen über 200 Steinkrebse geborgen und in den Hirschbach oberhalb der Baustelle umgesetzt.

Aufgrund der für die naturschutzrechtlich besonders geschützten, heimischen Steinkrebse bis Anfang Juli geltenden Schonzeit konnte diese Artenschutzmaßnahme jetzt erfolgen. Damit die Tiere in dem begradigten, etwa 200 Meter langen seitherigen Bachbett überhaupt gefunden und eingesammelt werden konnten, wurde dort der Uferbewuchs abgemäht und das Wasser in den bereits fertiggestellten, in einer breiten Überflutungsmulde mäandrierenden Hirschbach umgeleitet.

Unter Steinen und Uferhöhlen

Nachdem das „alte“ Bachbett dann in kurzer Zeit trocken gefallen war, wurden die Helferinnen und Helfer des BUND aktiv. Unter der fachkundigen Anleitung des Diplom-Biologen Michael Pfeiffer vom Gewässerökologie-Büro Gobio wurde das Bachbett abgesucht und die aus ihren Verstecken unter Steinen und in Uferhöhlen zutage tretenden Krebse mit Küchensieben und händisch geborgen. Nach Vermessung, Alters- und Geschlechtsbestimmung sowie genauer Dokumentation der Fangergebnisse wurden über 200 Steinkrebse an geeigneten Stellen im Hirschbach oberhalb der Baustrecke wieder ausgebracht.

Von dort aus werden die Tiere dann in kurzer Zeit auch den renaturierten Abschnitt besiedeln. Damit sie sich dort wohlfühlen und möglichst schnell die notwendige Nahrungsgrundlage vorfinden, wurden bei der Aktion auch Steine und Sohlsubstrat mit Kleinlebewesen aus dem „alten“ Bachbett in den mäandrierenden neuen Hirschbach mit dem Bagger verlagert.

Alle Beteiligten, darunter auch die Kreisökologin Brigitta Frey und die BUND-Vorstandsmitglieder Melanie Krauss, Uta Widmann, Hanspeter-Pfeiffer und Carl-Heinz Rieger waren positiv überrascht von der großen Anzahl gefundener Krebse und auch von deren unterschiedlicher Größen- und Altersstruktur, die auf eine stabile und überlebensfähige Population im Hirschbach hindeutet. Damit diese nicht durch die vom invasiven, nicht heimischen Signalkrebs übertragene Krebspest ausgelöscht wird, wurden alle Beteiligten in die notwendigen Schutzmaßnahmen eingewiesen.

Im August geht es weiter

„Wenn uns das Wetter nicht im Stich lässt, werden wir als nächsten Schritt im August die Ansaat der Überflutungsmulde und der hangaufwärts liegenden Wiesen vornehmen können“, erläutert Robert Jenewein vom städtischen Amt für Umwelt, Grünflächen und umweltfreundliche Mobilität den Fortgang des Projekts und verbindet dies mit seinem Dank für das große Engagement der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer.

Besonders erfreulich ist die Zusage der BUND-Aktiven, sich auch an der für kommenden Herbst noch als Abschluss der Renaturierung geplanten Bepflanzung wieder tatkräftig beteiligen wollen.

Wir werden als nächstes im August die Ansaat der Überflutungsmulde und der hangaufwärts liegenden Wiesen vornehmen.“

Robert Jenewein, Amt für Umwelt, Grünflächen und umweltfreundliche Mobilität
Bergung der Steinkrebse im alten Hirschbach.

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