Neuheit am Ostalbklinikum: Roboter unterstützt bei OPs

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Eine minimalinvasive OP, assistiert von einer robotergeführten Kamera. Rechts erkennt man den Roboterarm, der sich wie eine Krake über der Bauchdecke des Patienten krümmt. V.l: Prof. Dr. Marco Siech, Leitende Ärztin Dr. Stephanie zu Putlitz und Oberarzt
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Seit Kurzem bedient sich das Operationsteam um Chefarzt Prof. Dr. Marco Siech eines besonderen Assistenten, der für mehr Durchblick sorgt.

Aalen

Das ist der Beginn eines neuen Zeitalters am Aalener Ostalbklinikum: Seit Neuestem unterstützt ein Roboter das Team um Prof. Dr. Marco Siech bei minimalinvasiven Operationen. Das mag nach Science Fiction klingen. Nach einer Machtübernahme der Künstlichen Intelligenz, wie sie etwa George Orwell in seinen Romanen beschrieben hat.

Doch keine Bange: Prof. Dr. Marco Siech, Chefarzt der Chirurgie I am Aalener Ostalbklinikum, beruhigt: „Wir überlassen die Operationen nicht der künstlichen Intelligenz. Bei uns stehen nach wie vor ausgebildete Fachmediziner am OP-Tisch, führen die Eingriffe selbst aus, steuern und überwachen sie.“

Wo der Roboter eingesetzt wird: Es handelt sich um einen Roboterarm, der mit einer Kamera ausgestattet ist. Sein Arbeitsfeld sind laparoskopische Eingriffe, also Operationen, bei denen die Bauchhöhle des Patienten und die darin liegenden Organe mithilfe eines Laparoskops - das ist eine spezielle Kamera - sichtbar gemacht werden. Diese wird über einen kleinen Hautschnitt und eine Hülse (Trokar, Anm. d. Red.) in die Bauchhöhle geführt. Seither, so Prof. Marco Siech, sei diese Kamera von der Hand eines Assistenzarztes gesteuert worden. Über viele Stunden lang. „Das hatte zur Folge, dass durch die natürlich Zitterbewegungen des Arztes das auf einem Monitor übermittelte Bild teilweise unscharf wurde, was ein präzises Arbeiten eher erschwert als erleichtert.“ Diese Aufgabe übernimmt fortan ein Roboterarm. Wie Siech betont, wird der Roboterarm bei allen minimalinvasiven OPs der Chirurgie I eingesetzt, „nicht nur bei denen mit hohem Schwierigkeitsgrad“.

Wie der Roboter arbeitet: Der im Team von Prof. Siech eingesetzte Roboterarm arbeitet nicht operativ. „Er führt lediglich die Kamera“, stellt der Chefarzt klar. Der Operateur bzw. die Operateurin bedient den Joystick und steuert so während des Eingriffs die Bewegungen des Roboterarms. „Das Bild wird dadurch absolut präzise“, benennt Siech den Vorteil dieser roboterunterstützen Methode. Und: „Man spart sich bei diesen Operationen den die Kamera führenden Assistenzarzt.“

Eine weitere Neuheit in der Chirurgie I am Ostalbklinikum Aalen, die die Präzision der Eingriffe erhöhen soll, sind vier kleine robotergesteuerte Greifzangen. Deren Enden lassen sich abknicken wie das oberste Glied eines Fingers. „Mit diesem computergesteuerten Assistenzsystem können wir bei minimalinvasiven Eingriffen die Richtung der Nadel exakt bestimmen und die Naht millimetergenau setzen“, erläutert Marco Siech.

Wie der Chirurg die robotergestützten Assistenzwerkzeuge steuert: „Im Prinzip ist das so wie bei einer Playstation“, sagt Siech. Bei einer minimalinvasiven OP wird die Bauchdecke mit Hülsen (Trokaren) bestückt. Durch diese Hülsen werden die Operationsinstrumente eingeführt. „Diese Instrumente steuert der Operateur dann wie bei der Playstation über einen Joystick.“

Warum Prof. Marco Siech nicht alles dem Roboter überlassen will : „Wir haben uns bewusst für die nicht komplette Robotik entschieden“, betont der Chefarzt. Denn im Unterschied zum Operateur fehle dem Roboter komplett ein Gefühl für das Gewebe. Siech: „Und meiner Meinung nach ist das unter anderem entscheidend dafür, ob eine Naht gut heilt oder nicht. „Gewisse Dinge sollte man nicht aus der Hand geben, um Schlimmeres zu vermeiden.“

Prof. Siechs Abteilung gilt als führend in Deutschland

  • Aalen. Vor genau zehn Jahren wurde die minimalinvasive Chirurgie am Ostalbklinikum Aalen unter Prof. Dr. Marco Siech zum ersten Mals als Referenzzentrum zertifiziert. „Aktuell sind wir eines von insgesamt 18 Referenzzentren in ganz Deutschland und eines von insgesamt vier in ganz Baden-Württemberg“, so Siech. Deutschlandweit gebe es insgesamt knapp 2000 Kliniken, darunter seien 77 Zentren, die minimalinvasive Chirurgie anwenden. „Aber den Titel Referenzzentrum haben nur 18 in ganz Deutschland. Und wir am Ostalbklinikum sind eines davon“, macht der Chefarzt deutlich. Aus seiner Sicht also ist die Chirurgie I in Aalen führend, was Know-how und OP-Techniken auf dem Gebiet der minimalinvasiven Chirurgie anbelangt.
  • Stete Optimierung: Um Technik und Leistung noch weiter zu verbessern, habe sich das Aalener Referenzzentrum nun mit dem Roboterarm die neueste Technik angeschafft.
  • Das Spektrum der minimalinvasiven OPs reicht von Standard-Eingriffen, etwa bei Leistenbruch, Gallenblase und Blinddarm über höhere Schwierigkeitsgrade (Dickdarm, Magen) bis hin zu besonderen OP-Verfahren mit hohem Schwierigkeitsgrad. Dazu zählen etwa eine Bauchspeicheldrüsen-OP, die operative Entfernung eines Teils des Magens, und Eingriffe an Nebenniere und Leber.
  • Laparaskopisch, also mit Hilfe eines optischen Instruments und mit durch mehrere „Schlüssellöcher“ in der Bauchdecke eingeführte Pinzetten und Messern werden in Aalen seit einigen Jahren schon beinahe 90 Prozent der Operationen durchgeführt. ⋌UW

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