Noch zwei Impfteams für die Ostalb?

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Ohne Termin, mit etwas Wartezeit kann man sich an bestimmten Tagen im Aalener Rathaus gegen Covid-19 impfen lassen
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Die Lage in den Praxen wird immer schwieriger, berichten Ärzte aus der Region. Was tun, wenn jetzt noch mehr Menschen eine Auffrischungsimpfung wollen? Infos vom Landratsamt.

Aalen

Die Nachfrage nach Booster-Impfungen ist massiv angestiegen. Arztpraxen stehen vor einer schier unbewältigbaren Bugwelle. „Wir sind bereits seit Anfang November mit allen möglichen Impfterminen bis Februar 2022 ausgebucht. Und das, obwohl wir etwa 70 bis 80 Prozent Coronaimpfungen pro Woche in unserer Praxis vornehmen“, sagt Dr. Christoph Stirner, in Aalen niedergelassener Internist und Allgemeinmediziner.

In den Hausarztpraxen zeichnet sich eine Dramatik ab. Mehrere Entwicklungen seien dafür verantwortlich: Impfzentren sind geschlossen, gleichzeitig will die Stiko das Corona-Boostern jetzt schon ab 18 empfehlen. Im letzten Vierteljahr hat sich herausgestellt, dass es teilweise zu einem deutlichen Nachlassen der Schutzwirkung gekommen ist. „Deswegen drängen jetzt eine Vielzahl an Menschen nach einer Auffrischimpfung, die man weniger als Auffrischimpfung denn als essenziellen Teil der Grundimmunisierung sehen sollte“, sagt Stirner. „Die personelle Ausstattung der Hausarztpraxen ist nicht für einen derart großen Patientenansturm konzipiert.

Zum Impfen und Boostern hat die SchwäPo Fragen ans Landratsamt gestellt - beantwortet wurden diese von Landratsamtssprecherin Susanne Dietterle und Landrat Dr. Joachim Bläse:

Dass Booster-Impfungen gebraucht werden, weiß man schon geraume Zeit: Wie kann es dann sein, dass Menschen im Ostalbkreis stundenlang anstehen müssen, bis sie ihre Booster-Impfung erhalten?

Susanne Dietterle: Die Impfstrategie des Landes sieht im Benehmen mit den Interessenverbänden der niedergelassenen Ärzte vor, dass Corona-Impfungen in die Regelversorgung übergeführt wurden. Dies wurde zum 1. Oktober umgesetzt, gleichzeitig wurden die Impfzentren geschlossen. Grundsätzlich ist dieses Vorgehen sinnvoll, denn Impfen ist eine der „Kernkompetenzen“ der Ärzte. Aufgrund der erneut dynamischen Verschlechterung der Pandemielage, neueren Erkenntnissen zum nachlassenden Impfschutz und schließlich auch einer Booster-Empfehlung ohne Priorisierung kam es zu einer Überlastung bei den Arztpraxen. Die ab 1. Oktober zur Unterstützung der niedergelassenen Ärzte vom Land eingesetzten mobilen Impfteams werden nun deutlich aufgestockt, um dem Bedarf gerecht zu werden. Denn angesichts der jetzt geltenden Alarmstufe interessieren sich erfreulicherweise auch viele bislang noch Ungeimpfte für eine Impfung.

Wieso kann man keine Terminvergabe organisieren?

In den Arztpraxen ist die Terminierung von Impfterminen mit einem hohen organisatorischen Aufwand verbunden. Dies hängt einerseits mit der Anzahl der Impfdosen und andererseits mit Lieferterminen für Arztpraxen zusammen, die zwei Wochen im Voraus organisiert werden müssen. Was die mobilen Impfteams betrifft, so ist die Terminvorgabe seitens des Landes bewusst deshalb nicht vorgesehen, um niederschwelliges und spontanes Impfen zu ermöglichen. Jeder und jede soll einfach vorbeikommen können. Teilweise bieten Kommunen aber bei Pop-up-Impfungen vor Ort eigene Terminvergaben an.

Wie sieht der Plan aus, dass es kein völliges Chaos gibt im Ostalbkreis, wenn im Dezember auf einen Schlag viel mehr Menschen seit sechs Monaten geimpft sind?

Wie bereits berichtet, hat das Land auf Initiative von Landrat Bläse dem Ostalbkreis ein eigenes mobiles Impfteam genehmigt. Wir sind in Gesprächen mit dem Sozialministerium und haben positive Signale, dass der Ostalbkreis zwei weitere Mobile Impfteams erhält. Mit drei eigenen Mobilen Team, deren Einsätze das Landratsamt selbst koordinieren kann, wird es möglich sein, auf Bedarfe flexibel zu reagieren. Damit können wir das Impfen in den Arztpraxen effektiv ergänzen und unterstützen.

Brauchen wir zudem nicht doch wieder ein Impfzentrum?

Die Impfstrategie sieht das nicht vor, vielmehr wird auf dezentrales Impfen durch die Ärzte und die Angebote von den mobilen Imfpteams vor Ort gesetzt.

Der Hausärzteverband fordert eine Booster-Impfung-Priorisierung: Wie steht der Landrat dazu?

Landrat Dr. Bläse: Wir sehen, dass vor allem bei den älteren Menschen der Impfschutz schneller nachlässt, als wir ursprünglich gehofft hatten. Deshalb halte ich es für sinnvoll, dass wir zunächst wieder die vulnerablen Gruppen schützen und diese zuerst boostern. Wir hatten ja deshalb bereits im Sommer alle Pflegeeinrichtungen angeschrieben und auf die Möglichkeit der Boosterimpfung durch unsere Mobilen Impfteams beim Kreisimpfzentrum hingewiesen. Ein Teil der Einrichtungen hat von unserem Angebot bereits im September Gebrauch gemacht, in anderen Heimen erfolgten die Impfungen durch die betreuenden Ärzte. Auch ganz aktuell fordern wir die Heime in unserer Funktion als Heimaufsicht wieder auf, beim Thema Impfen genau hinzusehen und Bedarf, der etwa durch eine Fluktuation in der Belegung entstanden ist, zu melden.

Gibt es eigentlich genügend Impfstoff?

Susanne Dietterle: Von einem grundsätzlichen Impfstoffmangel ist uns nichts bekannt. Allerdings scheint Impfstoff teilweise nicht sofort abrufbar zu sein, es kommt teils wohl zu logistischen Verzögerungen.

Steigt das Interesse an Erstimpfungen durch die Alarmstufe/2G Regelung?

Ja. Laut Impfstatistik verzeichnen wir erstmals wieder mehr Erst- als Zweitimpfungen. So sind diese von 839 Erstimpfungen vor zwei Wochen auf 1907 letzte Woche und 1309 diese Woche gestiegen.

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