Notruf: Die Herausforderungen hinter den Kulissen

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Das Zusammenspiel von Feuerwehr, Rettungskräften und Polizei muss im Einsatzfall gut organisiert sein und reibungslos funktionieren. Hier wurde das vor einigen Jahren bei einer Katastrophenübung auf der A7 beim Agnesburgtunnel trainiert. Archivfoto: Oliver Giers
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Bei einer virtuellen Pecha-Kucha-Nacht sprechen Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst über Gaffer, Gewalt und Rettungsgassen.

Aalen

Rund 200 000 Anrufe sind im vergangenen Jahr bei der Rettungsleitstelle Aalen eingegangen. Das berichtet Kreisbrandmeister Otto Feil bei einer virtuellen Pecha-Kucha-Session zum europäischen Tag des Notrufs. Im Schnitt sind das rund 550 Anrufe am Tag, 23 pro Stunde. Täglich rund 150 dieser Anrufe gehen laut Feil als Notrufe über die 112 ein.

Wie geht's dann hinter den Kulissen weiter? "Gaffer, Gewalt Rettungsgasse – was passiert, nachdem du die 112 gewählt hast?" Darüber sprachen Vertreterinnen und Vertreter von Polizei, Feuerwehr und DRK. In jeweils rund sechseinhalbminütigen Kurzvorträgen gaben sie interessante Einblicke in die "Blaulicht-Welt", gerade auch in Corona-Zeiten. 20 Folien à 20 Sekunden je Vortrag – so die Pecha-Kucha-Regeln.

Den Start machen Franziska Ascher und Nils Bauer vom DRK. Obwohl es in Notsituationen schnell gehen muss, sei es das wichtigste, Ruhe und kühlen Kopf zu bewahren. Denn die Erstauskunft am Telefon ist maßgebend für die Einschätzung der Lage. Erst wenn die Rettungsleitstelle alle wichtigen Antworten hat, kann die Lage bewertet werden und es kann losgehen. Die erste Frage am Einsatzort ziele derzeit darauf ab, herauszufinden, ob die betroffene Person möglicherweise mit Corona infiziert ist. "Keine Sorge, wir gehen nicht wieder", sagt Nils Bauer. "Wir müssen dann nur spezielle Schutzkleidung anziehen."

Behinderungen durch Gaffer können im schlimmsten Fall das Leben kosten.

Otto Feil Kreisbrandmeister

DRK-Kollegin Franziska Ascher schafft gleich einen Mythos aus der Welt: Wer mit dem Rettungswagen in der Notaufnahme ankommt, komme nicht automatisch schneller dran. Mit der sogenannten Triage – also einer Einteilung nach der Schwere der Verletzungen – werde die Dringlichkeitsstufe zuerst eingeschätzt. Kreisbrandmeister Otto Feil gibt eine positive Einschätzung: "Die Kampagnen zur Aufklärung über Rettungsgassen werden wahrgenommen und greifen." Körperliche Gewalt gegen Feuerwehrkräfte sei weniger ein Thema. Gaffer dagegen schon. Immer wieder müssen Einsatzkräfte Unfallstellen abschirmen. Das koste Zeit und behindere die Einsatzkräfte. "Das kann im schlimmsten Fall das Leben eines Menschen kosten", sagt Feil. Auch Behinderungen im Straßenverkehr kosten wertvolle Zeit. Da die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr beim Alarm erst noch zur Wache eilen müssen, fahren die Fahrzeuge zeitverzögert los. Verkehrsteilnehmer müssen also damit rechnen, dass mehrere Einsatzfahrzeuge mit einigen Minuten Verzögerungen vorbei müssen.

Für die Polizei ist Gewalt gegen Einsatzkräfte kein Fremdwort. Thomas Maile, Polizeibeamter und Moderator der Veranstaltung, erinnert an die Krawallnacht in Stuttgart, an Weltmeisterschaften und Co. Die Polizei sei immer nah am Geschehen. "Bei uns ist es nicht so hochglanz wie bei Netflix", sagt er. Das Verhalten habe sich mit den Jahren verändert. Gaffer und Widerstand gegen Beamte würden mehr und härter. "Es macht keinen Spaß, diese Ritterrüstung zu tragen, aber wir müssen uns schützen", sagt er und nennt als Beispiel auch die bewährt eingesetzten Bodycams.

Rettungseinsätze, Brände und Hilfen der Feuerwehr

Gewalt: "Es ist eine bedenkliche Entwicklung", sagt Polizeisprecher Holger Bienert und meint damit die Gewalt gegen Rettungs- und Einsatzkräfte. Fallzahlen aus dem vergangenen Jahr werden gerade ermittelt. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl der Gewalttaten gegen Polizeibeamte ganz leicht rückläufig. Dennoch sei es der zweithöchste Wert im Fünfjahrestrend. Aggression und Respektlosigkeit hielten weiter an.

Rettungsleitstelle: Von den im Jahr 2020 angenommenen Anrufen in der Rettungsleitstelle Aalen haben laut Kreisbrandmeister Otto Feil 2310 Anrufe die Feuerwehr betroffen. Davon waren 1040 Brandeinsätze, 1214 technische Hilfen, beispielsweise bei Unfällen oder Gefahrguteinsätzen und 56 Notrufe wegen Unwetter. 34 740 Anrufe in der Leitstelle waren dringende Notfallrettungen, 30 000 Krankentransporte.

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