Nur ein Teil der Azubi-Klasse darf aus der Quarantäne zur Prüfung

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Warum das Gesundheitsamt nicht alle Azubis unterstützt hat.

Aalen

Okan Baser und ein Großteil seiner Klassenkameraden der M3IM1 an der Technischen Schule Aalen fühlen sich unfair behandelt. "Wir sind Azubis zum Industriemechaniker", erzählt der 19-Jährige aus Mögglingen. "Nachdem ein Mitschüler aus Bopfingen positiv auf Covid-19 getestet wurde, mussten wir alle 14 Tage lang in Quarantäne bleiben – bis 29. September." Dies habe das Gesundheitsamt angeordnet, "obwohl wir anderen zum Glück negative Testergebnisse hatten." Das Problem: Am Dienstag, 22. September, sollten Okan und seine 27 Klassenkameraden Teil eins ihrer Abschlussprüfung schreiben. "Wir haben eingesehen, dass dies unverantwortlich wäre und blieben zuhause." Aber unfair sei, dass dann das Gesundheitsamt die Quarantäne für fünf Azubis zur Teilnahme an der Prüfung aufgehoben habe, darunter für drei Azubis von Mapal. "Wir, der große Rest, erfuhren erst anschließend davon."

Im Auftrag seiner Klassenkameraden bat Okan Baser daraufhin am 23. September eine Mitarbeiterin im Gesundheitsamt schriftlich um eine Erklärung. "Keine Antwort", berichtet er, als er sich mit "dem sehr kuriosen Fall" an diese Zeitung wendet. Es sei "ein Skandal", dass fünf Mitschüler entgegen aller Quarantäneregeln die Prüfung schreiben durften, aber der Rest nun bis zum Frühjahr 2021 warten müsse.

Der Pressesprecher von Mapal erklärt: Andreas Enzenbach sagt auf Anfrage der Redaktion: "Wir haben beim Gesundheitsamt angefragt, was zu tun ist, damit unsere drei Azubis jetzt nicht umsonst für die Prüfung gelernt haben." Daraufhin hätten die drei Azubis beim Gesundheitsamt erneut einen Coronatest gemacht. "Alle waren negativ. Dann wurde die Quarantäne von Amts wegen ausgesetzt." Enzenbach: "Die Möglichkeit hätten sicher auch andere gehabt."

Die Reaktion aus dem Landratsamt: "Wir bedauern sehr, dass der Großteil der Klasse aufgrund der geschilderten Umstände die Zwischenprüfung nicht absolvieren konnte", entschuldigt sich Susanne Dietterle, Pressesprecherin des Ostalbkreises und Trägers der Beruflichen Schulen. "Mit den Schulleitungen unserer Beruflichen Schulen, unserem Geschäftsbereich Gesundheit und den Kammern werden wir eine standardisierte Verfahrensweise festlegen, damit so etwas nicht wieder vorkommt."

Aufgrund der Anfrage von Mapal und anderer einzelner Ausbildungsbetriebe habe sich der Geschäftsbereich Gesundheit im Landratsamt bemüht, den Jugendlichen "möglichst unbürokratisch" die Prüfungsteilnahme zu ermöglichen. "Leider war unserem Geschäftsbereich Gesundheit dabei nicht bewusst, dass nicht nur die fünf Azubis, sondern vielmehr die gesamte Klasse von der Prüfung betroffen war", betont Dietterle. "In der Folge haben nun bekanntlich die anderen Schüler die Prüfung nicht absolvieren können und müssen diese nachholen. Wann dies der Fall sein kann, muss die IHK festlegen."

Die IHK informiert: André Louis, Leiter der Ausbildung bei der IHK Ostwürttemberg, sagt: "Wir erhalten unsere Prüfungsaufgaben von der Prüfungsaufgaben- und Lehrmittelentwicklungsstelle (PAL) in Stuttgart. Diese erstellt Prüfungsaufgaben für alle IHK-Berufe." Da nun auch andere IHKammern in Deutschland von corona-bedingten Ausfällen betroffen seien, werde die PAL neue Aufgaben erstellen und schnellstmöglich zur Verfügung stellen. "Einen konkreten Termin gibt es noch nicht." Aber die IHK werde die Prüflinge anschreiben und sie über einen Nachholtermin dieses Jahr im Herbst informieren." Okan Baser kommentiert: "Das wäre super."

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