OB-Wahl: Warum Thilo Rentschler nicht mehr antritt

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Thilo Rentschler im Aalener Rathaus. Am Mittwoch hat der Aalener Oberbürgermeister bekannt gegeben, dass er nicht für eine zweite Amtszeit in Aalen kandidieren wird. Archivfoto: opo.
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Oberbürgermeister Thilo Rentschler will bei der nächsten Wahl in Aalen nicht kandidieren und stellt sich am 11. Februar der formalen Wahl als Chef der IHK Ostwürttemberg.

Aalen. Thilo Rentschler (53) tritt nicht an bei der nächsten Oberbürgermeisterwahl der Stadt Aalen. Das gab er am Mittwoch bekannt. "Nach reiflicher Überlegung" habe er sich entschlossen, "nicht mehr für eine zweite Amtszeit zu kandidieren", erklärte er. Er wechselt zur IHK Ostwürttemberg und soll ihr Hauptgeschäftsführer werden. Die Wahl gilt als Formsache.

Rentschler sieht die vergangenen sieben Jahre, seit denen er OB in Aalen ist, als sehr erfolgreich an. "Wahrlich Großes und Zukunftsweisendes haben wir in vielen Projekten und Initiativen für unsere Stadt, unsere Heimatregion und für das Wohl der hier lebenden Menschen geschaffen", so lautet sein Fazit. Rentschler nennt die Wohnungsbauoffensive, den Ausbau des Hochschulstandortes, den Kulturbahnhof und das Kombibad, den B-29-Ausbau, Quartiersentwicklungen von Stadtoval bis Galgenberg-Ost, aber auch Projekte und Initiativen wie den Aufbau einer Schule für syrische Flüchtlingskinder, die Städtepartnerschaft mit Vilankulo in Mosambik und die Initiative "Aalen hält zusammen" seit dem Ausbruch der Pandemie. Auch sei Aalen eine attraktive Klimaschutzkommune geworden und habe sich vorbereitet als zukünftige "Smart City Aalen". Die Umsetzung des Mobilitätskonzeptes mit Bahnhalt West, den Radwegeausbau und die Stärkung des ÖPNV notiert Rentschler weiter auf der Habenseite.

Rentschlers persönlicher Anspruch als OB

Dies alles sei nur möglich, wenn es "eine dauerhafte Form der konstruktiven, fairen und vertrauensvollen Zusammenarbeit" mit den Stadträtinnen und Stadträten gibt. Ob es genau daran gehapert hat, dazu äußert sich Rentschler nicht konkret. Allerdings räumt er ein, "dass ich häufig auf der Überholspur unterwegs war". Sein Anspruch sei es, "die Stadt und die Region zu gestalten, Probleme anzupacken", lösungsorientiert zu denken und zu handeln, "trotz manchen Gegenwinds".

Ich war häufig auf der Überholspur unterwegs.

Thilo Rentschler, Oberbürgermeister

Diesen Gestaltungswillen "und diese hohe Effizienz möchte und werde ich in einer neuen verantwortungsvollen Position in Diensten für unsere Heimatregion ab Oktober" wahrnehmen, erklärt er. Rentschlers Amtszeit endet am 30. September. Gewählt wird am 4. Juli.

Kein Dank an den Aalener Gemeinderat insgesamt

Rentschler dankt in einer veröffentlichten Erklärung allen Führungskräften und Mitarbeitern "im Konzern der Stadt Aalen". Nie sei öffentliche Daseinsvorsorge wichtiger gewesen als zu Zeiten der Pandemie. Den Aalener Gemeinderat nennt er in seinen Dankesworten nicht explizit, sondern nur post scriptum, in dem er "auch all' diejenigen" dankend erwähnt, die im politischen Geschäft die Kommunalpolitik "vor allem als das Lösen von Sachproblemen begreifen, zur Mehrung des Gemeinwohls", denn dies allein zähle. In Bezug auf seine Nachfolge hält sich Rentschler bedeckt. Es habe niemand vorgefühlt bei ihm, sagt er. Und er habe auch keine Ratschläge für eine künftige Oberbürgermeisterin oder einen Oberbürgermeister. Dass jetzt jemand anderer die Ernte einfahre für viele Projekte, die erst begonnen sind, das sieht er mit Vorfreude. Denn er sei ja Aalener. "Die Stadt verdient es, dass es mit vollem Schwung weiter geht", hofft Rentschler.

Vorschusslorbeeren von der IHK Ostwürttemberg

Das Präsidium der IHK Ostwürttemberg will Rentschler der Vollversammlung zur Wahl am 11. Februar 2021 vorschlagen. "Die hervorragenden regionalen Kenntnisse Rentschlers, seine auch über die Grenzen der Region hinausreichende Vernetzung in Wirtschaft, Politik und allen gesellschaftlichen Bereichen" haben Rentschler nach Aussage von IHK-Präsident Markus Maier "in besonderer Weise für dieses Amt prädestiniert". Rentschler muss noch gewählt werden, ist aber nach einer Mittelung der IHK der einzige Kandidat, den das Präsidium für die Wahl nominiert.

OB und IHK - Daten am Rande:

  • Thilo Rentschler (53) war im Jahr 2013 für acht Jahre zum Oberbürgermeister der Stadt Aalen gewählt worden. Der SPD-Mann hatte sich damals im zweiten Wahlgang gegen seinen Mitbewerber von der CDU, Dr. Frank Baßler, durchgesetzt. Rentschler stammt aus Nellingen auf den Fildern, ist verheiratet und hat drei Kinder. Seit 2014 ist er Mitglied der SPD-Fraktion des Kreistags im Ostalbkreis. Zudem hat er viele Ehrenämter inne, ist Vorsitzender der Stiftung Schloss Fachsenfeld, Vorsitzender des Vereins Deutsche Limesstraße und der Erlebnisregion Schwäbische Alb. Er soll bei der IHK Nachfolge der bisherigen IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle werden, die ihren Vertrag wegen einer beruflichen Neuorientierung nicht verlängert hat. Der Hauptsitz der IHK Ostwürttemberg ist in Heidenheim, weiter betreibt die IHK seit über 40 Jahren ein Bildungszentrum in Aalen. Wie Rentschler der SchwäPo sagte, sei er Aalener und wolle in Aalen wohnen bleiben.

Reaktionen auf Rentschlers Entscheidung - Das sagen die Fraktionen:

Für Thomas Wagenblast (CDU) kommt die Entscheidung Thilo Rentschlers sehr überraschend. Die CDU-Fraktion danke für die Zusammenarbeit. "Gemeinsam haben wir viele Projekte vorangebracht, die der CDU für Aalen sehr wichtig sind."

Michael Fleischer (Grüne): Der Grünen-Fraktionssprecher zeigt sich nicht völlig überrascht von Rentschlers Entscheidung. "Es gab Zeichen in die eine und in die andere Richtung", sagt Fleischer. Er begrüßt es, dass nun Klarheit herrscht. "Ich respektiere diese Entscheidung", sagt er und fügt an: "Jetzt muss man in die Zukunft schauen."

Hermann Schludi (SPD): "Ich bin betroffen, mehr als traurig." Schludi fasst es nicht, dass man nun zum zweiten Mal einen OB abschießt. "Zumal einen, der seine Arbeit super erfolgreich gemacht hat." Damit habe man einen Pyrrhussieg erreicht; also einen Erfolg, der für die Stadt Aalen einem Fehlschlag gleichkomme.

Thomas Rühl (Freie Wähler): "Für uns kam das überraschend, und wir bedauern es außerordentlich." Rentschler sei ein engagierter OB, der Aalen voran und ins Bewusstsein gebracht habe, "dass es das eigentliche Oberzentrum ist". Im Gemeinderat habe er ihn oft bewundert, "wie er die Nerven behalten hat".

Norbert Rehm (FDI): "Thilo Rentschler hat in der Stadt mit hohem persönlichen Einsatz viel in Bewegung gesetzt." Verwundert darüber, dass Rentschler nicht mehr antritt, sei er indes nicht, "weil Rentschler vermehrt viele und große Fehler" gemacht habe.

Dr. Frank Gläser (AfD): "Die Entscheidung überrascht mich, aber ich kann sie gut nachvollziehen", sagt er. Aber mehr wegen der Chancen, die Rentschlers neuer Job biete, als wegen des Klimas im Gemeinderat. Dass damit der Weg frei wird für Fraktionskollegen Marcus Waidmann, glaubt Gläser nicht. Ein AfD-Mitglied werde nicht OB. Dazu seien die Vorurteile zu mächtig.

Roland Hamm (Linke): "Ich habe nicht damit gerechnet", sagt er zu Rentschlers Entscheidung. "Ich habe aber gemerkt, dass seine Frustration aufgrund der permanenten Angriffe, denen er ausgesetzt war, zugenommen hat." Die Amtszeit Rentschlers beschreibt Hamm als "sieben dynamische Jahre" nach "acht Jahren Stillstand unter seinem Vorgänger".

Claus Albrecht (BdS-Vorsitzender): "Mir tut es sehr, sehr leid", sagt der Vorsitzende des Bunds der Selbstständigen (BdS) Aalen. Die Unternehmen der Innenstadt verlören jetzt einen "enormen Mitstreiter", der sich für eine funktionierende City stets eingesetzt habe, als wäre es sein eigenes Unternehmen.

Josef Funk (ACA-Vorsitzender): "Thilo Rentschler hat stets alles gegeben, um die Entwicklung der Stadt Aalen voranzutreiben." Die Anliegen der Innenstadthändler habe Rentschler stets schnell und unbürokratisch verhandelt, sagt der Vorsitzende des Aalener Innenstadtvereins Aalen City Aktiv (ACA).

Leni Breymaier (SPD-Bundestagsabgeordnete): "Thilo Rentschler hat die Geschichte der stolzen Stadt Aalen in einem beeindruckenden Tempo fortgeschrieben", sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete über den Aalener Oberbürgermeister, der ebenfalls SPD-Mitglied ist. "Mit Tatkraft, Kreativität und Begeisterung verlor er als Oberbürgermeister nie seine Ziele aus den Augen. Es war eine Freude mit ihm zu arbeiten. Danke dafür!", sagt Leni Breymaier. Der IHK Ostwürttemberg gratuliert sie zu dieser Personalie. "Ich freue mich auf die weitere Arbeit mit Thilo Rentschler auch in der neuen Rolle, die er dann hat, zum Wohle unserer Raumschaft", schließt sie.

Sonja Elser (SPD-Kreisvorsitzende): "Thilo Rentschler hat die Stadt Aalen in den vergangenen acht Jahren enorm weiterentwickelt", sagt Sonja Elser. Mit Rentschler verlasse "ein richtiger Schaffer" das Aalener Rathaus. "Wir bedauern als SPD-Kreisverband sehr, dass es keine zweite Amtszeit mit Thilo Rentschler geben wird", so die SPD-Kreisvorsitzende. "Gleichzeitig begrüßen wir es, dass er mit seinen Erfahrungen in seiner neuen Funktion der Region erhalten bleibt."

Jakob Unrath (stellvertretender SPD-Kreisvorsitzender): "Die hohen Investitionen und viele Bautätigkeit in Aalen seit der Amtsübernahme von Thilo Rentschler suchen ihren Vergleich im Land", sagt Jakob Unrath. Das Gesicht der Stadt sei durch ihn geprägt worden, wirtschaftlich, sozial und kulturell. "Für seinen Einsatz sind wir dankbar", ergänzt der stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende.

Dr. Carola Merk-Rudolph (Fraktionsvorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion und Landtagskandidatin): "Thilo Rentschler hat der Stadt Aalen, aber auch dem ganzen Ostalbkreis, sehr gutgetan.", sagt Dr. Carola Merk-Rudolph. Er habe sich immer für die Interessen der Bürgerschaft mit Herz, Hand, viel Verstand und Kompetenz eingesetzt und Aalen und der Region mit all seiner Kraft und seiner Gestaltungsmacht ein positives und zukunftsweisendes Image gegeben

ks/bea/UW

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