Öffentliche Hand dreht am Rad: Nach Aalen fließen die Millionen

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Knapp 60 Millionen werden an der Hochschule allein in den Waldcampus investiert.

Corona zum Trotz: In der Ostalb-Hauptstadt wird in diesem und den nächsten Jahren unglaublich viel investiert – und einen Löwenanteil davon gibt die öffentliche Hand.Ein Überblick über das, was sich in den nächsten Monaten tut, für wen das ist – und was es kostet.

Aalen

Corona drückt auf die Stimmung, insbesondere in der Wirtschaft. Dennoch gibt es auch gute Nachrichten über kräftige Impulse – gerade im Raum Aalen. Die Stadt, aber auch der Landkreis und das Land investieren in den nächsten Jahren unglaublich viel Geld in der Hauptstadt des Ostalbkreises. Bauherr also: der Steuerzahler, die Bürgerinnen und Bürger. Die öffentliche Hand als Aalener Wirtschaftsmotor: ein Überblick über die aktuellen Projekte.

  • 1 Das Polizeipräsidium – 17 Millionen Euro: An der Böhmerwaldstraße in Aalen entsteht das neue Führungs- und Lagezentrum, das Herzstück des Polizeipräsidiums Aalen. "Wir peilen Bezug und Inbetriebnahme noch dieses Jahr an", berichtet Polizeipräsident Reiner Möller bei einem Baustellenrundgang. 17 Millionen werden insgesamt investiert. Das Projekt war im Zusammenhang mit der Evaluation der Polizeistrukturreform im Jahr 2016 durch das Innenministerium vorübergehend gestoppt worden. "Wir mussten hart kämpfen, und die Drähte nach Stuttgart sind heiß gelaufen", so der Polizeichef. Dass der Aalener Standort der einzig richtige sei, davon ist auch Landrat Pavel überzeugt. Auch er hatte sich auf allen Ebenen gemeinsam mit dem Oberbürgermeister für den Aalener Standort stark gemacht.

Das Land investiert rund zehn Millionen Euro in den Neubau – und seit Beginn dieses Jahres wird zusätzlich der Altbau an der Böhmerwaldstraße für mehr als sieben Millionen Euro generalsaniert: Das macht dann 17 Millionen Euro in der Summe. 100 Personen werden nach Fertigstellung im neuen Führungs- und Lagezentrum in der Böhmerwaldstraße arbeiten.

  • 2 Das Kombibad – 43 Millionen Euro: Deutlich mehr als 40 Millionen Euro – derzeit ist von knapp 43 Millionen Euro die Rede, will die Stadt Aalen ins Kombibad Hirschbach investieren. Geplant sind ein Hallenbad mit einem 25-Meter-Becken und zehn Bahnen, ein Kursbecken, das Freibad mit 50-Meter-Becken und acht Bahnen. Zudem soll es noch eine Sauna geben in Anlehnung an das Saunaraumprogramm im bestehenden derzeitigen Hallenbad. Das Raumprogramm ist bedarfsorientiert für verschiedene Nutzergruppen wie Schulen, Vereine, Familien oder Menschen mit Behinderung. Den Löwenanteil schultern die Stadtwerke in Höhe von rund 35 Millionen Euro. Die Stadt leistet bis ins Jahr 2026 regelmäßig Investitionskostenzuschüsse von zwei Millionen Euro – außer in 2026. Da ist es "nur" eine Million Euro.
  • 3 Die neue Rettungsleitstelle – 16 Millionen Euro: Seit 2006 ist die in den 80er-Jahren erbaute Leitstelle für den Ostalbkreis und den Landkreis Heidenheim zuständig. Die Mitarbeiter des DRK steuern in der Integrierten Regionalleitstelle Ostwürttemberg (IRLS) derzeit jährlich circa 147 000 Notrufe, 70 000 Rettungsdiensteinsätze und 2600 Feuerwehreinsätze. In all den Jahren wurden die Räumlichkeiten der IRLS ertüchtigt und auf den technischen Stand gebracht. Nach über 40 Jahren sind die Räumlichkeiten am Ende der Entwicklungsmöglichkeiten. Deshalb ist ein Neubau geplant. Eine Arbeitsgruppe hat nun eine Kostenschätzung erarbeitet. Diese kommt auf Gesamtkosten in Höhe von knapp 16 Millionen Euro für den Bau der Leitstelle. Bemerkenswert ist, dass sich allein die Aufwendungen für technische Anlagen sowie die Ausstattung der Leitstelle auf 6,78 Millionen Euro belaufen.
  • 4 Das Ostalb-Klinikum – rund 40 Millionen: Der Kreistag hat den Weg frei gemacht für eine Investition am Ostalb-Klinikum – und zwar für den Neubau eines Zentralgebäudes mit OP-Sälen und Funktionsräumen sowie der Zentralen Notaufnahme. Ein Baubeginn wird für Ende 2021 angestrebt. Ganz nah beieinander sind dann die Schwerpunkte Akutmedizin, Zentrale Patientennotfallversorgung, die Kardiologie, die Gastroenterologie, die Neurologie und die Neurochirurgie sowie Unfallchirurgie mit Traumazentrum, Gynäkologie mit Geburtshilfe, inklusive spezieller Zusatzangebote wie Thrombektomie. Auch die nicht mit den medizinischen Zentren für den Klinikbetrieb unabdingbaren Einheiten wie Radiologie, Labor sowie KV-Praxis und Klinikambulanzen sollen durch den Neubau "optimal verknüpft" werden, heißt es im der entsprechenden Vorlage für den Kreistag. Die Gesamtkosten dieser Planungsvariante liegen aktuell nach einer ersten Kostenschätzung der Architekten bei etwa 40 Millionen Euro.
  • 5 Der neue Kulturbahnhof – 25 Millionen Euro: Im Oktober 2020 soll das Herzstück des neuen Stadtquartiers Stadtoval, der Kulturbahnhof, seine Pforten öffnen. Theater, Musikschule, Kino am Kocher, Ballettschule und drei Orchester erhalten dort eine neue Heimat. In mehreren Sälen sollen zudem Veranstaltungen angeboten werden. Ausstellungen sind dort möglich, Messen oder kleinere Kongresse. Diese Säle seien für eine Vielzahl von Nutzern offen, etwa für Firmen oder Vereine. Für die Musikschule sind knapp 500 Quadratmeter vorgesehen, fürs Theater gut 400 Quadratmeter, weitere 170 Quadratmeter sind fürs Kino am Kocher reserviert. Dann gibt es einen städtischen Saal mit etwa 350 Quadratmetern für Gastspiele, Kleinkunst oder Comedy. Und das Foyer mit 365 Quadratmetern für Ausstellungen, kleinere Kongresse oder Konzerte jeglicher Art. Idee ist auch der Erhalt einer Gebäudegruppe aus der großen Aalener Eisenbahn-Zeit.
  • 6 Das neue Landratsamt – rund 45 Millionen: Ein großes Ausrufezeichen setzt abermals der Landkreis. Auf dem ehemaligen Union-Areal soll ein Gebäude entstehen, in dem alle derzeit in Aalen untergebrachten Dienststellen konzentriert werden, die nicht im Kreishaus, dem Landratsamt in der Stuttgarter Straße, untergebracht sind. Das Gelände, das für die Pläne zur Verfügung steht, ist rund 16 000 Quadratmeter groß, das entspricht einer Fläche von deutlich mehr als zwei Fußballfeldern. Die Landkreisverwaltung ist in Aalen neben dem Landratsamt in der Stuttgarter Straße an vier weiteren Standorten, die angemietet sind, untergebracht. Von den rund 760 in Aalen beschäftigten Bediensteten des Ostalbkreises arbeiten derzeit lediglich 480 im Stammhaus. Diese Zersplitterung bringt viele Nachteile, weshalb der Kreistag beschlossen hatte, diese Dienststellen an einem zentralen Standort in der Nähe des Kreishauses zusammenzulegen. Im Wesentlichen sollen dort der gesamte Sozialbereich mit Sozial- und Jugendamt, Jobcenter, Integration und Versorgung sowie Gesundheits- und Veterinäramt untergebracht werden.
  • 7aWaldcampus, die Wirtschaftsfakultät – 26 Millionen Euro: Richtig viel passiert auch rund um die Hochschule, Stichwort "Waldcampus": Die Weiterentwicklung der forschungsstarken Hochschule Aalen stehe seit Jahren im Mittelpunkt der städtischen Kommunalpolitik, erklärt der Aalener Oberbürgermeister Thilo Rentschler und weiter: "Eine Entwicklung der Hochschule ist wichtig für eine erfolgreiche Zukunftsausrichtung der gesamten Wirtschaft in der Region", so der OB. Dort, wo sich eine Hochschule um Forschung und Innovationsthemen kümmert, finde "Zukunft statt". Beim Waldcampus geht es zum einen um den Bau eines Gebäudes für die Wirtschaftsfakultät der Hochschule Aalen. Der Baubeginn soll noch in diesem Jahr sein, Herbst oder Winter. 2023 sollen die Wirtschaftswissenschaftler das neue Gebäude beziehen können. Für die Wirtschaftswissenschaften entstehen rund 3600 Quadratmeter Neubaufläche, die auf die Bedürfnisse der Lehrenden und Studierenden abgestimmt sein sollen. Die Seminar- und Hörsäle werden auf dem neuesten Stand der Technik sein, ebenso wie die Projektarbeitsräume, die PC-Labore und die Lernräume. Auch die Verwaltung der Fakultät wird in das neue Gebäude einziehen, sodass alles an einem Ort ist. Zuständig für das Projekt ist das Land. "Der Waldcampus wird den Campus noch besser verbinden und der neue zentrale Anlaufpunkt für die Wirtschaftswissenschaften werden, die bisher in verschiedenen Gebäuden über die Stadt Aalen hinweg verteilt sind. Der Bau des Waldcampus ist ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung der Hochschule und wird dazu beitragen, dass aktuelle Flächendefizit der Hochschule zu verringern", sagt Rektor Professor Dr. Gerhard Schneider.
  • 7bWaldcampus, studentisches Wohnen mit Kindertagesstätte – 15 Millionen Euro: Ein zweiter Teil des Waldcampus ist für Studentenwohnungen gedacht – mit einer Kindertagesstätte. Der Baubeginn dieses Projektes, das die Stadt Aalen zusammen mit dem Jugendwerk Aalen schultert, ist für Anfang 2021 angedacht.
  • 7cWaldcampus, die neue Mensa – 16 Millionen Euro: Und schließlich soll eine Mensa gebaut werden, da die aktuelle Mensa längst an der Kapazitätsgrenze angekommen ist und beim Bau Ende der 1960er-Jahre nicht auf 6000 Studierende und circa 600 Mitarbeitende sowie Professorinnen und Professoren ausgelegt war. Es gibt derzeit einen Vorentwurf mit Kostenschätzung. Der Baubeginn ist noch unklar.

Außerdem an der Hochschule und kurz vor der Eröffnung: Zimate und ZTN – 22 Millionen Euro: Die neuen Forschungsgebäude Zimate (Zentrum innovativer Materialien und Technologien für effiziente elektrische Energiewandler-Maschinen) und ZTN (Zentrum Technik für Nachhaltigkeit) werden am 2. November offiziell an die Hochschule übergeben. Sie bestehen aus zwei parallel angeordneten Komplexen, die im Westen durch den Foyer-Bereich und Seminarräume, im Osten durch einen dem Zimate zugeordneten Fahrzeug-Prüfstand verbunden sind. Auf den rund 3000 Quadratmetern dreht sich alles um Zukunftsthemen wie künstliche Intelligenz, nachhaltige Mobilität, erneuerbare Energie und Ressourceneffizienz oder Leichtbau. Baubeginn war 2017.

Spannend ist auch ein Blick auf die Liste der sich derzeit im Raum im Bau befindlichen Maßnahmen der privaten und der öffentlichen Hand insgesamt. Die Stadt kommt in den nächsten Jahren auf knapp zwei Milliarden Euro, allein 500 Millionen Euro davon sind allerdings die Investition der Palm-Gruppe in eine neue Papierfabrik in Unterkochen. Ein Blick auf die Liste der Vorhaben zeige, dass die Attraktivität Aalens "weiterhin sehr hoch ist", kommentiert OB Thilo Rentschler. Ebenfalls interessant: In den Wohnbau fließen davon in bereits bekannte Projekte und geplante Quartiere zwischen 470 und 580 Millionen Euro. Das Volumen der Projekte der städtischen Wohnungsbau davon beträgt rund 100 bis 120 Millionen Euro.

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