Olavsweg: Elche gab's nur auf Plakaten zu sehen

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Hans-Peter Weber mit Olavsurkunde und Pilgerpass.
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Seit Montag ist Hans-Peter Weber zurück vom 653 Kilometer langen Olavsweg in Norwegen. Was er in 27 Tagen zwischen Oslo und Trondheim erlebt hat. Einige Eindrücke.

Aalen

Stramme 653 Kilometer hat er hinter sich. Ausschließlich zu Fuß – wie sich's für einen redlichen Pilger geziemt – hat Hans-Peter Weber den norwegischen Olavsweg bezwungen. Besser: genossen. Denn was der tapfere Wandersmann auf der Strecke zwischen Oslo und Trondheim erlebt hat, hat sich in sein Herz gebrannt: die bizarre Natur, hohe Felsvorsprünge und türkisfarbene Seen, die träumerische Stille, vertrauensvolle und gastfreundliche Menschen, einzelne und herzliche Begegnungen, die er nicht vergessen wird.

"Bin wieder gut daheim angekommen. Da bei uns ist's au richtig schön!", ist die letzte Nachricht, die der wanderselige frühere VR-Bank-Chef via WhatsApp am Montagabend, am Ende seiner Pilgerfahrt versendet. Da ist er bereits wieder zurück in seiner Heimat Ellwangen, hat gerade ein Rotochsen-Bier aufgemacht und freut sich über ein stärkendes Leberkäs-Vesper. Schneller als geplant – in nur 27 statt in 32 Tagesetappen – hat der 66-Jährige den Olavsweg genommen. Sieben der prägenden Eindrücke, die er von seiner Wanderreise mitgenommen hat:

1 Die größte Überraschung: "Das Vertrauen, mit dem die Menschen dort auf einen Fremden zugehen, ist erstaunlich." Weber erzählt von einem Herbergsvater, der ihm das komplette Haus geöffnet habe, obwohl die Herberge eigentlich coronabedingt geschlossen war. "Er hat mich nicht einmal bezahlen lassen, sondern darauf vertraut, dass ich am nächsten Morgen einen Geldbetrag ins Gästebuch lege."

2 Die günstigste Übernachtung: An den meisten Abenden bettete sich der Pilgersmann in seinem Schlafsack am Boden eines sogenannten Gapahuk: Das ist eine kostenlose Schutzhütte aus Holz, die zu einer Seite hin offen ist. Keine Angst vor Räubern? "Nein", sagt Weber. "Ich habe jede Nacht gut geschlafen." Zur Sicherheit aber hat er Handy und Bargeld in den Fußteil seines Schlafsacks geschoben.

3 Die kürzeste Nacht: Das beste aus jeder Situation machen. Darauf versteht sich der Wandersmann, der nach einer Tagesetappe von diesmal über 30 Kilometern endlich im Gapahuk die Wanderstiefel ausziehen und die Beine ausstrecken will. Also was tun, wenn die Schutzhütte schon besetzt ist? Zwei Norwegerinnen haben sich dort auf ein gemütliches Grillwochenende eingestellt. "Und plötzlich war ich zum Grillen eingeladen. Mit Rentier- und Elchfleisch. Und mit Wein. Das ist ja in Norwegen was ganz Kostbares", schwärmt Weber. An diesem Ausnahmeabend ist er erst um 2 Uhr in seinen Schlafsack geschlüpft.

4 Die schönste Tierbegegnung: Nein, kein Elch! "Den hab ich nur auf Plakaten gesehen." Dafür hat sich ein Eichhörnchen direkt vor seiner Schlafstätte auf die Hinterbeine gesetzt und sich geputzt.

5 Die anstrengendste Strecke

war für Weber gleichzeitig die schönste: über das Dovrefjell – ein riesiges Bergplateau mit seinen faszinierenden Steinlandschaften, Moosen, Flechten und Zwergsträuchern. Doch am Ende eines langen Tagestrips mit 600 erklommenen Höhenmetern stand Weber vor einer verschlossenen Herberge. Also weiter. Zehn Kilometer später und 400 Höhenmeter weiter oben wird ihm klar: "Wenn man so eine Tour macht, muss man wissen, dass man nicht alles exakt planen kann. Und dass man immer noch eine Kraftreserve haben muss, um an Ende des Tages noch ein paar Kilometer weiter zu wandern, wenn's denn sein muss."

6 Ein dampfendes Erlebnis war für den schwäbischen Pilger-Abenteurer der Ritt auf dem "Weißen Schwan von Mjösa". So jedenfalls bezeichnen die Norweger den Raddampfer, auf dem Weber den Mjösa-See überquert hat. "Das 155 Jahre alte Schiff ist der älteste Raddampfer der Welt."

7 Enttäuschung am großen Ziel: Als der Pilgersmann den 0-Kilometer-Stein vor dem Nidarosdom in Trondheim erreicht, ist er einfach nur froh. Er setzt sich eine Zeit lang in den Dom, lässt die Stille auf sich wirken. Dann erkundigt er sich bei einem Ordner nach dem Grab des Heiligen Olav. Über diesem, so heißt es, wurde die Kathedrale errichtet. Doch der Ordner schüttelt den Kopf, antwortet auf Englisch: "Wir wissen nicht, wo genau das Grab ist."

Webers Tipps für Pilger

Das Rucksack-Packgewicht sollte zwölf Kilo nicht überschreiten. Denn obendrauf kommt noch die Verpflegung. Und zwei Liter Flüssigkeit sollte man dabei haben.

Vorbereitung: Weber hat sich 8 bis 9 Monate lang vorbereitet, ein paar Kilo Körpergewicht reduziert, sich in der heimischen Gegend an die Länge der Tagesstrecken gewöhnt. "Nicht auf der Aschenbahn im Stadion, sondern in freier Natur."

Die Verpflegung: "Als Notration habe ich immer Müsliriegel dabei. Und als Standardvesper Körnerweckle, eingeschweißte Salami und Käse. Und ab und zu eine Fischdose."

Die Kosten: Norwegen ist teuer. Auch für Pilger. "Selbst wenn man meist in kostenlosen Schutzhütten übernachtet, muss man mit Ausgaben von durchschnittlich 100 Euro am Tag kalkulieren."

Wie teuer war die Pilgerreise? "Obwohl ich nicht luxuriös unterwegs war. Aber 3000 Euro hat diese individuelle Auszeit sicher gekostet." UW

Am vergangenen Freitag ist der frühere VR-Bank-Chef Hans-Peter Weber an seinem Ziel, dem Nidarosdom in Trondheim angekommen (Bild unten, Mitte). 0 Kilometer zeigt der Pilgerstein.
Hans-Peter Weber mit Olavsurkunde und Pilgerpass.

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