Operation Salvatorturm

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Die Aalener Salvatorkirche mit ihrem stadtbildprägenden Turm, von der Ziegelstraße aus gesehen.
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Nach Ostern werden die Kirchenglocken bis Mitte September verstummen. Warum die Turmsanierung fast eine dreiviertel Million Euro kosten wird.

Aalen

An Ostern läuten sie zum vorerst letzten Mal, die vier Glocken im Turm der Salvatorkirche. Ab Dienstag kommender Woche werden sie ein knappes halbes Jahr lang – bis Mitte September – verstummen. "Denn so lange wird die äußere und innere Sanierung des Kirchturms dauern", schätzt Wolfgang Sedlmeier, leitender Pfarrer der katholischen Gesamtkirchengemeinde Aalen.

Der Auslöser: Vor zweieinhalb Jahren schon mussten Industriekletterer den Salvatorturm mit einem engmaschigen Stahlnetz sichern, weil sich im Frühjahr 2018 ein großes Stück Mauerwerk unterhalb des Kirchturm-Geländers gelöst hatte und auf den öffentlichen Parkplatz der Kirche abgefallen war. Daraufhin hat man festgestellt, dass an einigen Stellen des Turms der Bewehrungsstahl frei liegt.

Der Sanierungsplan: Nicht nur der Kirchturm, sondern auch Glockenstube und Glockenstuhl werden saniert. Dieser wird auf sechs Schwingungsdämpfer gesetzt, um künftig Haarrisse im Mauerwerk zu vermeiden. Sowohl die dreieinhalb Tonnen schwere Christusglocke, als auch die Petrus-, Paulus- und Marienglocke bekommen neue Klöppel. "Die bisherigen stammen aus dem Jahr 1950, es handelt sich um die ersten Metallstäbe in den Glocken", weiß Laienvorsitzender Helmut Erhardt. Zum besseren Verständnis: Im Zweiten Weltkrieg wurden auch die Glocken der Salvatorkirche eingeschmolzen. Mit einer Ausnahme: Die Franz-Xaveris-Glocke – benannt nach ihrem Stifter Franz-Xaver Barth (Löwenbräu Aalen) – hängt heute in der Herz-Jesu-Kirche in Essingen. Die Salvator-Glocken erhalten jetzt eine neue Aufhängung: Da man zum Teil Haarrisse in den seitherigen Stahljochen entdeckt hat, werden sie gegen Joche aus Eichenholz ausgewechselt.

Eine böse Überraschung: 2008 gab es Hinweise, dass das Kreuz am Salvatorturm schief steht. "Ein Statiker vermutete einen Montagefehler", erzählt Erhardt. Vor zweieinhalb Wochen hat das Ellwanger Architekturbüro Brenner/Duttlinger/Stock mithilfe eines Hubsteigers die Turmspitze genau unter die Lupe genommen und eine böse Überraschung zutage gefördert: "Die Kreuz-Befestigung am Turm ist ziemlich verrostet", berichtet Erhardt. Heißt: Wenn man nicht eingreift, besteht die Gefahr, dass das Turmkreuz nicht mehr sicher steht.

Der Salvatorturm ist eigentlich ein Prestigeobjekt.

Wolfgang Sedlmeier Leitender Pfarrer

Was das bedeutet: "Das Gerüst muss jetzt anders als geplant nicht nur bis zur Balustrade, sondern bis zum Kreuz an der Turmspitze aufgestellt werden", sagt Pfarrer Sedlmeier. Der komplizierte Gerüstbau wird die bislang angenommenen Kosten von knapp 600 000 Euro um mindestens 50 000 Euro weiter in die Höhe treiben. "Allein das Gerüst mitsamt einem Bauaufzug wird insgesamt rund 200 000 Euro kosten", ergänzt Erhardt.

Wie es am Dienstag losgeht: Laut Helmut Erhardt wird ein Zimmermann in der Glockenstube erst einmal "aufräumen". "Denn dort oben haben jahrelang Turmfalken genistet, entsprechend sieht es aus", meint er mit einem Schmunzeln. Aber keine Sorge: Den Turmfalken wolle man nach abgeschlossener Sanierung eine neue Heimat bauen. "In Zusammenarbeit mit dem NABU werden wir an der Ostseite einen Nistkasten im Schallladen montieren", berichtet Erhardt. Und falls sich noch ein Sponsor fände, könne man sogar eine Webcam einbauen, um das Treiben im Nest im Internet live verfolgen zu können.

Das sagt der Pfarrer: "Eine dreiviertel Million Euro. Das ist ein Wahnsinnsgeld – nur für den Turm! Da wird mir beinahe schwindelig", bekennt Pfarrer Wolfgang Sedlmeier. Aber er sage immer: Was die Sacre Coeur für Paris ist, ist die Salvatorkirche für Aalen. "Der Salvatorturm ist meiner Meinung nach stadtbildprägend, eigentlich ein Prestigeobjekt."

Wer das alles bezahlt: In erster Linie die katholische Kirchengemeinde Aalen, ein Zuschuss kommt von der Diözese. Auch ein Zuschussantrag bei der Stadt Aalen ist gestellt. Weiter sind rund 50 000 Euro Spendengelder eingerechnet. Bei der Finanzierung offenbaren sich die Kirchenaustritte als großes Problem: Rund 700 sind es seit Sedlmeiers Amtsantritt vor vier Jahren. Dadurch ist die jährliche freie Investitionsspitze im Kirchenhaushalt deutlich geschrumpft. Laut Sedlmeier hat sie sich in den vergangenen drei Jahren halbiert – auf 200 000 Euro jährlich. Dabei steht mit dem über 60 Jahre alten Salvatorheim schon das nächste große Sanierungsvorhaben an ...

Spenden für die Sanierung des Salvatorkirchenturms erbittet die Katholische Gesamtkirchenpflege Aalen: DE 15 614 500 5001 1000 4408 Verwendung: Salvatorturm

Das Turmgerüst mit Bauaufzug muss noch bis zur Spitze hochgezogen werden. Ein kompliziertes Unterfangen.
Auch das Turmkreuz muss neu befestigt werden.

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