Operieren üben im Lastwagen

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In diesem Lastwagen verbirgt sich das mobile Schulungszentrum der Firma Arthrex.
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Im mobilen Schulungszentrum lernen angehende Unfallchirurginnen und -chirurgen der Kliniken Ostalb Eingriffe an Gelenken.

Aalen

Der Assistenzarzt ist begeistert. An einem echten Sprunggelenk, Humanpräparat genannt, kann Issam Abdallah am Donnerstagvormittag üben, einen Bruch mit Platte und Schrauben zu versorgen. Das zu können, ist wichtig in seinem Beruf. Denn so eine Verletzung komme sehr häufig vor, erzählt er. Der 31-Jährige ist im sechsten Weiterbildungsjahr am Ostalb-Klinikum und stammt aus Hebron in Palästina, wie er erzählt. Er arbeitet darauf hin, im kommenden Jahr Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie zu sein.

Issam Abdallah übt diesen Eingriff im sogenannten Schulungstruck, also einem mobilen Schulungszentrum, der Firma Arthrex. Zwei Tage lang parkt der Lastwagen am Ostalb-Klinikum und ermöglicht es Assistenzärztinnen und Assistenzärzten der Orthopädie und Unfallchirurgie aus Aalen und Ellwangen, Eingriffe an Knie, Schulter, Fuß und Hand zu üben.

Issam Abdallah ist dankbar für diese Möglichkeit. "Letztes Jahr habe ich mich für fünf Fortbildungen angemeldet und alle wurden wegen Corona abgesagt", erzählt er. Dank Hygienekonzept und Raumluftfilter sei diese Schulung aber möglich, sagt Ralf Mergenthaler, Pressesprecher bei den Klinken Ostalb.

"Chirurgie ist Handwerk", sagt Prof. Dr. Michael Oberst, Chefarzt der Unfallchirurgie am Ostalbklinikum, beim Pressetermin. Auch Landrat Dr. Joachim Bläse ist zum Termin gekommen, um den Schulungstruck kennenzulernen. Ein Handwerk müsse man erlernen und üben, fährt Michael Oberst fort. "Im OP ist Zeit Geld", sagt er. Daher ist er froh, dass die Assistenzärztinnen und -ärzte im mobilen Schulungszentrum stressfrei üben können.

Chirurgie ist Handwerk.

Prof. Dr. Michael Oberst Chefarzt Unfallchirurgie

Am zweiten Arbeitsplatz im mobilen Schulungszentrum üben zwei Assistenzärzte eine sogenannte Arthroskopie am Knie. Dabei sind nur zwei kleine Schnitte nötig. Über den einen führt der Operateur eine Kamera ein, über den anderen das Instrument, mit dem er arbeitet, in dem Fall ein sogenanntes Shaverblade. Damit ist es möglich, Gewebe zu entfernen, wie Martin Sudiana von der Firma Arthrex erläutert. Was sie tun, sehen die Assistenzärzte auf einem Monitor. "Die Kamera ist sehr klein, aber am Bildschirm wirkt alles sehr groß", sagt Martin Sudiana. Eine kleine Bewegung habe also große Auswirkungen. Außerdem muss mit der einen Hand die Kamera gelenkt, mit der anderen das Instrument geführt werden. Beides zu koordinieren, sei die größte Herausforderung.

Bei den beiden Assistenzärzten, die schon seit einer Stunde üben, sieht Martin Sudiana schon Fortschritte. Wenn sie den Eingriff beherrschen, können sie so zum Beispiel ein gerissenes Kreuzband reparieren, ohne das Knie öffnen zu müssen. Für den Patienten bedeutet das einen kleineren Eingriff, von dem er sich schneller wieder erholt.

Assistenzärztinnen und -ärzte der Unfallchirurgie üben verschiedene Eingriffe an Gelenken. Das mobile Schulungszentrum der Firma Arthrex befindet sich in einem Lastwagen und parkt zwei Tage lang vor dem Ostalb-Klinikum. Chefarzt Prof. Dr. Michael Oberst (Zweiter von links) zeigt das Angebot Landrat Dr. Joachim Bläse (links).

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