Ostalb-Festival erstmal vom Tisch

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Das Ostalb-Festival Pfingsten 2019: Laut Veranstalter schloss es mit 197 000 Euro Defizit ab. Am Ende gab der Gemeinderat zähneknirschend grünes Licht für 175 000 Euro Zuschuss. Archivfoto: opo
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Die große Mehrheit der Gemeinderäte legt die Aufarbeitung des Pfingst-Events 2019 zu den Akten. Was Grüne und FDI kritisieren und wie künftige Fehler vermieden werden sollen.

Aalen

Einen Schlussstrich ziehen. Nach vorne blicken. Und weitere große Festivals in Aalen organisatorisch und finanziell professioneller managen lassen durch den zu gründenden städtischen Eigenbetrieb "aalen.kultur & event". Mit diesem Tenor beendete der Gemeinderat in seiner Sitzung am Donnerstagabend den Tagesordnungspunkt "Ostalb-Festival". Zur Vorbereitung hatte die Stadtverwaltung eine Auswertung des Festivals vom Juni 2019 aus ihrer Sicht vorgelegt, dazu Aussagen des Rechnungsprüfungsamtes und des Regierungspräsidiums. Die Grünen und die Fraktion zur Durchsetzung des Informationsrechts (FDI) hatten einiges zu kritisieren. Zu beschließen war nichts.

Die CDU: Thomas Wagenblast wiederholte die bekannte Kritik: Der Gemeinderat hätte frühzeitiger und umfassender über ein sich abzeichnendes Defizit informiert und einbezogen werden müssen – auch, "weil ein Gemeinderatsmitglied Veranstalter war". Gemeint war Armin Abele (CDU), der sich bei diesem Tagespunkt als befangen erklärt und den Saal verlassen hatte. Die CDU, so Wagenblast, setze nun auf den geplanten städtischen Eigenbetrieb und dessen Know-how.

Die SPD: "Für uns ist die Geschichte erledigt, Schuldzuweisungen bringen nichts mehr", sagte Hermann Schludi. Es habe einen Wirrwarr an Zuständigkeiten gegeben und er sei optimistisch, dass diese beim nächsten Mal in einer Einheit, dem Eigenbetrieb, gebündelt sein werden.

Grüne: Michael Fleischer sah Versäumnisse auf Seiten der Stadt und des Veranstalters. Die Vorgänge seien "nicht vollständig aufgearbeitet". Den Grünen fehlen genauere Angaben, welcher Teil der Ausgaben Schadensersatz und welcher Freiwilligkeitsleistung der Stadt war. Fleischer: "Eine maßgebliche Frage bei der Gleichbehandlung zu anderen Veranstaltern." Zu prüfen sei aus Sicht der Grünen, ob die städtische Haftpflichtversicherung das Defizit übernimmt. Die Grünen wollen auch künftig solche großen Konzerte, "aber zu kalkulierbaren Bedingungen".

Freie Wähler: Claus Albrecht stellte das Stadion als Veranstaltungsort in Frage, wenn dort tatsächlich nur rund 17500 Zuschauer zugelassen seien. Wichtig war ihm zu betonen: Im städtischen Zuschuss von 175 000 Euro "war kein Unternehmerlohn für den Veranstalter drin".

Schuldzuweisungen bringen nichts mehr.

Hermann Schludi SPD-Fraktionssprecher

FDI: Norbert Rehm bot dem OB und der Verwaltung die Stirn. Aus Sicht seiner Fraktion sei die Auswertung der Verwaltung keine Aufarbeitung. In insgesamt elf Anträgen forderte er unter anderem detaillierte Offenlegung aller Einnahmen und Ausgaben rund um das Konzert, genaue Darstellungen, welche baulichen Veränderungen im Stadion zu Kosten geführt hätten und warum die Stromversorgung Mehrkosten verursachte, nachdem sie bekanntermaßen schon bei vorherigen Konzerten unterdimensioniert gewesen sei. Laut Rehm sei die Stadt "faktisch Veranstalter" gewesen, er unterstellte "Vertuschung". Sein Fraktionskollege Prof. Friedrich Klein unterstützte Rehm bei dessen Forderung nach der städtischen Haftpflichtversicherung. Seine Meinung: "Das Waldstadion ist nicht der richtige Ort für solche Veranstaltungen, wenn man Verluste vermeiden will."

Die Linke: Roland Hamm erhielt den ersten und einzigen Beifall des Gemeinderats bei diesem Tagesordnungspunkt: "Ich bin froh, dass das Thema von der Tagesordnung kommt." Er sehe alle Fragen beantwortet, "man konnte niemandem grobe Fahrlässigkeit unterstellen". Es komme nun darauf an, die richtigen Rückschlüsse und Konsequenzen zu ziehen – Beispiel: Gründung eines Eventbetriebs.

AfD: Dr. Frank Gläser sprach sich für weitere Großveranstaltungen dieser Art in Aalen aus.

Der OB: Thilo Rentschler betonte am Ende drei Dinge: Veranstalter des Festivals sei Ventura, nicht die Stadt gewesen. Die Stadt sei nicht schadensersatzpflichtig, die geflossenen Gelder seien "Freiwilligkeitsleistungen" gewesen. Und das Ostalb-Festival sei "Standortwerbung" über die Ostalb hinaus. Dass weniger Tickets verkauft wurden, dass es am ersten Festivalabend ein Unwetter gab, könne man niemandem zur Last legen, sagte er sinngemäß. "5000 zahlende Besucher mehr, dann wäre es ein Nullsummenspiel gewesen." Froh sei er, dass es keine juristische Auseinandersetzung gegeben habe.

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