Ostalb-Hotels in der Corona-Krise

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Trübe Zeiten für die Hotels in der Umgebung.
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Die Bilanzzahlen der Ostalb-Hotellerie sind weiter besorgniserregend. Einzelne Hoteliers sprechen über ihre aktuelle Situation und darüber, welche Perspektive sie für sich sehen.

Aalen/Schwäbisch Gmünd

Zuerst zwei Monate ohne Einnahmen, danach eine Öffnung nur unter strengen Corona-Bedingungen. Doch die Gäste bleiben weiter aus: Den Hotels auf der Ostalb fehlen jetzt in Zeiten von Kurzarbeit, Homeoffice und Videokonferenzen vor allem Geschäftsreisende und Tagungsgäste. Die Zahl der privaten Spontan-Kurzurlaube hat zwar gegenüber den Vorjahren zugenommen, kann aber den Umsatzeinbruch durch die ausbleibenden Businesskunden bei Weitem nicht kompensieren. Die Hoteliers sind einerseits überaus dankbar für die finanziellen Hilfen des Staates. Andererseits wissen sie aber auch: "Die harte Zeit für die Branche kommt erst noch." Die Bilanzzahlen der Ostalb-Hotellerie sind weiter besorgniserregend, obwohl die Zahlen seit Juni wieder leicht ansteigen: Im Juni waren die Betten der Ostalb-Hotels zu 19 Prozent ausgelastet, im April und Mai lediglich zu 10 beziehungsweise 12,6 Prozent.

Wie geht es in der Branche weiter? Wir haben uns bei einigen Hotelbetreibern in Aalen und Schwäbisch Gmünd erkundigt.

1 Das Aalener Ratshotel bleibt nach Ende des Lockdowns weiterhin geschlossen. "Wir haben nicht genügend Buchungen", begründet Geschäftsführer Patrick Schiehlen seinen Entschluss. Üblicherweise beherberge das Hotel fast ausschließlich Geschäftsreisende, Kunden großer Unternehmen im Ostalbkreis. "Die ausländischen Kunden machten einen Anteil von 40 bis 50 Prozent unserer Hotelgäste aus. Der ist komplett weggebrochen", sagt Schiehlen, der zudem das Hotel Estilo in der Gartenstraße betreibt. Dessen Auslastung ist auf 30 Prozent geschrumpft. "So können Sie natürlich auf lange Zeit nicht überleben", stellt Schiehlen fest. Sein persönlicher Personaleinsatz, sagt er, habe sich verdoppelt und verdreifacht, seit er die meisten seiner Angestellten in Kurzarbeit schicken musste. Wie es mit dem Ratshotel weitergeht? "Ich bin für Überlegungen in alle Richtungen offen", hält er sich bedeckt. Man müsse sich konzeptionell der Situation anpassen. Manchmal seien Veränderungen eben notwendig.

2 Das Hotel Einhorn mitten im Herzen von Schwäbisch Gmünd sieht sich in einer ähnlichen Situation. Das kleine privat geführte Hotel mit 18 Zimmern und 32 Betten wird hauptsächlich von Geschäftsreisenden gebucht. "Durch die schlagartige coronabedingte Stornowelle hatten wir im Frühjahr nur noch 5 Prozent der Buchungen im Vergleich zum Vorjahresmonat", erzählt Inhaber Dieter Streit. Während im Juli wieder bis zu 30 Prozent der Auslastung erreicht wurde, gingen die Zahlen im August erneut zurück. "In diesem Sommer haben tatsächlich etwas mehr Radtouristen als sonst bei uns übernachtet. Das hilft uns aber in keiner Weise, den Verlust der Businesskunden abzufedern", betont Streit, der das 1986 eröffnete Hotel seit 2013 gemeinsam mit seiner Frau betreibt.

"Ein Hotel in privater Hand ist in dieser Situation sicher von Vorteil", meint er. Man könne flexibler auf die Situation reagieren, als eine Hotelkette. "Natürlich haben wir Ideen. Weihnachten warten wir noch ab. Dann sehen wir weiter."

3 Das Landhotel Alte Linde in Aalen-Waldhausen reduziert jetzt die Übernachtungspreise um 10 bis 20 Prozent. Denn ein leer stehendes Hotel bringe ja nichts. "Man muss an der Preisschraube drehen, damit überhaupt noch ein Übernachtungsgast kommt", meint Inhaber Marc Mohring. Gebracht habe das bisher allerdings nichts. Auch Mohring leidet unter einem deutlichen Rückgang der Geschäftsreisenden. Sowie auch der Durchreisenden, die gewöhnlich von Nord nach Süd – oder umgekehrt – einen Übernachtungsstopp bei ihm einlegten. Die Sofortmaßnahmen der Regierung seien nur ein Tropfen auf einen heißen Stein. "Wer sich da keine Rücklagen verschafft hat, kann Corona nicht überleben."

4 Das Landhotel Wental schöpft langsam wieder Zuversicht. "Wir kommen an die Übernachtungszahlen vor Corona zwar noch lange nicht heran. Aber es wird immer besser, von Woche zu Woche", stellt Inhaber Georg Lieb fest. Was er ebenfalls feststellt: Sehr viele Kurzurlauber aus Deutschland buchen derzeit bei ihm. "Vor allem ältere Menschen, die mit ihren Enkelkindern ein bis zwei Nächte bei uns verbringen." Fakt sei: Die Spontan-Urlaube haben zugenommen. "Die Leute rufen am Montag an und wollen von Freitag bis Sonntag bei uns übernachten." Seine 70 Betten, so Lieb, seien durch Wochenendurlauber und Familienfeste gut belegt. "Unter der Woche haben wir viele Vertreter, Firmenkunden und Senioren."

5 Das Best Western Plus Aalener Römerhotel in Aalen-Treppach bekommt die coronabedingte Schieflage voll zu spüren: hoher Aufwand bei geringem Ertrag. "Wir brauchen Business-Veranstaltungen, Familiengruppen und Busreisende. Das sind unsere Kunden", sagt Eigentümer Hans-Jörg Opferkuch. Den Verlust des Römerhotels beziffert er auf einen mittleren sechsstelligen Betrag. "Eine Existenzbedrohung spüren wir nicht, weil wir 30 Jahre lang erfolgreich gewirtschaftet haben", wagt er eine erste Bilanz.

Das Hotel mit 70 Zimmern und 160 Betten ist hauptsächlich auf Businessgäste, auf Schulungen, Seminare und Veranstaltungen ausgerichtet. "Vor Corona", berichtet der Hotelier, "hatten wir im Schnitt 40 bis 50 Tagungsteilnehmer in einem unserer zehn Seminarräume". Heute seien es höchstens 10 bis 15 Teilnehmer, die aber wegen der Corona-Vorgaben größere Räume benötigten. Eine Budgeterhöhung komme nicht in Frage. "Sonst wird das Angebot gar nicht angenommen."

Ein weiterer Verlust: Die Busgruppen – sonst 180 im Jahr – die auf dem Weg von Nord nach Süd im Römerhotel eine Zwischenübernachtung einlegen. "In diesem Jahr sind es höchstens 10 dieser Busse, die uns jeweils nur noch 30 Gäste und keine 60 mehr bringen." Was Hoffnung macht: "Feine Küche Max und Moritz", eine selbst produzierte Feinkost im Mehrwegsystem. Damit werden große regionale Discounter beliefert. "Das ist eine Produktion, die Arbeit und Ertrag bringt."

6 Tagungs- und Gästezentrum Schönblick, Schwäbisch Gmünd: "Wir haben natürlich auch große Einbußen", berichtet Marketingchefin Christa Gatter. Von Vorteil sei die Größe des Hauses mit rund 530 Betten, 195 Zimmern und 23 Tagungsräumen verschiedener Größe. So könnten Versammlungen, die ansonsten in kleineren Gaststätten stattfinden, in den Schönblick verlegt werden. Während des Lockdowns habe man Hotelzimmer als Homeoffice-Büros angeboten, was aber kaum angenommen worden sei. Die Seminare des Gästezentrums seien wieder angelaufen, freilich mit kleinerer, begrenzter Teilnehmerzahl. Und auch die neu eröffnete Wellnessanlage und der neue Hallenbadbereich könne derzeit nur für eine kleine Besucherzahl öffnen. Kündigungen mussten noch nicht ausgesprochen werden. "Aber wer in ein anderes Unternehmen wechselt oder wegzieht, dessen Stelle wird nicht mehr besetzt."

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