Ostern und die Zuversicht

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Pfarrer Wolfgang Sedlmeier
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  Pfarrer Wolfgang Sedlmeier spricht über Ostermärsche, die Osterbotschaft und den Ukraine-Krieg und darüber, wo es Parallelen zu Jesus gibt.

Aalen

Ostern ist  das höchste und damit wichtigste Fest der Christen. Kirchenchöre singen, die Gottesdienste werden nach zwei Jahren Corona-Pandemie fast wie einst gefeiert. Das Fest ist verbunden mit Freude – darüber, dass Jesus den Tod überwunden hat und mit der Freude über die Auferstehung und das neue Leben. Doch in diesen Tagen herrscht Krieg in der Ukraine. Menschen verlassen ihre Heimat. Bomben zerstören Häuser, Schulen und Kitas. Tote werden in Massengräbern bestattet. Wie gehen da Ostern, Krieg und rohe Gewalt zusammen?

Einer der immer vom Frieden geträumt hat und „im tiefsten Sinn des Herzens antimilitaristisch ist“, wie er sagt, ist der leitende Pfarrer der Seelsorgeeinheit Aalen, Wolfgang Sedlmeier.

Ostermarsch und Gottesdienst

Bei dieser Einstellung gegen Krieg und Waffen liegt die Frage nach den Ostermärschen nahe. Doch trotz großer Sympathie mit den traditionellen Ostermärschen und ihren Teilnehmerinnen und Teilnehmern, hat Wolfgang Sedlmeier an diesen aus beruflichen Gründen nie teilgenommen. „Ich arbeite meist an Sonn- und Feiertagen“, begründet der Pfarrer seine „Abwesenheit“. Der Krieg in der Ukraine lasse ihn jedoch zweifeln. „Dieser Krieg bringt die eigene innere Sicherheit zum Wanken“, beschreibt er die Situation und fügt an: „Ich stelle mir die Fragen: Muss es nicht ein Recht auf auch militärische Selbstverteidigung geben? Bis zu welchem Grad ist diese gerechtfertigt?“ Denn ein Krieg bedeute eignes und fremdes Leid gleichermaßen; daher müsse man abwägen zwischen einem Übermaß an Leid und dem „Wert“, selbstbestimmt und frei zu leben. „Ich muss sagen, dass ich mich in meinem Urteil sehr hilflos empfinde. Allerdings würde ich in der gegenwärtigen Situation die Frage, ob sich die Ukraine selbst verteidigen darf, mit einem klaren Ja beantworten“, sagt Sedlmeier, um dann den Bogen zur Osterbotschaft zu schlagen.

Die Auferstehung und das Kreuz

Diese vereine Positives wie Negatives. Denn Auferstehung und das Kreuz gehören zusammen. Das macht der Priester deutlich: „Wer nur Ostern feiern will, ohne Karfreitag und Kreuz, der wird enttäuscht sein.“ Denn dann bringe man die Realität nicht mit der Osterbotschaft zusammen.

Was Sedlmeier damit meint? Leben und Sterben, Tod und Leid sind miteinander verwoben. Es gibt im christlichen Glauben keine Zusage dafür, wer zu Gott hält, dem wird es für immer gut gehen. Der Aalener Seelsorger drückt es theologisch so aus: „Wenn wir mit Christus sterben, werden wir mit Christus auferstehen.“ 

Urteil über den Ukrainekrieg

Doch wie beurteilt ein engagierter Seelsorger, wie Wolfgang Sedlmeier, den Ukraine-Krieg? „Da gibt es zunächst diesen moralischen Sieg der Ukrainer und Ukrainerinnen“, betont er. Die Menschen dort bekämen weltweit viel Sympathie. „Das ist nicht nichts“, stellt Sedlmeier fest und hebt hervor, dass er auf der Seite derer sei, die recht haben. 

„Es geht aber um etwas anderes: Um das, was in der Zukunft daraus wird“, sagt Sedlmeier über den Konflikt und ist damit wieder bei der Osterbotschaft. Die Ukrainer hätten recht, sie müssten jetzt dennoch viel Leid ertragen – sagt's und zieht damit die Parallele zu Jesu. Noch sei in der Ukraine kein Ende in Sicht. „Dabei kann es auch einen Triumph des Bösen geben“, warnt der Theologe. Terror und Gewalt, die einem alles nehmen, könnten sich durchaus eine Zeit lang durchsetzen.

Und dennoch malt der Seelsorger ein Bild der Hoffnung: „Der Blick  auf die Geschichte lehrt, dass dies nicht von Dauer ist.“  Es gebe einen moralischen Sieg für die Ukraine und ihre Menschen und eine innerliche Sicherheit, dass sich das Gute am Ende durchsetzt.  „Der Weg dorthin kann grausam sein und lange dauern“, sagt Sedlmeier, um sofort anzufügen, dass die Aalener Gemeinde sich engagiere und unterstütze. „Seit Kriegsbeginn beten wir für Frieden und Gerechtigkeit in jedem Gottesdienst –  ohne Gerechtigkeit gibt es keinen Frieden“, sagt der Pfarrer. 

Dieser Krieg bringt die eigene innere Sicherheit zum Wanken.“

Wolfgang Sedlmeier, Pfarrer
Pfarrer Wolfgang Sedlmeier
Gerade in diesen Tagen ein wichtiges Symbol für den Frieden: die Regenbogenflagge.

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