Paar hält illegal Kampfhund

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Symbolfoto: pixabay
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Ein Paar holt einen Kampfhund aus Italien nach Deutschland. Deshalb müssen sie sich nun vor dem Amtsgericht verantworten.

Aalen

Sie war ein Geburtstagsgeschenk. Sie kommt aus Italien. Für ihren Grenzübertritt müssen ihre Halter nun geradestehen. Denn ganz legal war ihre Reise nach Deutschland nicht. Vor dem Amtsgericht Aalen musste sich nun ein junges Paar verantworten. Die Anklage: fahrlässiges und unerlaubtes Verbringen eines Listenhundes ins Inland.

Denn bei der Hündin, die die Angeklagte ihrem Freund zum Geburtstag schenkte, handelt es sich um einen American Staffordshire Terrier. Einen Hund, der in den meisten deutschen Bundesländern als Listenhund geführt wird. Auch in Baden-Württemberg gilt diese Rasse als Kampfhund. Und ein Kampfhund darf nicht einfach so aus dem Ausland importiert werden. Die beiden 26-jährigen Angeklagten wollen davon nichts gewusst haben, weshalb sie Einspruch erhoben haben.

Eine Nachbarin hat das junge Paar angezeigt. Ein Kampfhund-Welpe lebe nebenan, bekomme nicht genug Auslauf, verrichte deshalb sein Geschäft auf dem Balkon. Erst so kam die Sache ans Licht. Die Papiere des Hundes sollten erst noch auf deutsch übersetzt, der Hund noch ordentlich angemeldet werden.

Von der Reinrassigkeit wollen die Halter nichts gewusst haben, auch wenn es die Unterlagen des Verkäufers aus Südtirol so bestätigen. Das sei keine Garantie, so der 26-Jährige. Doch diese Ausrede lässt Richter Martin Reuff nicht gelten, denn "auch Mischlinge gelten als Kampfhunde". Wer gegen das Hundeverbringungs- und -einfuhrbeschränkungsgesetz verstoße, der müsse mit Geld- oder sogar Freiheitsstrafe rechnen.

Dem wollen die beiden Oberkochener entgehen. "So, wie die Leute das sagen, stimmt es nicht", beginnt der Angeklagte, bei dem laut eigener Aussage noch weitere Anklagen wegen des Hundes ins Haus geflattert sind. Zudem habe seine Freundin sich vor der Übernahme des Hundes erkundigt, habe im Rathaus angerufen, mit dem Veterinäramt telefoniert. "Mir wurde gesagt, dass der EU-Ausweis und die Tollwut-Impfung reichen." Das tun sie laut Reuff im Falle eines Kampfhundes jedoch nicht.

Es gebe keinerlei Probleme mit der Hündin, sagt das Paar. Auch nicht zwischen dem Hund und der vierjährigen Tochter der Angeklagten. Man sei regelmäßig auf dem Hundeplatz und bereite sich auf den Wesenstest vor, den Listenhunde erfolgreich absolvieren müssen. "Der Hund ist alles andere als böse", bekräftigt der Angeklagte.

Doch darum soll es in dieser Verhandlung nicht gehen – sondern allein um die Tatsache, dass der Hund nicht hätte über die Grenze gebracht werden dürfen. Die 26-Jährige hatte die Hündin an der Grenze zu Österreich entgegengenommen, war also an der Einfuhr beteiligt. Da der Angeklagte wusste, dass der Hund aus Südtirol kommt, leistete er Beihilfe. Ein vermeidbarer Irrtum, wie der Richter resümiert. Reuff rät den beiden, ihre Einsprüche zurückzuziehen. Es komme nichts anderes dabei heraus. Dafür gebe es kein Urteil und vorerst keinen Eintrag im Führungszeugnis.

Die Angeklagten nehmen das Angebot an, die Staatsanwaltschaft stimmt zu, die beiden Strafbefehle sind somit rechtskräftig. Der Tagessatz wird dem Einkommen des Paares angepasst, das momentan ganz auf Hartz IV angewiesen ist.

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