Pandemie: Lernen in der Krise

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Nach fast zwei Jahren Schule, Präsenz und Online im Wechsel, werden Probleme unübersehbar.
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Mit Erkenntnissen aus den coronabedingten Schulschließungen beschäftigt sich eine Online-Veranstaltung der Südwestmetall Ostwürttemberg.

Aalen

  Zwei Jahre Corona-Pandemie. Mit deren Auswirkungen auf Schüler, Studenten  und Auszubildende hat sich eine Online-Veranstaltung der Südwestmetall Ostwürttemberg beschäftigt. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Schulewirtschaft Ostwürttemberg“ beleuchteten zwei Fachvorträge das Thema aus verschiedenen Richtungen.

Fast 60 Vertreter von Betrieben und Schulen hatten sich zugeschaltet. In seiner Begrüßung verwies Südwestmetall-Geschäftsführer Markus Kilian auf die Auswirkungen der Schulschließungen in Form von Lernrückständen vor allem bei Schülern und Azubis aus Familien, die zu Hause nicht genügend Hilfe erhalten können. Die Vorträge sollten Schulen und Betrieben Hilfestellungen für die Lösung dieser Probleme geben.

Dr. Constance Richter, Professorin an der Hochschule Aalen, befasste sich in ihrem Vortrag mit den Ursachen für Lernunlust, Lernschwierigkeiten und -rückständen sowie Handlungsmöglichkeiten für Lehrende und Ausbilder. Die Probleme betreffen Schüler, Studenten und Auszubildende gleichermaßen.

Das Feedback fehlt

Das wesentliche Problem beim „Homeschooling“ sei, dass das Feedback fehle für beide Seiten. Damit meinte sie Äußerungen, Lob, Fragen, aber auch der Gesichtsausdruck. Lehrende müssten Lehrpläne einhalten, trotzdem sei es jetzt wichtig, auch zu filtern: Was muss unbedingt vermittelt werden, was ist nicht so wichtig. Auch im Kollegium sollte man sich fächerübergreifend abstimmen, „denn bei einer Überforderung geht ganz schnell die Motivation flöten“, betonte Richter.

In der Phase des Online-Lernens seien einerseits Lernrückstände entstanden, andererseits seien die digitalen Fähigkeiten der Schüler gestärkt worden. „Sie können jetzt besser im Netz Details recherchieren, das müssen Lehrende nützen, um Lust aufs Lernen und Nachforschen zu machen“, sagte Richter. Und belegte das auch durch Studien. „Wichtig ist die gegenseitige Kommunikation zwischen Schüler, Azubi und dem Lehrer oder Ausbilder, das gegenseitige Feedback. Denn Schüler, Studenten, Azubis sind unsere Zukunft.“Man solle die Coronajahrgänge nicht pauschal abwerten.

Kilian ergänzte, dass nach Auffassung der Ausbilder in den Betrieben Schüler auch schon vor Corona in einigen Fächern immer weniger Kompetenzen mitgebracht hätten. Richter bestätigte das auch für die Studenten.

Angebot der Beratungsstellen

Im zweiten Fachvortrag stellten Dr. Judith Dirk und Verena Wespel die Angebote der Schulpsychologischen Beratungsstelle Aalen vor. Es gebe sie sowohl für Schüler mit Problemen und deren Eltern als auch für Lehrer und Schulen. Sie machten anhand von Studien vor allem bei den Klassen 2 bis 7 vermehrt Lernprobleme wie Ängste, fehlende Motivation, Ansätze zu Depressionen, Essstörungen und anderes aus. Aber auch bei Abiturienten habe die psychische hohe Belastung von 32 auf 51 Prozent zugenommen. Ähnlich seien auch Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren verstärkt festzustellen, wie Aggression, sozialer Rückzug, Stimmungsschwankungen, Arbeitsverweigerung. Bereits jedes 5. Kind in diesem Alter sei betroffen.

Psychosomatische Beschwerden

Mit jeder Corona-Welle seien die psychosomatischen Beschwerden angestiegen, sagte Verena Wespel. Gestiegen sei auch der Beratungsbedarf, stellten beide fest. Immer mehr sei ihr Angebot gefragt.  Dirk ergänzte, Eltern, Lehrer, Ausbilder sollten aufmerksam sein, Interesse zeigen, immer wieder Gesprächsangebote machen und Kontakt halten zu den Jugendlichen.

„Soziale Kontakte sind wichtig, die müssen immer gehalten werden“, schloss Südwestmetall-Geschäftsführer Markus Kilian die Veranstaltung.  

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