Pandemie trifft Limesthermen mit voller Wucht 

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Die Limesthermen am Abend. Viele Monate musste das Bad coronabedingt ganz geschlossen bleiben. Archivfoto: Stadtwerke Aalen
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Schließungen, Rückgang bei Badegästen und erhebliche Einnahmeausfälle schlagen kräftig zu Buche. Und das ist nicht das einzige Problem.

Aalen Die Limesthermen leiden schwer unter der Pandemie. Von den Behörden angeordnete Schließungen, massive Besucherrückgänge, drastische Defizite bei den Einnahmen – der Betrieb der Thermen drohe die Leistungsfähigkeit der Stadtwerke zu überschreiten, warnte Stadtwerke-Geschäftsführer Christoph Trautmann in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Ein Blick in die Zahlen:

Energieverbrauch

5 Millionen Kilowattstunden Gas verbrauchen die Limesthermen in einem „normalen“ Jahr. Etwa ein Viertel davon macht das Außenbecken aus. Die Heizkosten schwanken, abhängig von den Außentemperaturen und den Brennstoffkosten. Nach den Personalkosten sind sie die größte Kostenposition des Bäderbetriebs.

251,25 Tonnen CO2 werden pro Jahr umgerechnet wegen des Außenbeckens freigesetzt. „Durch die Nutzung von Erdgas und zwei Blockheizkraftwerken zur gleichzeitigen Strom- und Wärmeerzeugung ist die Energieerzeugung sehr effizient“, sagt Stadtwerke-Sprecher Igor Dimitrijoski.

Einnahmen vor Corona

60 Prozent der Gesamtkosten – ohne den Saunabetrieb - konnten die Limesthermen schon in den Vor-Corona-Jahren höchstens durch Einnahmen aus dem Badebetrieb decken. 11,50 Euro zahlt der Badegast Eintritt – umgerechnet bedeute das einen „Zuschuss von deutlich mehr als 8 Euro pro Gast“, rechnet der Stadtwerke-Pressesprecher vor.

Besucherzahlen und Corona

23 Prozent Besucherrückgang seit dem Jahr 2008. Diese Zahl hatte die Bäderstudie des Büros Kannewischer für die Limesthermen schon vor fünf Jahren ermittelt. Das 1985 gebaute Bad sei in vielen Bereichen einfach nicht mehr zeitgemäß und attraktiv, hieß es da.

Zwischen 253.000 und 276.000 Badegäste kamen jeweils noch in den Jahren 2016 bis 2019. So etwas wie ein Schicksalsjahr wurde 2020: Im März traf die Corona-Pandemie die Ostalb – und die Limesthermen mit voller Wucht. Die Folge: Schließung, fast das ganze Jahr über. Nur ganze vier Monate durfte offen sein, in den 119 Öffnungstagen kamen nur 82.000 Besucher, so die Statistik der Stadtwerke. 

"Ein Zuschuss von deutlich mehr als 8 Euro pro Gast.“

Igor Dimitrijoski, Pressesprecher Stadtwerke

 70 Prozent – das war der Spitzenwert beim Besucherrückgang im Laufe der jüngsten  Pandemiemonate. Im Dezember 2021 beispielsweise kamen nicht einmal 9000 Badegäste, 65 Prozent weniger als üblich. Das bedeutete: Allein aus dem Monat fehlen Einnahmen von 170.000 Euro. Der Jahresabschluss für 2021 liege noch nicht vor, in der Summe aber „handelt es sich um ein erhebliches Defizit“, informiert Nicole Stillhammer aus der Stadtwerke-Pressestelle auf Anfrage.

Investitionen in Sanierung

10 Millionen Euro netto: Diese Investitionssumme für eine Modernisierung der Limesthermen steht in einem Grundsatzbeschluss des Gemeinderats vom 14. Dezember 2017. Das Beratungsunternehmen Kannewischer hatte zuvor Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung und betriebswirtschaftlichen Optimierung der Aalener Bäder vorgeschlagen („Bäderkonzeption“). In den städtischen Haushalt eingestellt wurde das Geld bislang nicht. Im Frühjahr 2021 beschloss der Gemeinderat, dass Aalen ein Kombibad im Hirschbach baut. Nach letzten Schätzungen kostet das voraussichtlich 53,55 Millionen Euro.

Besucher der Limesthermen kritisieren oft einen Sanierungsstau. Die Stadtwerke wollen in diesem Jahr investieren in die Sanierung der Restauranttoiletten, der Damentoilette im Saunabereich und in neue Liegen. Zudem werde in Technik investiert, so das Unternehmen, zum Beispiel in Lüftungsventilatoren, in die Fernüberwachung technischer Anlagenteile und eine übergeordnete Steuerung der Gebäudeleittechnik.

Die Limesthermen sollen offen bleiben

  • Die Stadtwerke haben den Auftrag, die Thermen offen zu halten, sofern es die Corona-Regeln zulassen. Wegen der Pandemie könnten im ungünstigsten Fall 1,5 Millionen Euro Defizit in diesem Jahr zusätzlich auflaufen, so die Prognose der Stadtwerke. Der Gemeinderat hat deshalb beschlossen, eine Finanzspritze von maximal 500.000 Euro in den städtischen Haushalt einzustellen. Den Rest sollen die Thermal-Mineralbad GmbH & Co. KG durch Pachtverzicht und die Stadtwerke zu gleichen Teilen aufbringen. Bea Wiese

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