Pavel: Zeigt Menschlichkeit!

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Kurz vor der Kranzniederlegung am Mahnmal für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Foto: opo
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Gedenken der Opfer von Kriegen und Gewalt in diesem Jahr „erschreckend aktuell“. Mahnende Appelle von OB Brütting und Landrat a.D. Klaus Pavel.

Aalen

Erst der russische Einmarsch auf der Krim 2014, dann die Flüchtlingswelle 2015 und in diesem Jahr der Einmarsch in die Ukraine. Die Krisenherde kommen immer näher heran an Deutschland. „Ich kann mich nicht erinnern, dass das Gedenken am Volkstrauertag jemals bedeutsamer und gegenwärtiger war, als in diesem Jahr“, stellte Aalens Oberbürgermeister Frederick Brütting am Sonntag bei der traditionellen Gedenkfeier zum Volkstrauertag am Mahnmal fest.

Rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter Landrats Dr. Joachim Bläse, Bundestagsabgeordnete Leni Breymaier, Mitglieder des Aalener Gemeinderats, das Städtische Orchester unter der Leitung von Chris Wegel, die Reservistenkameradschaft, Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Aalen, eine Delegation der Wischauer Sprachinsel, und Vertreter des VdK waren auf die Schillerhöhe gekommen. Dorthin, wo im Zweiten Weltkrieg eine Beobachtungsstation der Luftwaffe positioniert war. Hier wie in allen anderen Stadtteilen wird alljährlich am Volkstrauertag ein Zeichen des Friedens gesetzt gegen Krieg, Hass und Gewalt; und gleichzeitig den Opfern von Kriegen und Konflikten gedacht.

„Wir trauern heute um Millionen Menschenleben, die ausgelöscht wurden, aufgrund von Nationalismus, Rassismus, extremen Ideologien und machthungrigen Diktatoren“, sagte Brütting eingangs und richtete einen besonderen Willkommensgruß an Oberst Thomas Köhring vom Landeskommando der Bundeswehr in Stuttgart.

Während bei den vergangenen Volkstrauertagen der Blick stets zurückgerichtet war auf die zwei Weltkriege, sei die Mahnung zum Frieden in diesem Jahr „erschreckend aktuell“. Brütting: „Putins Größenwahn und Imperialismus haben die schlimmsten Zeiten des kalten Krieges wieder heraufbeschworen und die Angst vor einem Einsatz von Nuklearwaffen ist greifbar.“ Aalen habe inzwischen 500 Geflüchteten eine Heimat gegeben, darunter viele Mütter mit Kindern.

Die Angst ist präsent

Auf der anderen Seite aber, so Brütting weiter, gebe es 77 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs hier in Deutschland, in Aalen, immer weniger Menschen, die selbst die Schrecken eines Kriegs erlebt haben. Doch die Sorge sei bei vielen präsent. Die Angst, dass Deutschland als Mitglied der Nato in den Ukrainekrieg eintreten werde.

In Anbetracht der aktuellen Krisen rief der Oberbürgermeister auf zu mehr Solidarität unter den Bürgerinnen und Bürgern, „damit vor allem diejenigen mit geringen Einkommen und ohne große Vermögen gut durch die angespannte Lage kommen“.

Weil es Brütting ein persönliches Anliegen ist, dass die Botschaft des Volkstrauertags auch bei der jungen Generation ankommt, hatte er bereits am Freitag mit Schülerinnen und Schülern des Schubart-Gymnasiums über Ursachen und Schrecken des Zweiten Weltkriegs diskutiert.

Landrat a.D. Klaus Pavel blickte in seiner Rede zurück auf die erste offizielle Gedenkstunde im Deutschen Reichstag vor genau 100 Jahren. Pavel: „Es ist unfassbar, dass einige der Machthaber dieser Welt offenbar 100 Jahre nicht zugehört, und wir aus unzähligen Kriegen nichts zur Versöhnung und Verständigung gelernt haben.“

Mahnender Appell

Er, Klaus Pavel, gehöre einer Generation an, die damals für Abrüstung demonstriert habe. „Jetzt plötzlich aber scheint Aufrüstung politisch korrekt. Hat Friedenspolitik keine Zukunftschancen?“, fragt der frühere Landrat des Ostalbkreises. Er richtete einen mahnenden Appell zur Versöhnung an alle politischen Handlungsträger: „Zeigt Menschlichkeit, reicht die Hand, setzt euch an einen Tisch und redet miteinander mit dem Ziel: Frieden auf dieser Welt!“ Denn Kriege seien von Menschen gemacht. „Und was man machen kann, das kann man auch unterlassen.“ Pavel rief dazu auf, allen Anschlägen auf ein gesittetes Nebeneinander mit Entschiedenheit zu begegnen und Terror niemals zu einem Mittel der politischen Auseinandersetzung werden zu lassen. „So wird das Leid hoffentlich umgeschmolzen in eine Kraft, Geschichte neu und friedvoll und aktiv mitzugestalten.“

Vor der Kranzniederlegung sprach Pfarrer Bernhard Richter mit Konfirmanden der evangelischen Kirchengemeinde einen geistlichen Impuls. „Frieden ist nicht selbstverständlich. Deswegen muss um Frieden immer wieder neu gerungen werden.“

Gedenkstunde zum Volkstrauertag in Aalen auf der Schillerhöhe.
Gedenkstunde zum Volkstrauertag in Aalen auf der Schillerhöhe.
Gedenkstunde zum Volkstrauertag in Aalen auf der Schillerhöhe.
Gedenkstunde zum Volkstrauertag in Aalen auf der Schillerhöhe.
Gedenkstunde zum Volkstrauertag in Aalen auf der Schillerhöhe.
Gedenkstunde zum Volkstrauertag in Aalen auf der Schillerhöhe.
Gedenkstunde zum Volkstrauertag in Aalen auf der Schillerhöhe.
Gedenkstunde zum Volkstrauertag in Aalen auf der Schillerhöhe.
Gedenkstunde zum Volkstrauertag in Aalen auf der Schillerhöhe.
Gedenkstunde zum Volkstrauertag in Aalen auf der Schillerhöhe.
Gedenkstunde zum Volkstrauertag in Aalen auf der Schillerhöhe.
Gedenkstunde zum Volkstrauertag in Aalen auf der Schillerhöhe.
Gedenkstunde zum Volkstrauertag in Aalen auf der Schillerhöhe.
Gedenkstunde zum Volkstrauertag in Aalen auf der Schillerhöhe.
Gedenkstunde zum Volkstrauertag in Aalen auf der Schillerhöhe.
Gedenkstunde zum Volkstrauertag in Aalen auf der Schillerhöhe.
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