Personalnot und Gästeansturm: Aalener Wirte in der Zwickmühle

+
Viele Aalener Gastronomen suchen nach Personal.
  • schließen

Aalener Restaurants und Lieferdienste müssen teilweise den Betrieb einstellen, obwohl mehr als genug potenzielle Gäste da sind. Der Grund: Personalnot. Es gibt aber auch andere Stimmen.

Aalen. Monatelang warteten Gastronomiebetriebe darauf, wieder zum Regelbetrieb übergehen zu können. Nun werden sie teilweise so sehr von Gästen überrannt, dass das Geschäft hier und da abermals ins Holpern kommt. So musste etwa der der Aalener "Gourmet Express Service", der Gerichte von Aalener Gastronomen nach Hause liefert, den Betrieb am vergangenen Sonntag kurzzeitig einstellen. "Hintergrund ist, dass derzeit die Restaurants so gut besucht sind, dass eine zusätzliche Lieferung beziehungsweise Selbstabholung nicht möglich ist", konnte man auf der Webseite des Lieferdienstes lesen. "Die Schließung am Sonntag ist uns nicht leicht gefallen", sagt Josef Steißlinger, Betreiber des Gourmet Express Service.

"Es war schon vor Corona so, dass in den letzten Wochen der Sommerferien am meisten los ist, da ist es immer anstrengend", erläutert er. Aber seit bekannt wurde, dass in der Innengastronomie eine Testpflicht gilt und Schnelltests auch bald kostenpflichtig sind, gebe es einen Ansturm, den Steißlinger "noch nie erlebt" habe. "Die Leute warten sogar über eine halbe Stunde, auch im Regen, um draußen einen Platz zu bekommen."

Personalnot trübt die Freude

Woran das genau liegt, kann sich der Gastronom nicht genau erklären. "Vielleicht wollen die Leute noch mitnehmen, was geht, bevor die Regierung wieder die Notbremse zieht", mutmaßt er. Was im ersten Moment wie ein Segen für die Branche klingt, sei allerdings nicht immer so einfach zu stemmen. "Der Ansturm ist sehr gut für die Gastronomie, aber auch derzeit durch den Personalmangel oft zu viel. Und: "Routine ist das A und O", betont Steißlinger. Selbst wenn es neues Personal gibt, müsse dieses erstmal eingelernt werden. Auch wenn die Schlüsselpositionen, zum Beispiel die der Köche, gut besetzt seien. "Man kann sagen, dass wir über den Boom alle sehr froh sind, uns die Personalnot aber etwas die Freude nimmt, das richtig zu genießen", fasst Steißlinger die Situation zusammen. Am kommenden Wochenende soll der Service aber wieder wie gewohnt liefern können.

Rambazamba kann wieder öffnen

Beim Aalener Rambazamba, dass in den vergangenen Tagen kurzfristig schließen musste, entspanne sich derweil die personelle Lage leicht, wie Inhaber Martin Dannenmann berichtet. An diesem Mittwoch, 8. September, kann das Café und Restaurant demnach wieder öffnen. Doch noch immer prominent auf der Facebook-Seite des Rambazamba platziert: ein Video, in dem nach neuem Personal gesucht wird. "Es ist eine schwierige Situation, aber das ist gerade in der ganzen Branche so." Diese Ansicht unterschreibt Dagobert Hämmerer, Vorsitzender der Dehoga Ostalb. Der Personalmarkt sei leer gefegt.

Andere Gastronomen sind zufrieden

Vincze Juhas, Inhaber des Aalener Restaurants "Leib und Seele", kann sich derzeit dagegen nicht über Personalmangel beklagen. "Wir sind soweit zufrieden", erzählt er. Der Grund: "Ich habe alle meine Mitarbeiter über die Coronazeit hinweg behalten", so Juhas, "deshalb muss ich auch niemanden einlernen." Von dem Kurzarbeitergeld habe man zwar nicht gerade etwas zur Seite legen können. "Aber wenn die Mitarbeiter vor Corona ein vernünftiges Gehalt bekommen haben, konnten sie davon gut leben."

aalener-gastronomie-sucht-personal-4

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare