Peter Baumann: einer, der meisterhaft mit dem Herzen massiert

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Peter Baumann in seinem Massageraum in den Limesthermen Aalen. 2022 war er erfolgreich bei der Massage-WM in Kopenhagen.
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Wie der ehemalige Elektriker zum Masseur wurde und es sogar bis zu Massage-WM in Kopenhagen schaffte.

Aalen

Kräftig. Und gut proportioniert. So sehen sie aus, die Hände von Peter Baumann. Doch wer ein magisches Leuchten in ihnen sucht, der sucht vergeblich. Trotzdem: Die Hände des gebürtigen Franken müssen so etwas wie Magie in sich haben. Denn Baumann hat bei sich bei der Massage-Weltmeisterschaft in Kopenhagen mit einer Teilnehmerschaft von rund 250  Masseuren aus der ganzen Welt gemessen. Mit dem Ergebnis: In Deutschland belegt er als Wellness-Masseur Platz 3. "Viele haben zuvor gesagt, ich sei der Beste. Aber ich bin nur der Drittbeste", sagt Baumann und lächelt sanft. "Wenn man es so sagen will, bin ich der Beste in Süddeutschland", fügt er mit ruhiger Stimme an. Zwei Frauen von den 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Deutschland waren noch besser als er. Eine Berlinerin und eine Frankfurterin. 

Vom Elektriker zum Wellness-Masseur

Seit fünf Jahren massiert Peter Baumann, der in Bargau lebt, in den Limesthermen Aalen. Wellnessmassagen, wie er betont, keine medizinischen. In diesem Bereich ist er ausgebildet, hier hat er sich weitergebildet. Baumann ist ein Spätberufener. Gelernt hat er Elektriker - und in diesem Beruf 16 Jahre lang am Staatstheater in Hannover gearbeitet. "Das hat ja auch entfernt etwas mit Feinmotorik zu tun", sagt er. Allerdings sei es immer nur um Material, nicht um Menschen gegangen. "Irgendwann wollte ich das nicht mehr", so Baumann. "Ich wollte nicht mehr mit Maschinen, sondern mit Menschen arbeiten." Mit Kunst habe seine Arbeit ohnehin nichts zu tun gehabt, mit Begegnungen ebenso wenig. Also habe er sich gefragt, was er wolle und was er könne. Gerade, als er nach 15 Jahren als Angestellter beim Staat unkündbar geworden war. "Da habe ich mir gedacht: jetzt können sie dich nicht mal mehr rausschmeißen."

Statt sich au seinem sicheren Job auszuruhen, besinnt sich Baumann auf das, was er schon immer gut konnte und ihm Freude bereitet. "Ich habe schon als Kind meine Eltern und meine Geschwister massiert und das hat mir Spaß gemacht", erzählt er. Spaß ist die eine, Können die andere Seite. Doch auch Letzteres wurde ihm immer wieder bestätigt. "Du machst das toll", lautete das Feedback, wenn Baumann mal wieder privat massierte. Und so war der Weg zum Wellnessmasseur geebnet. Der ihn bis zur Weltmeisterschaft führte.

Schwitzen ist ein No-Go

Wer auf diesem Niveau massiert, der muss jedes Detail im Blick haben, wie Baumann berichtet. "Der Kampfrichter schaut auf jedes noch so kleine Ding. Wie sieht die Liege aus, wie liegt das Handtuch, ist es alles sauber, wie liegt das Kissen? Welche Kleidung trägt der Masseur, wie steht er da, wie bewegt er seine Finger, ist das Öl warm? Läuft die Nase, muss er sich schnäuzen...? Drückt jemand wie ein Tier oder streichelt er nur?", nennt Baumann Kriterium um Kriterium. So sei etwa in der Vorrunde ein Masseur aus Holland ausgeschieden, der einfach zu viel geschwitzt habe. "Das muss man dann eben in den Griff bekommen", sagt Baumann trocken dazu. Massiert werde bei der WM jeweils ein Kampfrichter. Der scharfe Blick werde ergänzt durch das Spüren. Eine Massage, das sei eine Reise über den Körper. Und nur die Hände dürfen den Körper des Gastes berühren.  "Jedes noch so kleine Detail, das nicht stimmt, macht eine Massage kaputt", sagt der Masseur. Und wenn jemand ohne ein Lächeln den Raum nach einer Massage verlasse, dann sei irgendwas schief gelaufen. 

"Jedes kleine Detail, das nicht stimmt, macht eine Massage kaputt."

Peter Baumann

Massage-WM-Teilnehmer

Bleibt die Frage: reden oder schweigen während der Massage. Der eine schätzt das Gespräch, der andere will es lieber ruhig, traut sich aber nicht, das zu sagen. "Da bekommt man ein Gespür dafür", sagt Peter Baumann. Nach allein 4000 Terminen in den Limesthermen und unzähligen als mobiler Masseur vertraut Baumann diesem Gespür da längst. Und wenn ein Kunde Sorgen habe, könne er sich abgrenzen: "Ich nehme das auf, aber ich nehme das nicht mit. Sonst ist der Feierabend ruiniert." Es komme durchaus vor, dass bei manchen Kunden und Kundinnen plötzlich Tränen laufen. Das sei ein Hinweis darauf, dass sie loslassen, Blockaden gelöst werden, so Baumann. Für ihn ein gutes Zeichen. 

Blockaden lösen, den Menschen Gutes tun, das versucht Baumann auch mit ätherischen Ölen. Während der Pandemie hat er sich zum Aromatherapeuten fortgebildet. Ein umfangreiches Wissen über Heilkräuter, das hat er schon seit Kindertagen. Seine Mutter gab es ihm mit auf den Weg. Baumann hat dieses Wissen auch zeichnerisch in zwei  Büchern verewigt. Mittlerweile ist der zertifizierte Wellness-Therapeut zudem Reiki-Meister - und selbst Dozent für Wellness-Massagen. Massagen bleiben bei all seiner Umtriebigkeit sein Schwerpunkt.  "Ein guter Masseur massiert nicht mit den Fingern, sondern mit dem Herzen", sagt Peter Baumann. Vielleicht geht es ja doch nicht um Magie ...

Die Teilnehmer-Urkunde von Peter Baumann.

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