Petra Pachner testet neuen Impfstoff

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Petra Pachner ist geimpft mit dem mRNA-Impfstoff des Tübinger Unternehmens CureVac. Bevor dieser Impfstoff eingesetzt werden kann, wird er zu Testzwecken an Probanden verabreicht.
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Die Behindertenbeauftragte des Ostalbkreises nimmt an einer Impfstudie für CureVac aus Tübingen teil. Sie sieht das als Möglichkeit, etwas zur Bekämpfung der Pandemie beizutragen.

Aalen

Wenn ich etwas zur Bekämpfung der Pandemie beitragen kann, dann tue ich das." Petra Pachner ist keine, die sich zurücklehnt und darauf wartet, dass alles besser wird. Petra Pachner ist eine, die die gesellschaftliche Verantwortung im Blick hat. Und mit ihrer Teilnahme an einer Impfstoffstudie der Universität Tübingen ist sie eine, die nun in erster Reihe steht, wenn es darum geht, dabei zu helfen, einen Impfstoff auf den Markt zu bringen.

Mit ihrem Verein "Zukunft für Nepal Ostwürttemberg e.V." setzt sie sich fern der Heimat für ein besseres Leben ein, nun ist ihr Blick gerichtet auf die Menschen direkt vor der Haustür. "Es gibt Verlierer", beginnt die Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung im Ostalbkreis.

Damit meint sie Menschen, die wirtschaftlich und sozial auf mitmenschliche Kontakte angewiesen sind und die nicht nachhaltig in die Gesellschaft eingebunden sind. Nun setzt sich Pachner ein. Dafür, dass so schnell wie möglich Normalität und Alltag zurückkehren. Dafür, dass alle so schnell wie möglich wieder bedenkenlos zusammensitzen können. Der einzige Weg in die Normalität zurück, der sich momentan bietet, sei das Impfen. Die weltweite Studie des mRNA-Impfstoffs des Tübinger Unternehmens CureVac wird unter anderem am Tübinger Institut für Tropenmedizin, Reisemedizin und Humanparasitologie durchgeführt. "Ich kann nicht darauf warten, bis es jemand anderes macht." Deshalb gilt für Pachner: Ärmel hochkrempeln und Einsatz zeigen. Den Worten Taten folgen lassen.

Mit dabei sind Petra Pachner und ihr Mann Herwig Jantschik. Die gelernte Krankenschwester las sich schon vorher ein: Wie entsteht ein Impfstoff? Wie wirkt er? Welche Nebenwirkungen treten auf? Welche Risiken gibt es? Alles Fragen, auf die sie dann ausführlich von den zuständigen Ärzten der Impfstudie in Tübingen Antworten bekam – und die ihre Bedenken aus dem Weg räumen konnten. Beim Impfstoff von CureVac werden nicht Viren in abgeschwächter Form injiziert, sondern er besteht aus den für das Virus typischen Sequenzen für Eiweißstoffe, die im Körper eine Immunreaktion provozieren und somit immun machen.

Es gibt keinen richtigen und keinen falschen Weg. Jeder muss seinen Weg finden.

Petra Pachner Behindertenbeauftragte Ostalbkreis

An einer Studie der Uni München mit dem gleichen Impfstoff nimmt der Hofherrnweilener Georg Abele teil. Der Wissenschafts-Fan hat sich ebenso wie Petra Pachner online über den Impfstoff erkundigt und ist bei seiner Recherche auf die Studie gestoßen. Seine Neugier war der Auslöser: "Keine Teilnehmer, keine Studie und somit auch keine Impfstoffe", sagt der 69-Jährige. In der neuen Technik, mithilfe der Impfstoff hergestellt wird, sieht er als große Chance.

Seit ihrer ersten Impfung am 8. Januar führt sie Tagebuch, dokumentiert genau, wie es ihr geht. Gleich am Tag nach dem Stich mit der Nadel rief der zuständige Chefarzt an und erkundige sich persönlich nach ihrem Befinden. "Ich hatte leichte Grippesyndrome, fühlte mich etwas schwach." Normale Nebenwirkungen, versichert der Arzt – für jegliche Art von Impfung. Nach zwei Tagen sei alles wieder wie immer gewesen. Anfang Februar folgt dann die zweite Impfung.

Mit ihrer Teilnahme bei der Impfstudie will sie ein Zeichen setzen, mit gutem Beispiel vorangehen. "Es ist eine Chance, uns in der Entwicklung einem Impfstoff zu nähern", so Pachner. Und da will sie helfen. Doch den Zeigefinger heben und Appelle schwingen, will sie nicht: "Jeder muss für sich abwägen. Es gibt keinen richtigen und keinen falschen Weg. Jeder muss seinen Weg finden, mit dem er sich gut fühlt. Ich bin meinen Weg gegangen."

Infos zur Studie des mRNA-Impfstoffs

Die klinische Testung des Impfstoffs des Unternehmens CureVac startete am 18. Juni 2020 am Universitätsklinikum Tübingen.

In Phase I wurde der Impfstoff über 250 gesunden Probanden verabreicht, um dessen Verträglichkeit und Immunogenität zu überprüfen. In der zweiten Phase werden 690 Probanden in Peru und Panama geimpft.

Die Hälfte der Probanden bekommt Kochsalzlösung verabreicht, um so tatsächliche Nebenwirkungen erkennen zu können. sas

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