Podcast: Ein Glas mit Lars: Folge 47

Pfadfinder aus Aalen: Nicht jeden Tag eine gute Tat, aber regelmäßig zufrieden

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Philipp Hischfeld (l.) und Yannick Vorholzer sind Pfadfinder aus Aalen.
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Was bedeutet es, heutzutage ein Pfadfinder zu sein? Yannick (21) und Philipp (28) über Klischees und Lagerfeuerromantik.

Aalen.

Die Handys bleiben meist aus. Nicht, weil sie ausbleiben müssen, sondern weil die anderen Angebote viel interessanter sind. Welche Angebote das sind: Miteinander reden. Miteinander spielen. Bei gutem Wetter viel in der Natur sein. Klingt nach Lagerfeuerromantik. Ja …, das passt ganz gut. Denn wenn die Pfadfinder der Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg vom Stamm Salvator zusammenkommen, wird es gesellig.

Philipp Hirschfeld (28) ist der Stammesvorstand. Das klingt erst einmal förmlich. So ist er aber nicht drauf. Auch Yannick Vorholzer (21) trägt keine Gitarre auf dem Rücken oder sucht ständig händeringend nach Ästen, die er zurechtschnitzen kann. „Das sind Klischees“, sagt Philipp. Die tägliche gute Tat? „Nein, ich helfe nicht jeden Tag einer Oma über die Straße“, sagt Philipp. „Das ist so ein Bild, das aus Amerika mit den Scouts zu uns herübergeschwappt ist“, sagt Yannick.

Der Aalener Stamm ist bei den Gruppenabenden (dienstags ab 18 Uhr in den Gruppenräumen der Salvatorkirche) regelmäßig mit 20 jungen Pfadfinderinnen und Pfadfindern vertreten. Zum festen Stamm zählen 50 Mitglieder. Mädchen und Jungs, Männer und Frauen …, die Religion ist egal, wird auch nicht abgefragt. Yannick ist seit seinem zehnten Lebensjahr bei den Pfadfindern. Durch die Arbeit bei den Pfadfindern ist er selbstbewusst geworden. Vier Stufen gibt es: Die „Wölflinge“ (sieben bis zehn Jahre) sind noch sehr verspielt. Die „Jungpfadfinder“ (zehn bis 13 Jahre) lernen Rücksicht zu nehmen und auch auf Jüngere zu achten. Das Motto der „Pfadfinder“ (13 bis 16 Jahre) lautet: Wag es. Als „Rover“ (über 16 Jahre) wird die Entscheidungsfreude gestärkt. Zeltlager müssen organisiert werden. Für Yannick genau das Richtige. Er mag es, Verantwortung zu übernehmen. Yannick studiert in Aalen. Philipp ist erst mit Anfang 20 durch einen Freund auf die Pfadfinder aufmerksam geworden.

Corona hat die Gruppenarbeit etwas erschwert. Erst in diesem Jahr gibt es seit 2019 wieder über Pfingsten ein Zeltlager. Darauf freuen sich alle. Zelte aufbauen, Lagerfeuermusik, in der Natur sein, „das haben wir alle schon sehr vermisst“, sagt Philipp.

Seit 70 Jahren gibt es die Sankt-Georg Pfadfinder in Aalen. Am 1. Mai wird deshalb am Naturfreundehaus am Braunenberg groß gefeiert. Mit Dixiemusik und Geselligkeit. Viel verändert hat sich in den Jahrzehnten nicht. Die Tugenden der Pfadfinder sind geblieben. Okay, die Welt ist vielleicht etwas schneller geworden, aber die Pfadfinder bekommen es ganz gut hin, diese Welt zumindest für einen Moment etwas zu entschleunigen oder besser sich selbst.

Und wie werde ich nun Pfadfinder? Einfach zu den Gruppenabenden kommen. Reinschnuppern, erst einmal unverbindlich mitmachen. Der erste Schritt für sich selbst verantwortlich zu sein, ist es dann, zu entscheiden, ob man dabeibleiben möchte. 50 Euro kostet die Mitgliedschaft – für ein Jahr. Willkommen sind Menschen ab 6 Jahre. Oder man macht es wie Philipp und stößt als junger Erwachsener dazu. „Wag es“, würden wohl die Pfadfinder sagen. Das Handy kann ruhig zu Hause bleiben.

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