Pfadfinder kämpften um ihre Hütte

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Die Georgspfadfinder beim Bau ihrer Hütte - einem Jugendheim - auf der ehemaligen Schießanlage der Remonte im Rohrwang. Foto: -afn-
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Eine alles andere als friedliche „Staatsaktion“ auf dem Rohrwangplatz - wie sich die St.-Georgspfadfinder im Rohrang engagiert haben - letztendlich vergebens.

Aalen

Im Jahr 1986 sorgte ein damals berüchtigter „Kleinbautenerlass“ der Landesregierung für bürgerliches Aufbegehren - in Aalen im Zusammenhang mit dem Gemeindeplatz der katholischen Kirchengemeinde auf der ehemaligen Schießanlage der Remonte.

Der damalige Chef des Aalener Bauordnungsamts startete eines Tages eine Polizeiaktion gegen die Aalener Georgspfadfinder. Nach Jahren geduldigen Wartens widersetzten sie sich der ihres Erachtens „gesetzlicher Willkür“. Und schufen Tatsachen. In Eigenarbeit errichteten sie wieder anstelle einer abgerissenen RAD-Baracke eine Holzhütte als Jugendheim.

Die von dem städtischen Beamten initiierte „Staatsaktion“ ging alles andere als friedlich über die stille Rohrwangwiese. Als die Gruppenleiter sich gegenüber dem Amtsleiter nicht ausweisen wollten, weil dieser dies gleichfalls unterlassen hatte, wurde der Beamte ausfällig. Dies ließen sich die 18-jährigen Jugendleiter nicht gefallen, zumal sich die beiden Polizisten korrekt auswiesen.

Die Pfadfinder fühlten sich deshalb im Recht, weil der Abriss der RAD-Baracke einer Straßenfehlplanung zum Opfer gefallen war.

Die Stadt und Oberbürgermeister Ulrich Pfeifle hatten die Scouts zehn Jahre mit dem Hinweis vertröstet, dass man für einen adäquaten Platz für die Hütte und einen Zeltlagerplatz sorgen werde. Jetzt war das Maß für die Pfadis voll.

Ihr Baugesuch war zwar von der Stadt bearbeitet und vom OB unterstützt worden. Aber alles zog sich Monate hin, worauf Pfeifle und Pfarrer Häberle einen Lokaltermin ansetzten. Mit dabei Oberforstrat Ulmer als Naturschutzbeauftragter und die Jugendleiter. Der OB vertrat dabei die Auffassung, dass sich das Vorhaben realisieren lassen müsse. Und selbst der in Sachen Naturschutz selten zu Konzessionen bereite Oberforstrat verschloss sich den begründeten Argumenten nicht, dass der Bau dieses Jugendheims kein störendes Element in der Waldschneise darstelle.

Aber vom Regierungspräsidium kam dennoch eine Ablehnung. „Sollen sie uns halt einsperren. Wir protestieren wie die in Mutlangen. Und bauen unsere Hütte jetzt oder nie“, konterten die Scouts. OB Pfeifle bedauerte das Misstrauen der Pfadfinder genauso wie die ablehnende Haltung des RP. Aber die Hütte wurde abgerissen. Ulrich Pfeifle hat als OB in Aalen unbestritten Großartiges geleistet. Und auch Versprechen gehalten. Eines nicht. Ersatz für das Pfadfinderheim mit einem Zeltlagerplatz zu schaffen.

Am Sonntag, 11. September, ist der Tag des offenen Denkmals. Zu diesem Anlass bietet Stadtarchivar Dr. Georg Wendt die dritte Stadterkundung an. Diesmal geht es in den „Stadtpark und Rohrwang - vom Schubartgymnasium zum Waldfriedhof“, also auch in das ehemalige Gebiet der Georgspfadfinder. Treff- und Endpunkt der Stadterkundung ist der Vorplatz des Schubartgymnasiums. Die drei Kilometer lange Tour ist von 14 bis ungefähr 16 Uhr. Die Teilnehmer erwartet viel Wissenswertes zu Bonatz-Bildungstempel, NS-Jugendheim, Schlageter-Kampfbahn, Totenruhe, Rettungszentrum und Ringertriumphen.

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