Pflegeberufe: attraktiv und erfüllend

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Die Kampagne „Herz Plus Ostalb“ soll das Image von Pflege aufpolieren und Menschen Lust auf die Jobs machen. Projektleiterin Verena Weber blickt auf das Zwischenergebnis.

Aalen

Ohne die Familien können wir das Thema Pflege nicht stemmen“, sagt Landrat Dr. Joachim Bläse. Parallel dazu muss die professionelle Pflege im Kreis gestärkt werden, denn die Zahlen sind alarmierend: Aktuell leben rund 66.100 Menschen im Ostalbkreis, die 65 Jahre und älter sind. Bis zum Jahr 2035 wird diese Altersgruppe um 22.000 Menschen anwachsen. Das Problem: Pflegekräfte fehlen.

Der Landkreis hat daher vor Zeiten gemeinsam mit 36 Trägern der ambulanten Dienste und stationären Einrichtungen eine Kampagne gestartet, die den Pflegeberuf nachhaltig stärken und dem Fachkräftemangel in der Altenpflege entgegenwirken soll. Pflegeberufe sollen mehr Wertschätzung erfahren, die Ausbildung gestärkt werden und vor allem sollen mehr Pflegefachkräfte gewonnen werden.

Viele Bausteine im Projekt

Das Konzept der Kampagne, dessen Entwicklung seit 2018 nun im Sozialausschuss beleuchtet wurde, enthält mittel- und langfristige Projektbausteine.

Im Projektbaustein „Öffentlichkeitsarbeit“ soll das Image der Altenpflegeberufe durch gezielte Aktionen nachhaltig verbessert und gestärkt werden. Der Fokus des „Pflegementorenprogramms I“ liegt auf Schülern, Lehrern und Eltern. Das Interesse für den Pflegeberuf soll frühzeitig geweckt werden. Im „Pflegementorenprogramm II“ soll ein spezifisches Angebot für Wiedereinsteiger und Umschüler entwickelt und angeboten werden. Im Rahmen des Projektbausteins „Schulungen für Arbeitgeber“ werden für Arbeitgeber aus der Pflegebranche Schulungen im Bereich Personal- und Ausbildungsmarketing angeboten. Im Projektbaustein „Begleitende Veranstaltungen“ sollen die Absolventen der Altenpflegeausbildung und die Pflegefachkräfte Wertschätzung für ihre tägliche Arbeit erfahren.

So läuft das ab

In der Öffentlichkeitsarbeit wurden Werbeplakate, Infobroschüren, Roll Ups, Flyer und Postkarten, auf denen Pflegefachkräfte aus dem Ostalbkreis zu sehen sind, verteilt. Die Homepage www.herz-plus-ostalb.de informiert über Ausbildungsberufe, Weiterbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten. Auch auf Instagram und Facebook wird geworben. Bereits im Juli 2019 wurde die Aktion „Pflege Stories“ eröffnet, die das Interesse junger Menschen wecken soll. Eine Fotostrecke mit Pflegekräften aus dem Ostalbkreis wurde entwickelt. Großplakate, Buswerbung, der Ausbau der Social Media Präsenz sowie ein Radiospot sind für die Zukunft geplant.


Mentoren 1: In Kooperation mit der IHK werden durch das Programm „Ausbildungsbotschafter“ erste Berührungspunkte mit dem Pflegeberuf hergestellt. Hier werden kontinuierlich Auszubildende der Pflegeberufe vom IHK-Ausbildungskoordinator zu Ausbildungsbotschaftern geschult. Die stellen dann den Pflegeberuf in Schulklassen vor und werben für eine Ausbildung.

An den Schulen wurden mit den beteiligten Trägern sowie elf Pilotschulen Berufsorientierungskonzepte entwickelt. Diese wurden in den Pilotschulen etabliert sowie die Zusammenarbeit der Altenhilfeträger und Schulen intensiviert.

Um das Interesse möglichst vieler junger Menschen für die Pflege zu wecken, wurden Kreativwettbewerbe ausgeschrieben, um ihnen Berührungsängste vor älteren Menschen zu nehmen und ihnen die vielseitige Arbeit in der Pflege aufzuzeigen. Die Kampagne ist zudem auf den Ausbildungs- und Studienmessen im Ostalbkreis vertreten.


Pflegementorenprogramm II: Es gab mehrere Infoveranstaltungen zu den Pflegeberufen für Integrationsfachkräfte der Agentur für Arbeit und des Jobcenters, für Wiedereinsteiger sowie Umschüler. Auch bereits tätige Pflegefachkräfte sollen nachhaltig gestärkt und das Interesse von Wiedereinsteigern geweckt werden. Hierzu wurde eine Fortbildungsreihe für Pflegekräfte geschaffen. Im Frühjahr 2022 wird ein Fotowettbewerb „Wir sind Pflegefachkräfte, weil Superheld kein offizieller Beruf ist“ ausgeschrieben.


Schulungen für Arbeitgeber: Arbeitgeber der Pflegebranche lernen hier, an ihren Arbeitsbedingungen zu arbeiten und das Personalmarketing zu verbessern. In Kooperation mit dem Bundesamt für Familie lief bereits jeweils 2018 und 2020 eine Fortbildungsreihe im Landratsamt. Auch 2021 gab es eine Fortbildungsreihe zu den Themen „Ausbildungsplanung im Rahmen des Pflegeberufegesetzes“, „Lernortkooperation in der Pflegeausbildung“ und „Kompetenzorientierte Praxisanleitung“. Die Landkreisverwaltung stellt dafür entgeltfrei Räumlichkeiten. Auch in den kommenden Jahren sollen weiterhin Schulungen angeboten werden.


Begleitende Veranstaltungen: Am 6. Dezember 2018 wurde die Pflegekampagne „Herz Plus Ostalb“ offiziell mit einer Auftaktveranstaltung mit buntem Rahmenprogramm gestartet. Am 18. November 2019 wurden alle Absolventen der Altenpflege sowie langjährige Pflegefachkräfte im Zeiss-Forum in Oberkochen geehrt. Solche Veranstaltungen soll es auch künftig geben.

Als Erfolge der Kampagne nennt Projektleiterin Verena Weber unter anderem den Aufbau der „hervorragenden Kooperationen zwischen den Pilotschulen und den Altenhilfeträgern“. Besonders lobt sie die Kooperation zwischen der Gemeinschaftsschule Unterm Hohenrechberg in Waldstetten und der Stiftung Haus Lindenhof. Die Teilnahme an Elternabenden, Berufsinfotage sowie Praktika in der Einrichtung vor Ort seien fester Bestandteil der Kooperation geworden.

Auch die Infoveranstaltungen für Wiedereinsteiger und Umschüler habe positive Ergebnisse gebracht. Die Social Media Plattformen der Kampagne liefen gut, ermöglichten direkten Kontakt zu Interessierten und informierten niederschwellig rundum über das Thema.

Die Anzahl der Absolventen der Ausbildung zum/zur Altenpfleger*in bzw. Altenpflegehelfer*in von 2018 bis 2020 sei kontinuierlich angestiegen. Inwiefern dies an der Kampagne liege, werde die Zukunft zeigen meint Verena Weber.


Finanzierung: Die Umsetzung der Kampagne hat seit 2018 rund 106.000 Euro gekostet. 66.000 brachte der Landkreis auf, den Rest die beteiligten Träger oder Spender. Aktuell sind noch 6.100 Euro im Topf. Für 2022 sind Haushaltsmittel in Höhe von 8.000 Euro eingeplant. Mitte 2021 wurde mit den beteiligten Trägern die weitere Finanzierung der Kampagne vereinbart. Demnach beteiligen sich Träger mit bis zu zwei Pflegeeinrichtungen oder ambulanten Diensten mit 1.000 Euro an der Pflegkampagne. Träger mit mehr als zwei Pflegeeinrichtungen bzw. ambulanten Diensten beteiligen sich mit 2.000 Euro.

Sprecher aller Fraktionen lobten die Arbeit auf diesem Feld.

  • Koordinierungsstelle wird aufrecht erhalten
  • Aalen. 2020 hat das Land die Pflegeausbildung verändert und „generalisiert“. Künftige Pflegekräfte erlernen nun in den ersten beiden Jahren ihrer Ausbildung die gleichen Inhalte in Theorie und Praxis. Die alte Aufteilung in Alten-, Kinderkranken- oder Krankenpflege entfiel, eine Vertiefung in die jeweiligen Felder ist im dritten Ausbildungsjahr möglich.
  • Für die Träger entstand durch die Veränderungen hoher Verwaltungs- und Organisationsaufwand. Der Landkreis sprang ein und schuf eine regionale Koordinierungsstelle, die halbe Personalstelle hat seither Margit Klotzbücher inne. Die Koordinierungsstelle hat sich bewährt, befinden Träger und Kreisverwaltung, und soll deshalb weitergeführt werden. Bis Ende 2021 noch wird die Stelle mit einem Zuschuss von Bund und Land zu insgesamt 50 Prozent, maximal jedoch mit 30.000 Euro je Landkreis gefördert. Damit es nahtlos weitergeht hat die Kreisverwaltung die Verlängerung zu den selben Konditionen bis 30. September 2022 beantragt, länger lässt das Land aktuell die Förderung nicht zu. Bis dahin kostet die Stelle den Landkreis 12.000 Euro. Gibt es danach keine Anschlussförderung des Landes, werden erneut 12.000 Euro fällig. Die Fraktionen stimmten einhellig zu. mas

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