Photovoltaik: Strom vom Feld

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De r Solarpark Westhausen. Auf einer Fläche von rund acht Hektar wird laut Hersteller umweltfreundlicher Strom für etwa 1150 Haushalte produziert.
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Freiflächen-Photovoltaikanlagen (PV) sollen im Stadtgebiet errichtet werden. Warum braucht Aalen diese Anlagen und wie sehen die Pläne aus? Und was der Bauernverband dazu sagt.

Aalen

Gesucht: ein Platz an der Sonne. Gefunden: auf dem Härtsfeld, bei Simmisweiler und um Dewangen herum. Jetzt veröffentlichte Aalens Stadtverwaltung Pläne für Freiflächen-Photovoltaik. 793 Hektar Potenzialfläche gibt's laut einem Gutachten des Büros „Eger und Partner“ im Verwaltungsgebiet der Stadt; 572 Hektar seien frei von Restriktionen, also Flächen, die etwa nicht in einem Naturschutzgebiet liegen.

Nicht überall stoßen die Pläne auf Begeisterung. Landwirtinnen und Landwirte machen sich Sorgen um ihre Flächen, Bürgerinnen und Bürger um das Landschaftsbild. Warum werden die Solaranlagen benötigt? Professor Dr. Ulrich Holzbaur und die Stadtverwaltung erklären es in Gesprächen mit der SchwäPo.

1 Professor Dr. Ulrich Holzbaur, der Nachhaltigkeitsbeauftragte der Hochschule Aalen: „Wir brauchen regenerative Energien, sonst können wir die Klimaziele nie erreichen“, betont er. Ziel des Pariser Abkommens: die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf „deutlich unter“ zwei Grad Celsius zu begrenzen. Dazu müssen Treibhausgasemissionen reduziert werden. Erneuerbare Energien sind ein Weg zum Ziel. Wasserkraft zu nutzen sei auf der Ostalb eher kein Thema. Daher müsse auf Solar- und Windenergie gesetzt werden. „Die Sonne liefert uns kostenlos Energie. Wir müssen dafür kein Öl verbrennen“, sagt er.

PV-Anlagen nur auf Dächern zu installieren, reiche seiner Ansicht nach nicht aus. „Wir brauchen mehr PV“, betont der Professor im Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen. Ein großer Solarpark auf der freien Fläche sei da sinnvoll, sagt er. Natürlich werde Fläche verbraucht. „Es wird immer Nutzungskonflikte geben.“ Kern der nachhaltigen Entwicklung sei, mit den Arealen verantwortungsvoll umzugehen. „Die PV-Fläche ist keine verlorene Fläche“, sagt er. Hühner oder Schafe könnten dort leben oder eine Heidelandschaft entstehen. Auch Obstbäume könnten vom Schatten der Anlagen profitieren. Wichtig sei, dass das Projekt von der Bevölkerung akzeptiert wird. Dazu könnten diese etwa an den Gewinnen des Solarparks beteiligt werden.

Holzbaurs Botschaft: „Wir müssen weniger Strom verbrauchen und diesen auf unterschiedliche Arten nachhaltig erzeugen.“

2 Die Sache mit den Rohstoffen: Die Lebensdauer einer PV-Anlage beträgt laut Holzbaur 20 bis 30 Jahre. Alles aus Metall, also das Gerüst, könne danach recycelt werden. Silizium, der Stoff, aus dem die Zellen bestehen, und das Glas könnten ebenfalls ohne Probleme recycelt werden. „Das ist einfacher zu recyceln als ein Handy,“, sagt er. Ein Problem sei der Wechselrichter – diesen gebe es aber nicht nur bei Solaranlagen, sondern allgemein in elektrischen Geräten.

3 Die Stadtverwaltung erklärt die Pläne: „Wir wollen Flächen gemeinsam mit den Bürgern, Kommunen, Ortschaftsräten und dem Regionalverband finden“, betont Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle und fügt hinzu: „Nicht alle Flächen aus der Potenzialanalyse werden am Ende des Prozesses bebaut.“ Ein Jahr habe die Verwaltung am Konzept „Freiflächen-PV“ gearbeitet. Die Räume auf dem Härtsfeld oder im Welland seien nicht dicht besiedelt und es gebe wenig Flächenkonkurrenz, sagt Andreas Steidel, der den Prozess vonseiten der Verwaltung begleitet. „Viele große Flächen sind herausgefallen, weil sich dort Schutzgebiete befinden.“ Steidle: „Wir wollen die schöne Kulturlandschaft nicht kaputtmachen und Flächen nutzen, die nicht so stark einsehbar sind.“

Wann die erste Freiflächen-PV-Anlage gebaut wird, sei unklar. „Das ist davon abhängig, wie schnell wir in den Ortschaftsräten mit den Beratungen vorankommen“, sagt Steidel. Nach der Sommerpause sollen die Beratungen wieder aufgenommen werden. „Vielleicht finden wir bis 2022 geeignete Flächen, um unseren Beitrag zur Energiewende beizusteuern“, fügt der Erste Bürgermeister hinzu, der dankbar für Hinweise aus der Bevölkerung ist.

Und was hat die Landwirtschaft von Solaranlagen? Maya Kohte, Leiterin des Amts für Umwelt, Grünflächen und umweltfreundliche Mobilität, sagt: „Die Flächen, auf denen die PV-Anlagen stehen, sind nicht versiegelt.“ Die Anlagen könnten auch senkrecht aufgestellt werden. So sei eine Grünlandwirtschaft weiterhin möglich. „Man muss schauen, wie man Win-Win-Situationen für alle erreichen kann“, sagt Maya Kohte. Die Stadtverwaltung selbst plane auf Gebäuden PV-Anlagen, etwa auf dem Dach der Schillerschule. „Das geht aber nur dort, wo es die Statik zulässt“, sagt Steidel. Auch Unternehmen wolle die Verwaltung ermutigen, PV-Anlagen zu installieren. „Eine Herausforderung wird es, Eigentümer von Wohngebäuden für Solaranlagen zu begeistern.“

4 Das sagt der Bauernverband: Hubert Kucher, Kreisvorsitzender des Bauernverbands Ostalb-Heidenheim, hat eine geteilte Meinung zur Freiflächen-PV. Auf Flächen, die wenig Ertrag bringen, sei dies denkbar, sagt er.

Etwa 70 Prozent der Bauern im Kreis hätten ihre Felder gepachtet. Seine Sorge: „Landwirte, die ihre Zukunft auf der Pachtfläche entwickelt haben, gehen leer aus, da der Besitzer seine Wiese teurer an jemanden verpachten kann, der dort eine PV-Anlage baut.“ Kucher will nicht gegen das Vorhaben sein. Es müssten ähnlich wie beim Bau von Windrädern Lösungen gefunden werden, sagt er. „Wir Landwirte erzeugen schließlich Nahrungsmittel für die Region und brauchen Flächen dafür.“ Schafe auf einer Fläche zu halten, auf der eine PV-Anlage steht, sei zwar möglich, wirtschaftlich aber unsinnig, sagt er. „Der Absatz von Schafen ist bei null.“ Ob es klappen kann, den Ackerbau und PV-Anlagen unter einen Hut zu bringen, zweifelt er noch an. Der Kreisvorsitzende will mit Bürgermeisterinnen, Bürgermeistern und dem Landrat über Flächen im Ostalbkreis sprechen, um Lösungen zu finden.

Die PV-Fläche ist keine verlorene Fläche.“

Professor Dr. Ulrich Holzbaur, Professor Hochschule Aalen
Diese Flächen könnten für eine Freiflächen-PV-Anlage geeignet sein. Nicht alle Flächen werden am Ende des Prozesses bebaut. Grafik: mle

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