Plagiatsskandal um das Schubart-Denkmal

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Sogenannte „Lebende Bilder“ waren bei der Einweihung 1891 Mode.
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Wie die Aalener die wechselnde Geschichte des Denkmals empfanden. 

Aalen. Viele gehen vorüber. Manche bleiben stehen. Und wollen sehen, wer das ist, dessen wuchtige Büste vor dem alten Postamt den Bahnhofsvorplatz beherrscht. Die Aalener kennen ihren Schubart, deren Altvordere dem Dichter, Musiker und ersten deutschen Journalisten 1891 ein Denkmal gesetzt haben. Auch wenn der die Aalener einst als „trotzige Verteidiger ihrer Misthaufen“ desavouiert hatte.
Doch gerade die wechselnden  Standorte des Denkmals emotionalisierten immer wieder die Aalener, stellte Stadtarchivar Dr. Georg Wendt als profunder Kenner der Zusammenhänge in seinem gut besuchten Vortrag im Bürgerspital fest.

Als „deutsche Größe“ wurde Schubart in nationalem Stolz  gleich nach der Reichsgründung  mit Goethe und Schiller von einem Biographen geichgestellt.   Wilhelm Jakob Schweiker gab  den Anstoß zu einem Denkmal-Komitee. Bis dann Ernst Curfess das erste Modell schuf. Und das Denkmal mit Spenden von 5700 Reichsmark finanziert werdenn konnte. Als Standort war zuerst die Linde am Gmünder Torplatz vorgesehen. Bis dann der Platz vor der „Harmonie“ am  Bahnhofplatz in Verbindung mit einer kleinen Grünanlage ausersehen wurde.

Die Einweihung musste 1891 durch den Tod von König Karl verschoben werden. 

Der Ausbau der Straßen durch den zunehmenden Verkehr veranlasste 1931 den Gemeinderat auf Vorschlag von Architekt Wolff, das Denkmal auf den Bohlschulplatz zu verlegen. Dr. Schübel, der von NS-Gauleiter Murr berufen, neuer  Bürgermeister wurde, bezog Schubart zeitgemäß in die Ideologie des Dritten Reichs ein. Und eröffnete 1938 ein Heimat- und Schubart-Museum (das es heute leider nicht mehr gibt) und benannte die neue Jugendherberge und die Parkschule nach Schubart. Schübel ließ auch nach dem Grab Schubarts in Stuttgart suchen und wurde auf dem Spitalfriedhof fündig.

1938 war der Stadt das Denkmal nicht mehr gut genug. So kam es  zu einem Plagiatsskandal zwischen der Aalenerin Elsbeth Schönbohm-Keller und dem bekannten Berliner Professor  Kolbe, in den sich auch Fritz Nuss einmischte. Beide warfen sich bei Entwürfen für ein zeitgemäßeres Schubart-Denkmal, einer dreiteiligen Skulpturengruppe, des Plagiats vor, mit dem ein langwieriger, zum Teil scharfer Briefverkehr einherging.

Aber dem setzte der Krieg ein Ende. 1943 musste die Schubart-Büste, wie damals auch alle Glocken,   eingeschmolzen werden. Nach Kriegsende stimmte der Gemeinderat – entgegen anderer Meinungen, wie derer vom „Meckereck“- für einen Verbleib des Denkmals auf dem Bohlschulplatz. Auf der Suche nach einer Vorlage fand sich im „Falken“ ein Wachsmodell der alten  Büste. Und dann war es der Sudetenländer Hugo Bucher, der eine neue Denkmalbüste formte.

1950 folgte dann die Einweihung am ursprünglichen Ort vor dem Bahnhof - unter dem Titel „Schubart war auch ein Heimkehrer“ analog zu den damals gefeierten Spätheimkehrern. Und der spätere Schubart-Literaturpreisträger Hugo Theurer verfasste dazu ein amüsantes Gedicht: „Schubart und die Kopper“.  Erwin Hafner   

1938 Entwurf eines neuen Schubart-Denkmals von Elsbeth Schönbohm-Keller, der von Fritz Nuss als Plagiat angeprangert wurde.     

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