Polizei: So tickt das neue Lagezentrum

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Steffen Opferkuch (l.) und Michael Bauer erläutern vor der großen Videowand den Einsatzstab bei kritischen Lagen.
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Die neue Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Aalen ist das Herzstück des Erweiterungsbaus an der Böhmerwaldstraße. Ein Einblick in den neuen Hochsicherheitstrakt.

Polizei: So tickt das neue Lagezentrum

Das neue Führungs- und Lagezentrum des Polizeipräsidiums Aalen.
Das neue Führungs- und Lagezentrum des Polizeipräsidiums Aalen. © Polizei
Das neue Führungs- und Lagezentrum des Polizeipräsidiums Aalen.
Das neue Führungs- und Lagezentrum des Polizeipräsidiums Aalen. © Peter Hageneder
Das neue Führungs- und Lagezentrum des Polizeipräsidiums Aalen.
Das neue Führungs- und Lagezentrum des Polizeipräsidiums Aalen. © Peter Hageneder
Das neue Führungs- und Lagezentrum des Polizeipräsidiums Aalen.
Das neue Führungs- und Lagezentrum des Polizeipräsidiums Aalen. © Peter Hageneder
Das neue Führungs- und Lagezentrum des Polizeipräsidiums Aalen.
Das neue Führungs- und Lagezentrum des Polizeipräsidiums Aalen. © Peter Hageneder
Das neue Führungs- und Lagezentrum des Polizeipräsidiums Aalen.
Das neue Führungs- und Lagezentrum des Polizeipräsidiums Aalen. © Peter Hageneder
Das neue Führungs- und Lagezentrum des Polizeipräsidiums Aalen.
Das neue Führungs- und Lagezentrum des Polizeipräsidiums Aalen. © Peter Hageneder
Das neue Führungs- und Lagezentrum des Polizeipräsidiums Aalen.
Das neue Führungs- und Lagezentrum des Polizeipräsidiums Aalen. © Peter Hageneder

Aalen. Starke Nerven, Erfahrung, Disziplin und eine unaufgeregte Gesprächsführung braucht, wer hier Dienst tut: Vor einem halben Jahr ist das neue Führungs- und Lagezentrum (FLZ) der Polizei in der Böhmerwaldstraße in Betrieb gegangen. Die Polizeieinsatzzentrale mit 52 Mitarbeitenden ist das Herzstück dieses Erweiterungsbaus. „Und sie ist auch das Herzstück des Aalener Polizeipräsidiums“, sagt Polizeivizepräsident Wolfgang Reubold. Hier werden jährlich etwa 70 000 Notrufe aus dem Zuständigkeitsgebiet des Aalener Polizeipräsidiums, also aus dem Ostalbkreis, dem Rems-Murr-Kreis und dem Kreis Schwäbisch Hall entgegengenommen und jährlich rund 150 000 Einsätze koordiniert. Das FLZ ist rund um die Uhr besetzt. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr.

Gemeinsam mit dem Polizeivizepräsidenten geben Erster Polizeihauptkommissar Steffen Opferkuch, einer von fünf Polizeiführern vom Dienst, und der Koordinator des Erweiterungsbaus, Polizeihauptkommissar Michael Bauer, der SchwäPo einen exklusiven Einblick in den neuen Hochsicherheitstrakt an der Böhmerwaldstraße.

Die Sicherheitsschleuse im Obergeschoss des Erweiterungsbaus können nur Berechtigte passieren. Danach betritt man einen Gang, dessen innen liegende Fenster den Blick frei geben in die zentrale Leitstelle, in der alle Aufgaben des alltäglichen Einsatzes organisiert sind.

Auffallend, ja fast unheimlich still ist es in dieser Einsatzzentrale. Hier gehen alle Notrufe über die 110 ein. Von der Ruhestörung über den Verkehrsunfall, von der häuslichen Gewalt bis zum Amoklauf. Von hier aus werden alle Einsätze koordiniert und gesteuert. „Ein Akustik-Ingenieur war damit beauftragt, alles dafür zu tun, damit es hier leise ist“, sagt Bauer. „Die Stille ist wichtig, um konzentriert und möglichst schnell alle Infos von der in der Regel aufgeregten Person zu erfragen, die gerade einen Notruf absetzt. Es geht um ein enges Zeitfenster. Und darum ist es wichtig, dass unsere Ruhe auf den Anrufer ausstrahlt“, ergänzt Opferkuch. „Wenn etwas wichtig ist, wird nicht laut gerufen, sondern einer hebt die Hand.“

Fünf Einsatzsachbearbeiter je Schicht arbeiten hier je an vier Bildschirmen, nehmen Notrufe entgegen, fragen die typischen W-Fragen ab: Wer ruft an? Was ist geschehen? Wo ist es passiert? Die Verantwortung einer Schicht trägt ein Polizeiführer vom Dienst (PvD).

Bei einer Geiselnahme beispielsweise wird ein verglastes Einzelbüro direkt neben der Leitstelle wichtig. Ein Geiselnehmer, weiß Bauer, wolle in der Regel mit demselben Ansprechpartner verhandeln. Um diese Kontinuität zu gewähren, und um fokussiert zu sein, ziehe der Kollege dann in dieses Einzelbüro um. Das ist aber nur ein Teilaspekt der besonderen Lage, die eine „besondere Aufbauorganisation“ (BAO) erfordert kann. Das ist eine Organisationsform, die hinsichtlich ihrer Komplexität und Größe über die alltägliche Arbeit des Lagezentrums hinausgeht. „Wenn wir so eine Situation haben, die mit unserem Alltagseinsatzteam in der Leitstelle nicht mehr bearbeitet werden kann, gibt der PvD laut", erläutert der Polizeivizepräsident.

Eine Sonderlage ist gegeben, etwa bei einer Erpressung, einem Amoklauf oder auch bei extremem Hochwasser wie im Präsidiumsbereich etwa vor fünf Jahren in Braunsbach. Dann wird nach vorgegebener Struktur der Einsatzstab für die besondere Aufbauorganisation (BAO) lageangepasst besetzt. Der Fall, so der Polizeivizepräsident, wird von den Aufgaben des alltäglichen Lagezentrums abgekoppelt und vom eigens einberufenen Einsatzstab übernommen. Heißt: Das Alltagsgeschäft läuft weiter, unabhängig von der besonderen Lage.

Für diese Fälle steht ein separater Raum zur Verfügung mit 35 Medienarbeitsplätzen mit modernster Ausstattung. Hier hinein wechseln dann Polizeipräsident und Vizepräsident, die bei großen Lagen die Führung übernehmen. Der Polizeiführer vom Dienst, der über die Hintergründe Bescheid weiß, Vertreter der Öffentlichkeitsarbeit und Verwaltung. „Und in der Mitte nehmen Berater- und Unterstützungsgruppen Platz. Das sind speziell geschulte Kollegen aus Stuttgart. Zudem die Leiter von Spezialeinsatzkommando (SEK) und Mobilem Einsatzkommando (MEK) und je nach Lage ein OB und/oder Landrat“, weiß Opferkuch.

Eine große Videowand überträgt die Bilder der Lage in alle Räume des FLZ. Um mehrere Szenen des Einsatzes gleichzeitig zu zeigen, können die Bildschirme gesplittet werden. Rechts der Videowand tickt bei einer Geiselnahme eine digitale Countdown-Uhr, links davon die normale Zeitanzeige. „Durch die moderne und eng vernetzte Technik haben wird den riesen Vorteil, dass wir Infos schnell von außen herein und von innen hinaus bekommen“, betont Opferkuch. „Denn wir wollen vor die Lage kommen“, ergänzt Polizeivizepräsident Wolfgang Reubold einen alten Merkspruch aus der Polizeitaktik. Was so viel bedeutet, wie: in einer bestimmten Einsatzlage genau vorauszusehen, welche Anforderungen die Kräfte bewältigen müssen.

Der polizeiliche Notruf 110 ist zu wählen bei Verkehrsunfällen, Gewaltdelikten und immer, wenn sich eine Gefahrensituation anbahnt, die schnelles Handeln erfordert.

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