Proben auf der Baustelle

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Arwid Klaws in "elisabethanischer" Garderobe.

Bauarbeiter löten, werkeln auf dem Gerüst, doch die Proben für "Romeo und Julia" im Kulturbahnhof müssen beginnen – ein Blick hinter die Kulissen.

Aalen

Tina Brüggemann stößt die großen Tore auf der Rückseite des neuen Kulturbahnhofes auf. Es ist Montag, 15.30 Uhr. Im Gewusel der Bauarbeiter und Techniker bahnt sich die Chefdramaturgin und stellvertretende Intendantin ihren Weg vorbei an Gerüsten und herabhängenden Kabeln in die neue Spielstätte. Heute ist die erste Probe mit Kostümen und schnell wird klar: Es gibt noch einiges zu tun bis zur Premiere am Freitag.

Kurz vor dem großen Theatersaal trifft Brüggemann auf Fred Wahl. Die technische Leiterin hat Schweißtropfen auf der Stirn. Immer wieder spricht sie in ihr Funkgerät und koordiniert die Mitarbeiter. Unzählige Fußspuren sind auf dem Boden zu sehen, über den Brüggemann nun in Richtung Sitzplätze eilt. "Die Vorhänge fehlen noch", stellt sie fest. Kurz durchschnaufen.

Garderobe und Bauarbeiter

Geprobt wird das Stück Romeo und Julia mit insgesamt 34 Mitwirkenden: Tänzer, Musiker und Schauspieler. Letztere sind gerade in der Garderobe. Tina Brüggemann geht die Treppen hinauf. Baustellengeräusche begleiten sie auf dem Weg nach oben. Mit "elisabethanischer" Garderobe stehen und sitzen dort Arwid Klaws, Manuel Flach und Philipp Dürschmied. Die Pluderhosen haben sie zum ersten Mal an. Ein Spiegel lehnt provisorisch an der Wand. Klaws zupft an seinem Kostüm. "Das pikst", sagt er und wendet sich an Schneiderin Stephanie Krey. Auch ihr ist die Anspannung anzumerken, denn um 16 Uhr sollen die Proben eigentlich beginnen. Eigentlich. Doch die Bauarbeiten laufen parallel. Während sich Schauspielerin Julia Sylvester gerade beginnt umzuziehen, fährt ein Seilzug mit Bauarbeitern am Fenster vorbei.

Trotz des straffen Zeitplans ist die Stimmung gut. Freundschaftlich begrüßen sich die Protagonisten. "Der Bühnenraum ist super", sagt Klaws. Nach dem Bürokomplex im Wi.Z in der Ulmer Straße freuen sich die Schauspieler über neue Umkleiden, einen flexiblen Bühnenraum und einfach mal die Möglichkeit, anderen Menschen auf ein Glas Wein im Kulturbahnhof zu begegnen, wie Dürschmied sagt, ehe er sich auf seine Position begibt – eine Schaukel, die neben der Bühne von der Decke hängt.

Es ist 16.23 Uhr, als Tina Brüggemann ihr Team zusammenruft. Ein Bauarbeiter lötet in der Ecke, eine kleine Rauchwolke steigt auf, doch die Proben müssen beginnen, denn anschließend steht ein Corona-Test für alle Beteiligten auf dem Plan. Nach und nach füllt sich der Raum. "Stimmung zwei bitte", Fred Wahls Stimme klingt von der Empore. Die Spots gehen an, die Probe beginnt. Zwischendrin piept immer wieder das Warnsignal einer offenen Türe.

Wir müssen uns die Bühne erobern.

Tina Brüggemann Chefdramaturgin

Ein langer Abend

19.30 Uhr. Schauspieler und Tänzer sind gegangen. Das neue Zuhause des Theaters der Stadt Aalen, der Kulturbahnhof, verschwindet langsam in der Dunkelheit, doch im Inneren brennt Licht. Tina Brüggemann sitzt mit den Technikern und Schneiderin Annette Wolf auf den Zuschauerstühlen. Die Intendantin blättert in ihrem Notizbuch, während die Scheinwerfer ausgerichtet werden. "Von der Fläche her ist es hier ähnlich wie im Wi.Z, man denkt bloß, es sei größer wegen der Höhe des Raumes", sagt sie. Brüggemann lässt ihren Blick durch den neuen Raum schweifen. Bühne und Podeste können flexibel auf- und abgebaut werden. Vorbild dafür war die Berliner Schaubühne. "Man erlebt es nicht jeden Tag, dass man auf einer Baustelle probt", sagt sie und gibt sich optimistisch: "Wir müssen uns die Bühne erobern."

Fünf Proben hat das Team des Theaters an neuer Wirkungsstätte. "Die Baustelle hat auch ihren Charme und wir haben ein wohlwollendes Publikum", sagt die Dramaturgin, die abschließend hinzufügt: "Wir können etwas bieten und müssen uns nicht verstecken." Dann widmet sie sich wieder der Beleuchtung – es wird ein langer Abend.

Dramaturgin Tina Brüggemann (Mitte) instruiert ihr Team. Bis zur Premiere von "Romeo und Julia" am Freitag, 2. Oktober, ist noch einiges zu tun, vor und hinter der Bühne.
Zum ersten Mal wird im Kulturbahnhof mit Kostümen geprobt.

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