Problem: Wenn die Auffrischungsimpfung nicht die dritte Impfung war

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Wenn die Auffrischungsimpfung nicht gleichzeitig die dritte Impfung war, zeigen die CovPass-App und die Corona-Warn-App den Impfstatus nicht richtig an.
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Genesen, geimpft, gefrustet. Eine SchwäPo-Leserin kämpft im Moment damit, ihren Impfstatus nachzuweisen.

Aalen

Nach ihrer Booster-Impfung am 2. Januar hat eine SchwäPo-Leserin ein Problem: Die CovPass-App auf ihrem Smartphone zeigt nicht an, dass sie geboostert wurde. Nicht mal mehr einen vollständigen Impfschutz bescheinigt ihr die App. Der sei erst am 16. Januar erreicht, also 14 Tage von der letzten Impfung aus gerechnet. Eigentlich wollte die 64-Jährige aus einem Aalener Teilort diese Woche gerne die Limes-Thermen besuchen. Doch da dort die 2Gplus-Regel gilt, kommt sie vor dem 16. Januar nicht ins Bad. Und dann auch nur mit zusätzlichem Test. Obwohl sie doch geboostert ist.

Ihre ganze Geschichte in der Zusammenfassung: Am 28. Januar 2021 wird sie per PCR-Test positiv auf das Corona-Virus getestet. Nach der überstandenen Infektion besorgt sie sich im April 2021 eine Genesenenbescheinigung. Die ist noch nicht digital, enthält keinen QR-Code zum Einscannen. Denn die CovPass-App oder Ähnliches gibt es damals noch nicht.

Am 5. August 2021 lässt sie sich im Kreisimpfzentrum in Aalen impfen. Zu der Zeit gibt es bereits die digitalen Impfnachweise. Den Ausdruck mit QR-Code bekommt sie im Impfzentrum. Da sie vorher gesagt hat, dass sie genesen ist und ihre Bescheinigung mitgebracht hat, stellt man ihr das Zertifikat aus, so als ob es sich um ihre zweite Impfung gehandelt hätte. Sie scannt zu Hause den Code in der App ein und gilt 14 Tage später als vollständig geimpft. Mit dem Smartphone in der Hand erhält sie überall Zutritt, wo ein Nachweis gefordert wird.

Hier sei schon ein Fehler passiert, sagt Frank Eickmann, der Pressesprecher des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg. Eigentlich hätte man ihr ein sogenanntes Impfzertifikat für Genesene ausstellen müssen. Aber der Fehler sei nicht weiter schlimm und hätte auch keine Auswirkungen auf das aktuelle Problem der SchwäPo-Leserin. Denn das tritt erst nach der Auffrischungsimpfung auf. Die bekommt die 64-Jährige am 2. Januar in einer Hausarztpraxis.

Ein digitales Impfzertifikat lässt sich die SchwäPo-Leserin diese Woche dann in einer Aalener Apotheke ausstellen. Als das in der App nicht richtig angezeigt wird, fragt sie in mehreren Apotheken nach und bekommt zuletzt ein neues Impfzertifikat ausgestellt. Darin ist vermerkt, dass sie zwei Impfungen erhalten hat und dass es sich bei der aktuellsten um eine Auffrischung gehandelt hat. Doch die App zeigt das immer noch nicht richtig an. „Wie bescheuert ist denn das?“, fragt sie und fügt an: „Es muss doch irgendeine Lösung geben!“

Von Pontius zu Pilatus: Auf der Suche nach einer Lösung geht sie nicht nur in mehrere Apotheken, sondern auch ins Kreisimpfzentrum und noch einmal in die Hausarztpraxis, wo sie sie Auffrischungsimpfung bekommen hat. Sie ruft beim Gesundheitsministerium in Berlin an, beim Sozialministerium in Stuttgart und auch beim Landratsamt in Aalen. Niemand kann helfen.

So ähnlich geht es auch der SchwäPo bei der Recherche zum Thema. Vielerorts ist das Problem nicht bekannt. Mancherorts versteht man gar nicht, wo das Problem überhaupt liegt.

Problem schon Wochen bekannt: „Wir kennen das Problem“, sagt schließlich Frank Eickmann vom Landesapothekerverband. Er fügt an: „Die Verantwortung liegt bei den App-Betreibern.“ Weder die Corona-Warn-App noch die CovPass-App können ihm zufolge eine Booster-Impfung richtig anzeigen, wenn die Booster-Impfung nicht die dritte Impfung gewesen ist. Das betreffe nicht nur Patientinnen und Patienten wie die 64-jährige SchwäPo-Leserin, die eine Corona-Infektion durchgemacht haben, sondern auch alle, die den Impfstoff von „Johnson & Johnson“ erhalten haben.

Zum Hintergrund: Schon eine Impfung mit diesem Vakzin reicht, um als vollständig geimpft zu gelten. Seit Herbst empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) aber allen, die diesen Impfstoff erhalten haben, mit einem mRNA-Impfstoff aufzufrischen. Wer dem nachkommt, hat das gleiche Problem wie die Frau aus dem Aalener Teilort. Da die Auffrischungsimpfung nicht die dritte Impfung ist, erkennen die Apps nicht, dass es sich um eine Auffrischungsimpfung handelt. Die Apps machen dabei zwei Fehler, erläutert Frank Eickmann. Zum einen würden die Apps den vollständigen Impfschutz erst nach 14 Tagen bestätigen. Eine dritte Impfung wird dagegen sofort als vollständig angezeigt. Doch auch wenn die 14 Tage abgelaufen seien, sagt der Pressesprecher des Landesapothekerverbands, würde die Impfung zwar als vollständig angezeigt, nicht aber, dass es sich um eine Booster-Impfung handelt.

„Das Problem ist seit Wochen bekannt“, sagt Frank Eickmann. Es sei auch dem Robert-Koch-Institut (RKI) vorgetragen worden. Zum Hintergrund: Das RKI zeichnet verantwortlich für die Corona-Warn- und für die CovPass-App. Der Landesapothekerverband habe gehofft, dass das Problem mit einer kürzlich erfolgten Aktualisierung der Apps behoben wird. Doch dem sei nicht so gewesen. Bleibt nur die Hoffnung, dass es bald eine weitere Aktualisierung gibt.

"Es muss doch eine Lösung geben!“

SchwäPo-Leserin, kann Impfstatus nicht nachweisen

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