Probleme auf der Baustelle Bildungscampus Braunenberg

+
Baustelle Bildungscampus Braunenberg in Wasseralfingen von oben gesehen: In der Vergangenheit gab es Probleme. Ein neuer Projektsteuerer soll Abhilfe schaffen. Foto: Oliver Giers
  • schließen

Mehrkosten und Zeitverzug: In der Vergangenheit ist nicht alles rund gelaufen. Ein neuer Projektsteuerer soll's nun richten.

Aalen

Die genauen Hintergründe hat der Gemeinderat erst in nichtöffentlicher Sitzung besprochen. In öffentlicher Sitzung wurde trotzdem deutlich, dass es auf der Baustelle Bildungscampus Braunenberg in Wasseralfingen Probleme gibt. Zwischen den Zeilen klang durch, dass die Beteiligten den Architekten dafür verantwortlich machen.

Baubürgermeister Wolfgang Steidle stellte dem Gremium Valentin Brenner vom Büro Brenner aus Ellwangen als neuen Projektsteuerer vor. „In der Vergangenheit ist nicht immer alles rund gelaufen“, sagte Brenner. Er sei seit Januar am Projekt beteiligt. „Ich versuche Ordnung reinzubringen, was die Kosten angeht.“ In der Hinsicht gab es in dieser Sitzung keine guten Nachrichten für die Rätinnen und Räte.

Sie hatten über Vergaben von weiteren Arbeiten zu entscheiden, und zwar für fünf Gewerke, nämlich Dachabdichtungsarbeiten, Estricharbeiten, Trockenbauarbeiten, Fenster einschließlich Sonnenschutz und den Aufzug. Bei vier Gewerken ergab die Ausschreibung wesentlich teurere Ergebnisse, als zunächst berechnet.

Laut Brenner lag das nicht nur an der allgemeinen Kostensteigerung im Bausektor. Teilweise führte er die Abweichung auch auf geänderte Pläne zurück. Zum Beispiel wird der Estrich nun nicht mehr nur im neuen Gebäude verlegt. Auch das Bestandsgebäude bekommt einen neuen Estrich. Weil man im Zeitplan hinterherhinke, habe man sich für einen Zement entschieden, der schneller abbindet, der aber auch teurer sei. Beim Aufzug sei man zunächst von einem Standartaufzug ausgegangen. Doch nun soll ein Aufzug her, der Türen an drei Seiten hat. „Der Architekt hat das planerisch nicht anders hinbekommen“, sagte Brenner. „Das ist so komplex, dass es nur ein Unternehmen hinkriegt.“

Die Ausschreibungsergebnisse wurden dem Gemeinderat vor der Sitzung auf den Tisch gelegt. Sonst ist es üblich, dass Sitzungsunterlagen eine Woche vor der Sitzung zur Verfügung stehen, damit sich die Rätinnen und Räte vorbereiten und sich in den Fraktionen besprechen können. Brenner erläuterte dazu, dass man die Fristen in der Ausschreibung verkürzt habe, um eine Stoffpreisklausel zu umgehen. Hintergrund: Mit einer solchen Klausel könnten die Bauunternehmer hinterher mehr Geld fordern, wenn die Einkaufspreise für die Baumaterialien zwischenzeitlich weiter gestiegen sind. Ohne eine solche Klausel drängt aber die Zeit. „Deswegen müssen wir heute entscheiden“, sagte Brenner.

Auch die Gesamtkosten für das Projekt waren Thema. In der Sitzungsvorlage heißt es, „dass die ursprünglich vom Architekturbüro für den Baubeschluss bereitgestellte Kostenberechnung derzeit einer eingehenden Prüfung unterliegt“. Bis zur nächsten Sitzung könne er mehr sagen, so Brenner. 8,1 Millionen Euro hat der Gemeinderat mit Baubeschluss für den Bildungscampus Braunenberg bewilligt. Laut Sitzungsvorlage ist mit Mehrkosten von 50 Prozent zu rechnen. Das würde also Gesamtkosten von etwa 12,15 Millionen Euro bedeuten.

Auch was den Zeitplan angeht, hatte Brenner keine guten Nachrichten dabei. Auf Nachfrage von Sigrun Huber-Ronecker (Grüne) sagte er, dass die Beteiligten sehr kämpfen müssten, um den anvisierten Fertigstellungstermin im Juni 2023 zu schaffen, wenn es den überhaupt möglich sei. „Die Chance liegt bei unter 50 Prozent, dass wir es schaffen“, sagte Brenner. So reagierten die Fraktionen:

Sigrun Huber-Ronecker (Grüne) nannte die Vorgänge „sehr, sehr bedauerlich.“

Thomas Wagenblast (CDU) kündigte die Zustimmung seiner Fraktion an, allerdings „mit der Faust in der Tasche“.

Karl-Heinz Vandrey (SPD) sagte: „Wir sehen das ähnlich.“ Das Projekt aber sei super und außerdem nicht mehr aufzuhalten. „Wir werden zustimmen.“

Thomas Rühl (Freie Wähler) äußerte seinen Unmut darüber, dass das Gremium „plötzlich über mehrere Millionen abstimmen soll.“

Bei einer Gegenstimme (Thomas Rühl) vergab der Gemeinderat mehrheitlich die Arbeiten.

Ich versuche Ordnung reinzubringen, was die Kosten angeht.“

Valentin Brenner, Projektsteuerer

Das Bauprojekt in Wasseralfingen

An der Grundschule entsteht eine neue Kita und eine gemeinsame Mensa und Aula. So wird aus der Braunenbergschule ein Bildungscampus.

Baustelle des Bildungscampus Braunenberg in Wasseralfingen.
Baustelle des Bildungscampus Braunenberg in Wasseralfingen.

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema

Kommentare