Protest-Pakete der Einzelhändler kommen ungeöffnet zurück

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Die aus Berlin und Stuttgart zurückgeschickten Pakete werden im Lager des Bettenhauses Krauss gesammelt. Mitarbeiter Hans-Jörg Mayer stapelt die rund zwölf Retouren. Die Ware soll gespendet werden.
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Der Lockdown-Protest der Aalener Händler könnte durch die Öffnungsstrategie kurz vor dem Ende stehen. Was passiert mit den Paketen? Alfred Krauss will seine Ware spenden.

Aalen

Im Laden des Aalener Bettenhauses Krauss stapeln sich Pakete. Seit fast drei Wochen schicken Aalener Händler täglich "wertlos gewordene Waren", wie es Alfred Krauss beschreibt, nach Stuttgart in die Staatskanzlei und nach Berlin ins Kanzleramt. Mit dieser Protestaktion wollen die Einzelhändler auf ihre Situation aufmerksam machen.

Doch nun sammeln sich die Rücksendungen im Lager des Bettengeschäftes. Die Pakete kommen sowohl aus Stuttgart als auch aus Berlin ungeöffnet zurück. Das Porto für die Rücksendung hat Krauss jedoch nicht bezahlt. Der Chef des Bettenhauses erwartet in den kommenden Tagen noch mehr Retouren. Ungefähr die Hälfte der versendeten Pakete sei bislang zurück. Pro Woche verschickt er vier bis fünf Pakete jeweils nach Stuttgart und Berlin.

Die Botschaft der Händler kommt an, heißt es auf Anfrage beim baden-württembergischen Staatsministerium. Die Ware jedoch bleibt, wo sie ist – unberührt und ungesehen. "Die Pakete werden ungeöffnet zurückgeschickt", teilt ein Sprecher des Staatsministeriums mit. Was nicht bestellt wurde, werde an den Absender zurückgeschickt.

Für Alfred Krauss kein Grund, die Aktion abzubrechen: "Wir schicken trotzdem weiter, so lange, bis wir wieder öffnen dürfen", sagt er. Dass die Ware nicht einmal ausgepackt wird, stört ihn nicht. Es sei klar gewesen, dass Ministerpräsident Winfried Kretschmann die zuletzt verschickten Schlafanzüge nicht selbst trage, scherzt Krauss. Wenn das Land die Ware nicht spende, werde er es eben selbst tun. Wohin er spenden will, steht noch offen. Erst einmal werden alle Retouren gesammelt.

Ganz unbeachtet sei die Protest-Aktion dennoch nicht gewesen, heißt es von Seiten des Sozialministeriums. Natürlich habe man die Aktion zur Kenntnis genommen. Zwei Pakete habe der Sprecher sogar im Büro des Ministerpräsidenten gesehen. "Wir sehen die Nöte des Einzelhandels, deshalb wird es nun auch Öffnungsperspektiven geben", so der Sprecher.

Die Pakete werden ungeöffnet zurückgeschickt.

Sprecher Staatsministerium

Mögliche Öffnung ab Montag

Auch wenn sich nach dem Bund-Länder-Beschluss am Mittwoch nun erste Lockerungen für den Einzelhandel abzeichnen, will Alfred Krauss vorerst weiter Pakete verschicken. Erst wenn die Verordnung des Landes veröffentlicht und damit klar ist, wie es ab Montag wirklich weitergeht, könne er sich vorstellen, die Protest-Aktion zu beenden. Noch ist die schriftliche Verordnung des Landes nicht verfasst.

Die Öffnungsstrategie soll an den Inzidenzwert des jeweiligen Landkreises gekoppelt werden. Betrachtet man den Ostalbkreis, der Stand Donnerstag mit einer 7-Tage-Inzidenz von 34 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner stabil unter 50 liegt, könnte der Einzelhandel ab Montag öffnen – mit strengen Kundenbegrenzungen.

Bei einem Wert über der 50er-Marke könne lediglich das Einkaufen mit Terminvereinbarung angeboten werden. "Vielen Händlern hilft das ‘click and meet' noch nicht wirklich", sagt Krauss. Wer vereinbare schon für ein T-Shirt einen Termin? Dennoch: Auch das sei ein erster Schritt für den Handel.

Die Details will Ministerpräsident Kretschmann an diesem Freitag im Landtag abstimmen. "Dazu gehört dann auch die Frage, wie wir mit den Regionen umgehen und der drohenden Gefahr des Einkaufstourismus, wenn die eine Region öffnet und die Nachbarregionen noch zu haben", so Kretschmann am Donnerstagnachmittag.

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