Psychisch auffälliger Aalener soll Betreuer bekommen

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Kräfte des Spezialeinsatzkommandos beim Einsatz gegen den Mann im vergangenen September.
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Amtsgerichtsleiter Martin Reuff sieht im Fall des psychisch kranken 40-Jährigen "eine neue Dynamik". Ein Freiheitsentzug ist für den Betroffenen nicht geplant.

Aalen

Eine Nachbarschaft in Angst und Schrecken, zwei Einsätze des Spezialeinsatzkommandos der Polizei (SEK) und vergangene Woche eine erneute Festnahme - ein 40-jähriger Aalener ist seit geraumer Zeit mit seinem Verhalten auffällig. Aktuell befindet er sich im Zentrum für Psychiatrie in Winnenden, so der Stand von Martin Reuff, Leiter des Amtsgerichts Aalen. Bis Ende Januar soll er dort noch in Behandlung sein, wie es danach weitergeht, ist größtenteils offen. Sicher ist jedoch: Der 40-Jährige wird einen Betreuer erhalten. Ob sich das Verhalten des Betroffenen bessert oder ob und wie er weiter behandelt werden muss, entscheidet dieser Betreuer - "zusammen mit der betroffenen Person", ergänzt Reuff.

Psychisch kranker Aalener löst zwei SEK-Einsätze aus

Wie es für den 40-Jährigen im Februar weitergeht, ist also nicht sicher. Was er in der Vergangenheit getan hat, ist jedoch bekannt: Mitte August 2021 bedroht er zum ersten Mal eine Wohnungsnachbarin mit dem Leben. Bewaffnet mit einem Messer hält er die Polizei stundenlang in Schach. Letztendlich wird er festgenommen - doch bereits im Monat darauf löst er den nächsten SEK-Einsatz aus. Mit nacktem Oberkörper und wieder mit einer Klinge bewaffnet, betritt er ein Einkaufscenter in Aalen, bedroht dort die Angestellten. Das Spezialkommando stürmt das Gebäude und nimmt den 40-Jährigen erneut fest.

Der jüngste Vorfall um den Betroffenen ereignete sich am vergangenen Mittwoch. Bewaffnet mit einem Schlagstock, einem selbst gebautem Faustmesser und noch einer weiteren selbst gebauten Waffe hält er mehrere Polizeistreifen auf dem Aalener Marktplatz in Atem, verletzt dabei zwei Beamte. Nur unter massivem Widerstand des 40-Jährigen gelingt den Einsatzkräften die Festnahme.

"Eine neue Dynamik"

Alle drei Vorfälle endeten für den Betroffenen in einer Fachklinik. Dass es wieder vorkam, "das gibt der Sache natürlich eine neue Dynamik", sagt Amtsgerichtsleiter Reuff, "das zeigt, dass sich die Störungen nicht von allein legen". Die Reaktion: Der 40-Jährige erhält einen Betreuer. Dieser kann auch entscheiden, ob für den Betroffenen eine weitere Behandlung, auch eine stationäre, nötig ist. Wie oft sich Betreuer und Betroffener sehen oder, ob sie sich persönlich oder telefonisch treffen, das gibt das Gesetz nicht vor. Das werde "ganz nach Bedarf" geregelt, so Reuff. Es gehe darum, den Mann zu erreichen. Nimmt er das Betreuungsangebot nicht wahr, "kann man Mittel und Wege suchen, damit das möglichst passiert", sagt der Leiter des Aalener Amtsgerichts.

Vertrauen in Rechtsstaat verloren

Wie sich der Mann verhält, wenn er zu Hause ist, berichtet eine Nachbarin: "Uns geht es gesundheitlich nicht gut, insbesondere durch die ständigen Nachtruhestörungen." Während der Weihnachtszeit, vor der jüngsten Festnahme des Mannes, hätten sie und die anderen Bewohner fünf Mal die Polizei gerufen. Er werfe Steine in seiner Wohnung umher. Mit einem Schlagstock hätten ihn unterschiedliche Personen an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten gesehen. Dass sich an der Situation augenscheinlich nichts ändere, sorgt für Frust unter den Bewohnern: "Bei uns ist das Vertrauen in Polizei, Behörden und Ämter und an den Rechtsstaat und demokratischen Staat komplett verloren gegangen."

Die Stadtverwaltung unternehme derweil das Möglichste, damit der Fall für alle Beteiligten zu einer schnellen Lösung kommt, sagt Stadtsprecherin Karin Haisch auf Nachfrage. "Unser Antrag vom Oktober 2021 auf eine dauerhafte Unterbringung in einer geeigneten Einrichtung ist aktuell beim Amtsgericht in Bearbeitung."

Hilfe ist oberstes Ziel

Doch den psychisch Kranken einfach wegsperren geht nicht. Das oberste Ziel sei, ihm zu helfen. "Wenn man der Person helfen kann, ist das im Sinne aller", sagt Reuff. Denn dann sei er keine Gefahr mehr für andere. "Was seither passiert ist", spiele eine Rolle bei der Wahl der Maßnahmen, die in solchen Fällen angewandt werden. Man könne daraus Prognosen für das weitere Verhalten und die daraus resultierende Gefahr bilden. Auch wenn Waffen im Spiel sind - was mit diesen Waffen passiert, sei wichtig, sagt Reuff: "Läuft er nur damit rum oder setzt er sie ein?" Und zu Letzterem sei es bislang nicht gekommen.

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