Quantensprung für Radler in Aalen

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Der Altstadtring (rot) ist eine Radwegeverbindung um die Innenstadt mit Anschluss an die weiterführenden Radwegeverbindungen Richtung Heidenheim, Ellwangen und Gmünd. Achtung: Die Karte ist nicht genordet! Grafik: Carmen Apprich; Quelle:Planungsbüro VAR+
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Zehn Millionen Euro will die Stadt bis 2024 in den Ausbau des Radverkehrs in Aalen investieren. Der Altstadtring hat Priorität. Welche weiteren Projekte wichtig sind.

Aalen

Es ist ein gewaltiges Zeichen für den Radverkehr in Aalen: Die Stadt will bis zum Jahr 2024 insgesamt zehn Millionen Euro – je zwei Millionen Euro jährlich – in den Ausbau der Radinfrastruktur stecken. Beabsichtigtes Ziel: durchgängige und vernetzte Radwege für Alltags- und Freizeitradler sowie Berufspendler. Ein Radwegenetz mit schlüssigen Anknüpfungen an die Teilorte und an die Radwegeschnellverbindungen Richtung Heidenheim, Schwäbisch Gmünd, Ellwangen und aufs Härtsfeld. Verkehrsplaner Uwe Petry vom Büro VAR+ hat in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Technik, und Stadtentwicklung (AUST) Faden geschlagen und vorgestellt, welche Weichen bereits gestellt sind.

672 Vorschläge insgesamt zur Umsetzung in den Jahren 2020 bis 2022 liegen schon vor für das Radverkehrskonzept im gesamten Stadtgebiet. Jetzt, so OB Thilo Rentschler, gehe es erst einmal darum, eine Prioritätenliste aufzustellen. Dazu sollen die Vorschläge erst einmal in den Ortschaftsräten der Teilgemeinden beraten und gefiltert werden.

Vorrangig soll der Altstadtring für Radfahrer verwirklicht werden. Heißt: Für Radfahrer wird ein enger 1,4 Kilometer langer Zirkel um die Innenstadt geschlagen – auf den Straßen Nördlicher Stadtgraben, Bahnhofstraße, Stuttgarter Straße, Gmünder Straße und Westlicher Stadtgraben. Dieser Altstadtring (siehe abgebildete Grafik) soll gleichzeitig gut an die weiterführenden Radwegeverbindungen angebunden sein.

Altstadtring – die geschätzten Kosten liegen mit rund 1,6 Millionen Euro erstaunlich hoch. Grund: Laut Verkehrsplaner Uwe Petry hängt das Gesamtkonzept eng mit Umgestaltung bzw. Rückbau der Stuttgarter Straße und der Friedrichstraße zusammen. Bis Ende 2025 könnte das Konzept umgesetzt sein.

Altstadtring – Zwischenlösung: Bis der Altstadtring fertiggestellt ist, werden laut Einschätzung der Stadtverwaltung fünf Jahre ins Land gehen. Darum ist in der Stuttgarter Straße folgende Zwischenlösung angedacht: Der Parkstreifen (hinterm Rathaus) könnte schon in diesem Jahr entfallen, zugunsten eines kombinierten Geh- und Radwegs. Ziel ist eine bauliche Trennung zwischen Radfahrern und motorisiertem Verkehr bis Ende 2020. Kosten: rund 350 000 Euro.

Was sonst noch wann geplant ist – die sieben wichtigsten Projekte für den Ausbau des Radverkehrs in Aalen:

1 Radweg am Kocher: Lückenschluss zwischen Burgstall- und Industriestraße, auf dem alten Gleisbett. Umsetzung in 2020, Kosten ca. 380 000 Euro.

2 Von der Innenstadt zum Radweg am Kocher – über die Wilhelm-Merz-Straße, am Landratsamt vorbei. Geschätzte Kosten: 160 000 Euro.

3 Von der Innenstadt zur Ziegelstraße/Grauleshof: Unterführung unter der Ziegelstraße in die Ketteler Straße und Durchstich an der Ostrampe der Hochbrücke; bis 2022 könnte das Vorhaben umgesetzt sein.

4 Neue Radwegebrücke über den Kocher als Lückenschluss zwischen den Bauabschnitten Industriestraße und Kochertalstraße. Bau voraussichtlich in 2021. Geschätzte Kosten: 350 000 Euro.

5 Alte Heidenheimer Straße sicherer für Radfahrer: Zwischen der Unterführung "Neue Welt" und der künftigen Unterführung Walkstraße soll der Radverkehr 800 Meter auf dem alten Bahngleis geführt werden. Der Bau ist zwischen 2021 und 2025 geplant, kann aber erst beginnen, wenn die Bahnunterführung Walkstraße gebaut ist.

6 Von der Oberen Bahnstraße bis zur Robert-Bosch-Straße: Dafür existieren derzeit drei Planungsvarianten, über die der Gemeinderat laut Stadtverwaltung im zweiten Quartal 2020 diskutieren soll.

7 Radwegeverbindung aufs Härtsfeld: Ob die Schätteretrasse künftig für Radfahrer freigegeben wird, machen Stadtverwaltung und Gemeinderat vom Ergebnis mehrerer in Auftrag gegebener Gutachten abhängig. Eines davon ist eine artenschutzrechtliche Untersuchung des Kocherburgtunnels. Das Ergebnis der Gutachten soll am 6. Februar im Ausschusses für Umwelt, Technik und Stadtentwicklung vorgestellt werden.

Die Beschilderung für Radfahrer im Stadtgebiet ist fast fertig. An über 2000 Stellen seien insgesamt etwa 6000 Schilder montiert worden.

Zwei neue Radwege: Fertiggestellt ist der Radweg von der Osterbucher Steige zum Lauchhof und der "Radweg Steinfurt" von Fachsenfeld nach Dewangen.

Zehn Millionen Euro will die Stadt bis 2024 in den Ausbau des Radverkehrs in Aalen investieren.

So reagieren CDU, SPD und Grüne auf den vorgeschlagenen Radwege-Ausbau

Thomas Wagenblast (CDU) meint, dass man im Zeitalter der E-Bikes noch viel mehr die Radwegeverbindungen in den Teilorten, und zwischen Teilorten und Kernstadt diskutieren müsse. Denn: "Mit E- Antrieb kann man viel mehr Kilometer machen." Für die Gliederung der Maßnahmen in einer Prioritätenliste sollte die Unfallhäufigkeit auf bestimmten Strecken als ein wichtiges Kriterium gewertet werden.

Albrecht Schmid (SPD) weiß, dass viele Firmen und Betriebe an einer entsprechenden Infrastruktur für ihre Rad fahrenden Mitarbeiter interessiert seien. "Mit diesen Betrieben könnte sich die Stadtverwaltung für eine mögliche Kooperation in Verbindung setzen", regte Schmid an. Von ihm kommt auch der Impuls, den Nördlichen Stadtgraben und die Stuttgarter Straße als Pilotprojekt für einen Shared Space zu nutzen. Gemeint ist ein gemeinsamer Verkehrsraum, in dem Fußgänger, Radfahrer und der motorisierte Verkehr gleichberechtigt sind.

Michael Fleischer (Grüne) ist überzeugt davon, dass der Ausbau des Radverkehrs kein Nischenthema mehr ist, sondern in allen Schichten der Bevölkerung stark nachgefragt ist. Er schlägt vor, die Vorschläge der Stadtverwaltung erst gesondert in den Fraktionen zu besprechen und anschließend das weitere Vorgehen zu diskutieren. "Es geht darum, ob wir alle Maßnahmen genau so wie vorgeschlagen abwickeln, oder an der einen oder anderen Stelle noch nachjustieren wollen", sagt Fleischer. "Was wir nicht wollen ist, dass uns ein Ordner voller Maßnahmen vorgelegt wird, den wir eins zu eins abnicken sollen." UW

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