Queer*a: Für mehr Toleranz in Aalen

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Larah Fritz ist Gründerin des Aalener Vereins Queer*a.
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Larah Fritz hat einen Verein gegründet, bei dem Menschen aus der LGBTQ+-Gemeinschaft eine Anlaufstelle finden.

Aalen

Larah Fritz ist eine von über 6000 Studierenden an der Hochschule Aalen, sie hat ein freundliches Gesicht und eine offene Art. Und: Es ist nicht ungewöhnlich für sie, schief angeschaut zu werden, mehr als einmal kam es vor, dass Leute Dinge wie "Pfui" sagen, wenn sie an ihr vorbeigehen, dass sie angespuckt oder betatscht wird. Sogar vermeintliche Freunde wendeten sich von ihr ab.

Der Grund: Sie ist bisexuell. Ihre Erzählungen zeigen, dass es auch im Jahr 2021 Menschen in der Region gibt, die es nicht tolerieren, dass zwei Personen des gleichen Geschlechts als Paar in der Öffentlichkeit unterwegs sind.

Suche nach Austausch

Als die 25-Jährige vor etwa zwei Jahren ihr Studium in Aalen aufnahm, vermisste sie Möglichkeiten zum Austausch mit Menschen, die ebenfalls "queer" sind. "Ich habe geschaut, ob es an der Hochschule solche Angebote gibt", erinnert sich Larah. Weil das nicht der Fall war, wurde sie selbst aktiv. Im November 2020 gründete sie den Verein Queer*a. Er stellt eine Möglichkeit zum Austausch von Studierenden der Hochschule Aalen dar, die Teil der LGBTQ+-Gemeinschaft sind, oder diese unterstützen möchten. Das englische Akronym LGBTQ steht auf Deutsch für lesbisch, schwul, bisexuell, trans und queer. Das Plus schließt alle weiteren Geschlechteridentitäten und Sexualitäten mit ein.

Auf die Frage, weshalb sie sich so sehr für die Gruppe engagiert, hat Lara eine klare Antwort: "Weil man mit Menschen reden will, die einen verstehen", sagt sie. Gerade für Studierende sei das wichtig. "Da ist man in einer Lebensphase, in der erwartet wird, dass man zeigt, wer man ist." Etwa ein Dutzend Menschen seien bei Queer*a derzeit aktiv. "Da sind aber auch welche dabei, die hetero sind und sich einfach für unsere Community einsetzen wollen", ergänzt sie.

Anzeige aussichtslos

Ursprünglich kommt Larah aus Mittelhessen, wohnte dann in Stuttgart und entschloss sich schließlich dazu, in Aalen Wirtschaftspsychologie zu studieren. Unter anderem, weil ihr die Ruhe auf der Ostalb gefiel. Nicht verwunderlich, wenn man hört, was sie in der Landeshauptstadt erlebt hat. "Ich war mit einer anderen Frau unterwegs, dann hat mich ein Mann angegrapscht", erinnert sie sich. "Er meinte, dass ich wohl einfach noch nie einen 'richtigen' Mann gehabt hätte." Eine Polizeistreife in der Nähe habe ihr schließlich davon abgeraten, Anzeige zu erstatten, weil diese wenig erfolgsversprechend sei.

In Aalen gebe es zwar keine tätlichen Angriffe, aber schiefe Blicke, mit denen Larah leben muss. "Das sind meistens ältere Menschen", erzählt sie. Bei den Blicken bleibe es aber nicht. "Sie sagen dann eben 'Lesbe' oder 'Pfui', wenn sie an mir vorbeigehen."

Doch nicht nur von fremden Menschen wird sie angefeindet. "Ich hatte einen Freund, der wusste nicht, dass ich bi bin", erzählt Larah. In einem Gespräch habe er schließlich erwähnt, dass "die ja alle krank sind", und meinte damit Menschen aus der LGBTQ+-Gemeinschaft. "Ich habe dann erstmal Fragen dazu gestellt, weil ich Angst hatte, zu sagen, dass ich sozusagen auch so eine bin."

Er habe sich immer weiter reingeredet und sich auf das Christentum berufen. Schließlich habe Gott nicht ohne Grund Mann und Frau erschaffen. "Aber Gott hat mich geschaffen", sagt Larah. Und fügt lachend hinzu: "Gut, Gott hat mich für Mann und Frau geschaffen." Als sie am Ende des Gespräches erzählte, dass sie selbst bi ist, entgegnete ihr Freund: "Ich hasse dich jetzt ja nicht." Der Freundschaft hielt dieses Gespräch nicht stand.

Auch wenn Larah eine Anlaufstelle für andere queere Menschen schaffen möchte, habe ihre Arbeit dort auch das Verhältnis zur Familie bereichert. "Vorher haben wir eigentlich nicht darüber geredet, dass ich bi bin", sagt sie. Durch ihr Engagement bei Queer*a habe sich das geändert. Und die Familie stehe dem Projekt positiv gegenüber.

Larahbetont oft, dass sie und andere queere Menschen niemandem etwas wegnehmen möchten. Und sie zeigt sogar Verständnis für Leute, die sie ablehnen. "Das ist ja oft kein Hass, sondern etwas, das sie nicht kennen", sagt sie. Sie wünscht sich, Dinge tun zu können, die andere auch können. Etwa ohne Anfeindungen zu leben. "Ich bin ganz normal, ich bin einfach nur anwesend.

  • Was bedeutet LGBTQ+?
  • Auf Englisch steht LGBTQ für Lesbian, Gay, Bi, Trans, Queer und Intersex.
  • Das bedeutet im Einzelnen: 

  • L: "Lesbians", also lesbische Frauen
  • G: "Gays", also schwule Männer 
  • B: "Bisexuals", also Frauen oder Männer, die sich zu beiden Geschlechtern hingezogen fühlen
  • T: "Transgender", also Menschen, die sich mit ihrem angeborenen Geschlecht nicht identifizieren.
  • Q: "Queer" gilt als Oberbegriff für Menschen, deren geschlechtliche Identität oder sexuelle Orientierung von der heteronormativen Norm abweichen. In der Vergangenheit wurde das Wort "queer" (zu Deutsch: seltsam, sonderbar) als Beleidigung genutzt.
  • Das Plus schließt alle weiteren Geschlechtsidentitäten mit ein.

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