Radfahren boomt in der Krise

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Zusammen Sport treiben, die Geselligkeit pflegen und schöne Aussichten genießen – wie zum Beispiel hier an der Schättere: Diese und weitere Gründe sprechen fürs Fahrradfahren. Wie reagieren Aalener Fahrradhändler auf den "Boom"? Archivfotos: Oliver Giers
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Aalener Fahrradhändler könnten Gewinner in der Corona-Krise sein, wenn es da nicht die Lieferengpässe gebe.

Aalen

Das Fahrradfahren boomt, keine Frage. Auf den Radwegen ist seit Frühlingsbeginn mehr los denn je. Corona sei Dank blieb vielen nicht sehr viel mehr übrig als spazieren, Gartenarbeit oder eben die Fahrradtour. Manch einer hat den Sport für sich entdeckt. Das spielt den Aalener Fahrradhändlern in die Karten, sie könnten die großen Gewinner der Corona-Krise sein. Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht.

"Wir könnten mit deutlich Gewinn rausgehen", gibt Wendelin Gaiser von Radsport Gaiser zu. "Aber wir kriegen keine Ware." Die meisten Teile werden in Asien produziert. Das bedeutet für die Fahrradhändler hier konkret einen Lieferverzug von mindestens einem halben Jahr. Und das nicht nur bei Fahrrädern oder den immer beliebteren E-Bikes. Sondern auch bei Schlössern, Reifen und Pedalen gebe es Lieferprobleme. Die Nachfrage sei groß, das sei nicht zu bestreiten.

Schon vor Corona sei das Interesse an Fahrrädern groß gewesen, weiß Stephan Stütz von "Rad und Sport Stütz" in Unterkochen. Die Coronakrise habe das Ganze nur noch mehr befeuert. "Viele haben ihren Urlaub für dieses Jahr storniert und haben sich stattdessen ein Fahrrad gekauft und machen Urlaub im eigenen Lande", erzählt Wendelin Gaiser.

Von Ausverkauf spricht der Fahrradhändler nur deutlich in Anführungsstrichen. "Manche Modelle sind ausverkauft, da man sie einfach nicht mehr geliefert bekommt."

Das Kaufinteresse sei bei einfachen Freizeiträdern, Mountainbikes, E-Bikes oder Gravelbikes, also spezielle Rennräder, mit denen man auch Waldwege befahren kann, nahezu gleich hoch, das erzählt auch Stephan Stütz von "Rad und Sport Stütz" in Unterkochen. Wer zu ihm kommt, bekommt kein Rad vom Band, sondern eines, das nach Wunsch zusammengestellt wird. Da kann es schon mal sein, dass ein Kunde länger als gewöhnlich auf sein Rad oder insbesondere auf Ersatzteile warten muss – wenn diese aus Asien kommen. "Auch der Großhandel kämpft darum, die Teile zu bekommen", weiß Stütz.

Mehr als im Verkauf haben die Aalener Fahrradhändler aber momentan in ihren Werkstätten zu tun. "Wir haben Reparaturen ohne Ende", so Wendelin Gaiser. Viele hätten in den vergangenen Wochen ihre alten Drahtesel aus den Tiefen ihres Kellers geholt und die müssten jetzt repariert werden.

Gaiser nimmt für Reparaturen schon gar keine Räder mehr an, die nicht bei ihm gekauft wurden, sonst käme er gar nicht mehr hinterher, sagt er. "Hier könnte ich noch gut Unterstützung brauchen", aber gute Fahrradmonteure fielen eben auch nicht einfach so vom Himmel, so Gaiser.

Gemeinsam Fahrradfahren ist zu einer beliebten Freizeitbeschäftigung geworden.
Stephan StützFotos: privat
Wendelin Gaiser

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