Raus aus Aalen und ab in die Welt

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Die Wohnung ist leer. Matthias und Franziska Bartels sitzen kurz vor der Schlüsselübergabe auf Sitzkissen in ihrer Wohnung. Wenige Stunden später starten sie ihre Weltreise.
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Franziska und Matthias Bartels lassen alles hinter sich und wagen trotz Corona eine Weltreise. Immer auf der Suche nach einer Internetverbindung.

Aalen

Das Kapitel Aalen ist nun offiziell abgeschlossen. Franziska und Matthias Bartels haben alles aufgegeben: die Jobs, die Wohnung, den Alltag. Ihrem Traum steht nichts mehr im Weg: Die Weltreise kann losgehen.

Es ist Montag, 9 Uhr. In zwei Stunden übergibt das Paar den Wohnungsschlüssel an den Vermieter. Auf dem Boden im Wohnzimmer liegen nur noch drei Sitzkissen. Sonst ist die Wohnung leer. Drei Kisten sind bei Matthias Eltern untergebracht. Der Rest: verschenkt und verkauft. Bis sie das Auto Ende Oktober abgeben, gönnen sie sich den Luxus vom eigenen Auto noch. Danach gibt's nur noch die beiden und ihre Rucksäcke.

Die Reiseziele: "alles offen", sagt Matthias. Nur die erste Richtung steht: Rom. "Länger als vier Wochen planen wir aber nicht voraus", sagt Franziska. Diese Erfahrung haben sie bereits bei ihrer ersten Weltreise 2016 gemacht. Damals waren sie 13 Monate unterwegs. Wie lange sie dieses Mal durch die Welt tingeln, wollen sie sich offenlassen. Drei bis fünf Jahre könnten es schon werden. Vielleicht länger, vielleicht aber auch nicht. Ob es die beiden danach wieder nach Deutschland zurücktreibt? Auch dafür gibt es keine Pläne. Nur eins ist für Franziska klar: "Ich komme nicht zurück, wenn wir nicht in Neuseeland waren."

2,5 Jahre haben die 33-jährige Franziska und ihr 35-jähriger Mann Matthias in Aalen gelebt.

Matthias' Job bei Zeiss hatte das Paar damals ins Ländle geführt. Ursprünglich kommt er aus Niedersachsen, sie aus Potsdam. Als Psychotherapeutin hatte sich Franziska dann mit einer eigenen Praxis in der Aalener Innenstadt selbstständig gemacht. Nun lassen sie all das hinter sich.

Corona schreckt sie nicht ab

Ich habe keine Angst zu scheitern.

Franziska Bartels Psychotherapeutin und Reiselustige

Eine Route hat das Paar nicht. Spontanes Reisen, dafür schlägt ihr Herz. Wenn da nicht Corona wäre. Die Reise zu verschieben, daran hatte das Paar nur einen kurzen Moment gedacht. Aber wer wisse schon, wie es weitergeht. "Vielleicht ist es ja das neue Normal", sagt Franziska. Ganz so frei, wie sie sich ihre Reise vorgestellt haben, wird es aber wohl nicht. "Wir haben uns schon Gedanken gemacht: Wo willst du dann sein?", haben sie sich gefragt, falls es hart auf hart kommt. Zumindest die Versorgung sollte dann gewährleistet sein. Kein Land also, dass überfordert wäre. Wirklich schlimm wäre ein Lockdown aber nicht. "Solange es da Internet gibt ...", sagt Matthias. Denn, was für die beiden Weltenbummler neu ist: "Wie schaffen wir es, Geld zu verdienen?"

Ihrem Job als Psychotherapeutin will Franziska nun über Videokurse online weiter nachgehen. Neben ihren Ersparnissen, wollen sie sich die Reise überwiegend online finanzieren.

Auf ihrem Online-Blog, auf Youtube und Instagram wollen die Weltreisenden ihre Erlebnisse teilen. Die Blogbeiträge werfen kein Geld ab, könnten aber mit mehr Reichweite eine kleine finanzielle Säule bieten. Franziska schreibt die Texte, Matthias schneidet die Videos. Das sei aber mehr ein Hobby. Auf ihrem Blog geben sie konkrete Reisetipps: Wie läuft das Zugfahren in Indien, welche Kreditkarte ist geeignet, aber auch über Reisefrust zwischendurch erzählen sie offen. Das gehöre eben auch dazu.

Um ihre Beiträge zu teilen und ihr Online-Coaching unterwegs anzubieten, sind die beiden aufs Internet angewiesen. Auch, wenn sie sonst aufs Minimum beschränkt sind: Die Technik muss mit. Matthias simuliert, wie das aussieht: auf dem Rücken der große Backpackerrucksack und vorne auf dem Bauch der kleinere Technik-Rucksack mit Kamera und Laptop. Voll bepackt geht's in die weite Welt.

Mehr über Franziska und Matthias Bartels Reise online unter www.spontanumdiewelt.de

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