Reichsstädter Café in Aalen: endlich Weg frei für die Erweiterung?

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Das Reichsstädter Café (r. mit Balkon) will seit Jahren auf seiner Rückseite erweitern. Für dieses Vorhaben von Björn Ulrich und Markus Schäffler könnte sich jetzt eine neue Chance bieten. Fotos: Oliver Giers
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Die Pläne für einen Anbau an das „Reichsstädter“ liegen seit Jahren auf Eis. Warum der gordische Knoten jetzt endlich platzen könnte.

Aalen

Die rückseitige Erweiterung des „Reichsstädter Cafés“ zur Rittergasse hin liegt seit Jahren auf Eis. Letztendlich war es eine Garage der früheren Metzgerei Ruck, die die Investition seither blockierte. Jetzt endlich stehen die Chancen gut, dass der gordische Knoten platzt: Denn das Gebäude der inzwischen leer stehenden Metzgerei steht kurz vor dem Eigentümerwechsel. Und die Garage auf der Rückseite des Gebäudes, so heißt es aus sicherer Quelle, habe die Stadt Aalen bereits erworben. Damit hätte das „Reichsstädter Café“ für sein Vorhaben also nun eine neue Verhandlungsbasis.

Enorm viel Geduld

Manchmal gleicht die Innenstadtentwicklung einem Malefiz-Spiel, in dem sich die Akteure - in diesem Fall die Eigentümer von Grund und Boden - gegenseitig behindern und versuchen, dem Mitbewerber Blockiersteine in den Weg zu legen. Auf diese Weise wird willigen Investoren oft enorm viel Geduld abverlangt. Und es ist alles andere als selbstverständlich, wenn sie selbst nach Jahren des Stillstands noch an ihrem Projekt festhalten wollen.

Ein aktuelles Beispiel ist das Reichsstädter Café An der Stadtkirche 17. Schon vor rund zehn Jahren hatten die beiden Betreiber Björn Ulrich und Markus Schäffler vor, ihr inhabergeführtes und sehr gut laufendes Café zu erweitern. An die Rückseite wollen sie ein Millionenprojekt andocken: vier Etagen, unten Konditorei und Café, darüber Wohnen. Öffentlich bekannt wurde das Vorhaben im April 2015.

Die nötige Grundfläche zur Rittergasse hin hatten die Investoren damals schon erworben; ebenso das sogenannte Stelzer-Haus, ein inzwischen abgebrochenes altes schmales Gebäude mit Ziegelsteinfassaden, das ehemals Emil Stelzer gehörte, der früher an der Stadtkirche 5 (heute Kindermoden Brenner) sein Geschäft für Kinder- und Korbwagen sowie Kunstgewerbe betrieb.

Stadtverwaltung und Citymanagement begrüßten das Investitionshaben von Anbeginn. Zumal das Quartier Rittergasse und Östlicher Stadtgraben mit seiner uralten und maroden Bausubstanz und der tristen Hinterhofatmosphäre seit Jahrzehnten vielmehr abschreckend als einladend wirkt.

Bis zuletzt blockiert

Die Investoren des Reichsstädter Cafés machten ihre Hausaufgabe, modifizierten das ursprüngliche Bauvorhaben, verhandelten, planten weiter, verzichteten auf eine Unterkellerung der Straße und damit auf eine Tiefgarage und legten der Stadt nach und nach die erforderlichen überarbeitete Bauvoranfragen vor.

Doch die Investition wurde bis zuletzt blockiert: Die zum ehemaligen Gebäude Ruck gehörende Garage stand einer Erweiterung im Weg. Und alle bisherigen Versuche der Investoren, die Garage zu erwerben, um sie abzureißen zu können, scheiterten.

Neuer Fahrtwind

Jetzt aber ist die Stadt im Besitz der Garage. Jetzt könnte das Vorhaben neuen Fahrtwind aufnehmen. „Wenn die Stadt uns die Garage zum Kauf anbietet, könnten wir im Prinzip anfangen. Die Planungen bestehen noch“, sagt Björn Ulrich. Allerdings müsste man die Bausumme neu rechnen. „Und die Situation im Baugewerbe ist heute sehr unsicher“, gibt er zu bedenken.

Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle ist indes zuversichtlich, was die Entwicklung in der Rittergasse und dem sich anschließenden Östlichen Stadtgraben betrifft. „Es tut sich was. Wir sind mit Grundstückseigentümern in Gesprächen. Und die tragen jetzt Früchte - und zwar nicht nur, was das neue moderne Geschäftshaus anbelangt, in das die Familie Seibold im Östlichen Stadtgraben investiert.“ Manchmal, so Steidle, brauche es eben eine Initialzündung. Zur geplanten Café-Erweiterung meint er: „Ich gehe davon aus, dass es da weitergeht im Jahr 2023.“

Diese gefühlte Aufbruchstimmung lässt Citymanager Reinhard Skusa jubeln. „Neben dem modernen Geschäftshaus der Familie Seibold wäre auch die Erweiterung des Reichsstädter Cafés ein Quantensprung in diesem Innenstadtquartier.“

Stattliches Bürgerhaus in der Altstadt¶

Das Gebäude des Reichsstädter Cafés gilt als eines der architektonisch gelungensten Bürgerhäuser der Altstadt und als Kulturdenkmal.

Die geplante Erweiterung des Reichsstädter Cafés (hohes Ziegelsteinhaus) zur Rittergasse hin wurde seither blockiert von der Garage (Bildmitte) der vormaligen Metzgerei Ruck (weißes Haus).

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