Rentner in Haft, da räumt junge Freundin seine Konten leer

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48-Jährige Vorbestrafte wegen Untreue in 22 Fällen verurteilt.

Aalen. "Das war der Jackpot" erinnert sich vor dem Amtsgericht Aalen am Dienstag die Angeklagte an ihre Taten. Der "Jackpot" in Höhe von fast 40 000 Euro, den sich 2017 die heute 48-Jährige vom Konto ihres heute 82-Jährigen Bekannten holte, bleibt es aber nicht. Wegen Untreue in 22 Fällen wird die dreifache Oma am Ende der Verhandlung zu einem Jahr und sieben Monaten Haft unter dem Vorsitz von Richter Martin Reuff verurteilt. Auf Bewährung. Zum einem, weil die Frau gleich nach der Verlesung der Anklageschrift ihre Taten gesteht. Zum anderem auch, weil das Gericht der ehemaligen Kokain- und Alkoholabhängigen aktuell eine positive Sozialprognose erteilt.

Zahlreiche Delikte im Vorfeld, aufgehobene Bewährungen, drei Haftaufenthalte, der letzte 2015. Es hätte schlimmer kommen können für die Frau, die momentan in der Plochinger Gegend wohnt. Kennengelernt hat die Angeklagte den Geschädigten quasi auch aus dem Gefängnis heraus. Sie habe mit seiner Frau ihre Strafe abgesessen, erzählt sie. Als sie selbst entlassen war und von deren Tod erfuhr, habe sie den Witwer telefonisch ihr Beileid ausgesprochen. Die Frau sei noch nicht mal beerdigt gewesen, da habe der ältere Mann nach einem ersten Treffen schon nach ihr "gesabbert", so die Angeklagte. Eine Liebesbeziehung zwischen den beiden habe es nicht gegeben, versichert sie dem Richter.

Stattdessen aber eine finanzielle. Die Hartz-4-Empfängerin erzählt dem Witwer, sie sei süchtig nach Morphin. Erwähnt das Kokain und den Alkohol aber nicht. Er richtet ihr ein Konto ein, auf das monatlich 400 Euro eingehen, um sie "zu unterstützen", wie die Angeklagte aussagt. Von diesem kann sie abheben, aber vom Automaten aus auch Geld von dessen Konten draufbuchen, wie sie bemerkt. Als der Geschädigte ab September 2017 eine Haftstrafe antritt, die 400 Euro für sie ausbleiben, macht sie das auch. Immer wieder hebt die Angeklagte vorher umgebuchtes Geld ab. Offenbar anfangs ohne das Wissen des Rentners. Mal 100 Euro, mal auch 2000, wie die Staatsanwältin auflistet. Insgesamt 13 920 Euro in der Zeit vom 26. Oktober 2016 bis zum Tag der Haftentlassung des Seniors am 11. Juni 2017.

Sie sei auch aus der Gelegenheit heraus stark kokainabhängig geworden und habe sich damit "ihren Stoff geholt", erzählt die Angeklagte. Zuvor habe sie gelegentlich konsumiert.

Als der Geschädigte in Haft von den Abhebungen erfuhr, habe er sie angerufen und gebeten, es zu lassen. "Ich habe trotzdem weitergemacht", sagt diese. Daraufhin sei die Karte dann gesperrt worden.

Weil der 82-Jährige mittlerweile an Demenz erkrankt ist und in einer Pflegeeinrichtung lebt, habe man ihn gar nicht erst vorgeladen, so Richter Reuff. Stattdessen sagt dessen mittlerweile bestellter Betreuer als Zeuge aus. Er selbst habe die Strafanzeige gestellt wegen des Kontos, erzählt der 51-Jährige. Auch nach Rücksprache mit der Sozialarbeiterin, die sich schon im Gefängnis um den Geschädigten gekümmert hat und die Abhebungen letztendlich bemerkt hatte. Auch sie ist als Zeugin geladen, erscheint aber nicht. Räumungsklage der Wohnung, Zahlungsverpflichtungen wie Krankenkassenbeiträge, denen der Geschädigte nicht mehr nachkommen kann. "Bei hohen Renteneinkünften war kein Geld mehr vorhanden", so der Betreuer. Schulden seien aufgelaufen, die teilweise noch nicht beglichen seien.

Als weiterer Zeuge schildert ein Kriminalbeamter die Vernehmung des Geschädigten. Er berichtet unter anderem von "Erinnerungslücken" des Seniors, aber auch, dass er sich zum Zeitpunkt der Vernehmung geschädigt gefühlt habe.

Dass die Angeklagte dem 82-Jährigen durch ihr Geständnis eine Vernehmung erspart habe, würdigt die Staatsanwältin. Und räumt ein, dass es "das System ihr leicht gemacht habe", die Taten zu begehen. Ein Jahr und neun Monate Haft auf drei Jahre Bewährung fordert sie. Zudem 80 Tage gemeinnützige Arbeit.

Die Abhebungen seien wohl "wie im Rausch gewesen", so der Richter. Die Angeklagte habe entzogen, ein neues Umfeld. "Wir hoffen, dass es dabei bleibt", so seine Urteilsbegründung. Das beinhaltet die Zurückzahlung der abgezockten Geldsumme und 60 Tage gemeinnützige Arbeit.

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