Reporterpreis für den Mann von der Ostalb

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Till Eckert: ausgezeichnet mit dem Deutschen Reporterpreis 2021.
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Till Eckert: Journalistisches Handwerk bei der SchwäPo gelernt - jetzt in Berlin mit einer bundesweit renommierten Auszeichnung für Recherche über die rechte Szene gewürdigt.

Aalen Er ist ein Gewächs von der Ostalb. Das journalistische Handwerk hat er bei der Schwäbischen Post gelernt. Nun ist er mit einem der renommiertesten deutschen Journalistenpreise ausgezeichnet worden: Till Eckert. Der 31-Jährige und sein Team des Recherchezentrums „Correctiv“ erhielten für ihre Recherche über die rechte Szene den Deutschen Reporterpreis 2021. Die fünfteilige Serie „Kein Filter für Rechts“ ist im Internet zu lesen.

Am Tag nach der Preisverleihung ist Till Eckert, den wir telefonisch in seiner Wahlheimat Berlin erreichen, noch immer fast ein wenig überrascht: „Wir begreifen erst allmählich, was da eigentlich mit uns passiert ist. Der Preis ist für uns eine sehr große Ehre und enorme Wertschätzung.“

Die preisgekrönte Arbeit: Eckert und sein Team aus Reporterinnen und Reportern, einem Datenjournalisten und einer Wissenschaftlerin haben im Internet über Monate hinweg die rechte Szene im Sozialen Netzwerk „Instagram“ beobachtet, dafür rund 4500 Instagram-Accounts analysiert. Ihre Recherche zeigt auf, wer die Schlüsselfiguren dieser Szene sind, wie sie kommunizieren und andere für sich zu gewinnen suchen.

Ein Beispiel: „Die Mädels sind für das schöne Bild verantwortlich“, berichtet eine Insiderin den Reportern. Es seien vor allem Frauen, die Nutzer auf Instagram mit ästhetischen Bildern und subtilen Botschaften in die rechte Szene ziehen sollen. Eckert und seine Kolleginnen und Kollegen zeigen anhand von Beispielen wie Emojis als Reichsflagge, Hashtags wie #heimatverliebt oder AfD-Politikern, die für ein rechtes Modelabel posieren oder Accounts von Rechtsextremen folgen, wie die Szene auf der vermeintlich unpolitischen Plattform verdeckt, aber fokussiert für sich wirbt. „Die rechte Szene setzt gezielt auf Lifestyle und Influencerinnen, um jungen Menschen auf Instagram ihre Ideologie zu verkaufen – und die Plattform hat kein Gegenmittel“, lautet ein Fazit der fünfteiligen Rechercheserie. Politische Inhalte seien leicht zu tarnen, Instagram unternehme kaum etwas dagegen, stellt das „Correctiv“-Team fest. „Nutzer können auf rechtsextreme Profile geraten, ohne es zu merken. So kann Instagram zu einer Radikalisierung beitragen.“

Die Motivation: Insgesamt acht Monate lang haben Till Eckert und seine Kolleginnen und Kollegen daran gearbeitet. Haben sich mit einem fiktiven Instagram-Account in die Szene ziehen lassen, dabei Unmengen von Daten und Fakten gesammelt. Durchaus mal „langweilig“, dann aber wieder „aufrührend“ und „stressig“ sei es gewesen, blickt Eckert zurück. Er selbst wie auch andere aus dem Team seien dabei durchaus an physische und psychische Belastungsgrenzen gestoßen. Eine große Herausforderung war am Schluss die Gewichtung: „Wir hätten noch jede Menge Material für weitere Folgen gehabt.“ Letztlich entschied die Frage: „Was ist wirklich relevant?“

Entwicklungen: Fünf Folgen sind im Netz veröffentlicht, zu lesen für jeden, frei zugänglich. Doch das Kapitel „rechte Szene und Digitalisierung“ ist für Till Eckert nicht abgeschlossen, noch lange nicht. Schon in seiner Zeit als Bundeswehrsoldat tummelte sich der gebürtige Dettinger in der Freizeit im Internet als Blogger. Sein Schwerpunkt damals: neue digitale Technologien. Nach der Redakteursausbildung bei der SchwäPo von 2014 bis 2016 zog es ihn direkt nach Berlin, zu „Zeit Online“, im März 2019 dann zu „Correctiv“, einem bundesweit anerkannten, spendenfinanzierten Recherchezentrum. Seither spürt er dort im Team „Faktencheck“ gezielt Falschinformationen, Gerüchten und Halbwahrheiten nach, die Rechercheergebnisse werden veröffentlicht. Im Januar wird Eckert innerhalb von Correctiv eine neue Aufgabe übernehmen: Er wechselt als Reporter ins „Investigativ-Team“. Sein Schwerpunkt bleibe, sagt er: „Digitalpolitik, digitaler Machtmissbrauch.“ Und es ist auch sein Herzensthema: „Für mich ist das neben der Klimakrise die größte Herausforderung, vor der wir als Gesellschaft stehen.“

  • "Kein Filter für Rechts"
  • Die ganze Recherche „Kein Filter für Rechts“ mit allen fünf Teilen ist über die Adresse www.keinfilterfuerrechts.de abrufbar. Wer den ersten Teil der Recherche gerne gedruckt lesen möchte, kann sich auch mit seiner vollen Anschrift an info@correctiv.org wenden – Correctiv schickt dann kostenlos ein Booklet zu.

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